Tanja Meyer: Rede zur Personalsituation in der Pflege (Antrag CDU)

TOP 43: Personalsituation in der Pflege stärken – Situation für Patienten und Pflegekräfte verbessern (Antrag CDU)

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

ein wenig irritiert habe ich Ihren Antrag gelesen. Die Überschrift „Personalsituation in der Pflege stärken - Situation für Patient*innen und Pflegekräfte verbessern“ verspricht eine Forderung, der erstmal zuzustimmen ist.

Aber dann folgen ein paar Ideen, die der Komplexität und auch der Professionalität der Pflege nicht gerecht werden.

Zum einen: Sie werfen Pflege in einen Topf ohne zu differenzieren, Pflege in Krankenhäusern und ambulante Pflege bleiben weitgehend außen vor. Ganz zu schweigen davon, dass Pädiatrie oder Intensivpflege auch nur Erwähnung finden würden.

Des Weiteren: Wenn Sie sich schon auf Pflegeinrichtungen konzentrieren, unterschlagen Sie komplett, dass zwei Drittel aller Pflegebedürftigen von Angehörigen versorgt werden. Für diese pflegenden Angehörigen brauchen wir Unterstützung und Anleitung von ambulanter Pflege und Hausärzt*innen und auch arbeitsrechtliche Sicherheit.

Nun zum Kern: der einjährigen Pflegehelfer*innenausbildung

Die einjährige Ausbildung darf aus unserer Sicht nur als Einstieg in eine Karriere in der Pflege eingeführt werden. Es braucht also unbedingt das Ziel der Weiterqualifizierung auf Fachkraftniveau. Das lese ich bei Ihnen nicht.

Pflege ist eine anspruchsvolle Tätigkeit. Sie auf Hilfstätigkeiten zu reduzieren führt zu einer Deprofessionalisierung, die genau das Gegenteil von dem ist, was wir brauchen: Professionelle Fachkräfte! In der Pflege geht es bei Weitem nicht nur um satt, sauber, trocken.

Zudem: Wenn wir es mit der sektorenübergreifenden Versorgung ernst meinen, wenn wir die Delegation ärztlicher Tätigkeiten in andere medizinische Berufsfelder anstreben, dann brauchen wir dafür vor allem auch akademisch ausgebildete Pflegekräfte. Der Bund verbessert gerade mit dem Pflegestudiumstärkungsgesetz die Grundlage dafür.

Und: Jede neue Ausbildungsform wird nichts nutzen, wenn Menschen den Beruf wieder schnell verlassen, weil die Bedingungen so unattraktiv sind. Wir haben in Deutschland mindestens 300.000, optimistisch gerechnet sogar 6000.000, Vollzeit-Pflegekräfte, die sofern sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege deutlich verbessern, in den Beruf zurückkehren würden.

Wir müssen also eigentlich alles gleichzeitig tun: Arbeitsbedingungen verbessern, Ausbildung auf allen Stufen praxistauglich und durchlässig gestalten und ausländischen Fachkräfte verbesserten Einstieg ermöglichen. Gleichzeitig müssen wir die medizinische Versorgung insgesamt anpacken und regionale Chancen nutzen.

Liebe CDU, erwecken Sie bitte nicht den Eindruck, Pflege wäre einfach und alle könnten das. Und: Das letzte, was wir wollen, ist hier einen neuen prekären Beschäftigungssektor zu schaffen!

In einer Sache bin ich aber dabei: Wir dürfen keine Zeit verlieren.

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