Swantje Schendel: Rede zum Babybegrüßungsgeld (Antrag AfD)

Rede Swantje Schendel© Plenar TV

TOP 38 AfD-Antrag zum Babybegrüßungsgeld

- Es gilt das gesprochene Wort -

Der Antrag der AfD macht große Worte, verfehlt aber den Kern. Wer glaubt, ein paar tausend Euro würden darüber entscheiden, ob Menschen Kinder bekommen, ignoriert die Realität von Familien. Der Geburtenrückgang hat nichts mit fehlenden Einmalzahlungen zu tun. Er hat mit Strukturen zu tun, die das Leben mit Kindern schwer machen und vor allem Frauen belasten.

Frauen bekommen nicht weniger Kinder, weil sie kein Begrüßungsgeld erhalten. Sie bekommen weniger Kinder, weil unsere Gesellschaft noch immer von ihnen erwartet, den Großteil der Sorgearbeit zu übernehmen.

Das zeigt sich ganz klar in den Zahlen: Nur 6 Prozent der Väter in Deutschland mit kleinen Kindern arbeiten in Teilzeit, aber über 70 Prozent der Mütter. Das ist kein persönlicher Wunsch, das ist ein System – eines, das Frauen Einkommen, Renten und berufliche Perspektiven kostet. Mit zwei Kindern verlieren Frauen im Schnitt 64 Prozent ihres Lebenserwerbseinkommens gegenüber Männern. Das ist strukturelle Benachteiligung.

Und die AfD? Sie schlägt ein Begrüßungsgeld vor – aber nur für deutsche Staatsangehörige. Eine Maßnahme, die Kinder nach Pass sortiert, ist nicht lösungsorientiert, sondern nur eines: diskriminierend.

Aber was führt denn tatsächlich dazu, dass Familien mehr Kinder bekommen? Die Nobelpreisträgerin Claudia Goldin hat in ihren Studien gezeigt: Je gerechter die Aufteilung von Kinderbetreuung und Hausarbeit, desto höher ist die Geburtenrate. Nicht Herkunft, nicht Staatsangehörigkeit und schon gar nicht Einmalzahlungen entscheiden über Kinderzahlen, sondern Gleichberechtigung.

Länder, in denen Väter selbstverständlich Verantwortung übernehmen, haben stabilere Geburtenzahlen. Bei uns aber nehmen viele Väter noch immer gar keine Elternzeit. Über 80 Prozent der unbezahlten Sorgearbeit bleibt weiterhin an Frauen hängen. Solange das so bleibt, entscheiden sich viele gegen weitere Kinder.

Eine moderne Familienpolitik stärkt deshalb Familien und stärkt die Gleichberechtigung. Sie sorgt für gute Betreuungsstrukturen, faire Arbeitsbedingungen für Erzieher*innen, flexible Arbeitszeiten für beide Eltern und ein Steuersystem, das Gleichstellung ermöglicht statt das Einverdienermodell zu belohnen. Vor allem aber: Sie traut Männern zu, Verantwortung zu übernehmen.

Liebe Kolleg*innen: Familien brauchen keine symbolischen Schecks. Sie brauchen gerechte Strukturen und das ist unser aller Aufgabe.

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