Tanja Meyer: Rede zur medizinischen Versorgung in Niedersachsen (Fragestunde CDU)

Rede Tanja Meyer© Plenar TV

Rede TOP 23 a: Wie soll künftig die flächendeckende medizinische Versorgung in Niedersachsen gewährleistet werden? (Fragestunde CDU)

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

sehr geehrte Kolleg*innen von der CDU,

das Thema ist wichtig, aber Ihre Fragen passen nicht. Sie greifen eine der zentralen Herausforderungen auf, die wir deutschlandweit haben. Aber mir scheint es, als wenn Sie ein System erhalten wollen, was so nicht mehr zukunftsfähig ist.

Wir müssen doch ehrlich sein: Wir werden nicht mehr so viele Ärzt*innen haben oder nicht mehr so viele Pflegekräfte wie noch vor 5-10 Jahren. Die Gründe dafür sind vielfältig, allen voran gehört der demographische Wandel dazu. Aber, liebe Kolleg*innen, das bedeutet doch nicht, dass wir uns mit einer mangelhaften Qualität zufriedengeben müssen.

Es geht auch nicht um wieder mehr Geld. Deutschland gibt gemessen an der Wirtschaftsleistung von allen 27 EU-Staaten den höchsten Anteil für sein Gesundheitssystem aus, aber wir haben nicht das beste Gesundheitssystem in der EU. Das Geld wird nicht effizient genutzt und das System krankt an vielen Stellen.

Wir haben viele kluge Köpfe, die dazu forschen und sich mit dem Thema schon lange auseinandersetzen. Wir selber haben in der Enquete erste Maßnahmen für eine gute medizinische Versorgung in ganz Niedersachsen erarbeitet. Und die setzen wir nun sukzessive um.

Dazu gehören aber eben nicht einfach nur mehr Ärzt*innen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir brauchen gerade im ländlichen Raum eine bessere Versorgung. Das geht aber nur mit anderen Strukturen. Oberste Priorität hat dabei die Absicherung der Qualität der Versorgung.

Zum einen brauchen wir eventuell anders ausgebildete Ärzt*innen. Aber es ist auch so, dass nicht alle(s) von Ärzt*innen behandelt werden muss. Erst vorgestern haben wir uns über Community Health Nurses ausgetauscht. Wir brauchen mehr solche weiteren – auch akademische - medizinisch unterstützenden Berufsbilder, wir brauchen andere Formen der Gesundheitsleistungen als die klassische Praxis, wie z.B. in Regionalen Versorgungszentren (RVZs) oder Familienzentren, wir brauchen andere familienfreundliche Beschäftigungsstrukturen wie Medizinische Versorgungszentren und wir müssen wesentlich mehr in Prävention investieren.

Der Strauß ist groß und – da stimme ich Ihnen überaus zu: Die Notwendigkeit einer Reform ist riesig und wird es auch noch bleiben. Aber derzeit stellen Sie noch die falschen Fragen. Lassen Sie uns doch zusammen mutig sein und gemeinsam systemverändernde Lösungen entwickeln.

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