Rede von Miriam Staudte: Soforthilfe Elbe-Hochwasser
- Es gilt das gesprochene Wort -
Als Abgeordnete aus dem Wahlkreis „Elbe“ –Lüneburg und Lüchow-Dannenberg möchte ich mich bei Ihnen allen ganz herzlich für die kooperative Zusammenarbeit bei der Bereitstellung der Soforthilfe von 40 Mio. Euro für die Geschädigten vom Elbehochwasser 2013 bedanken.
Vor zwei Wochen war ich noch einmal in Vietze, einer kleinen Ortschaft in Lüchow-Dannenberg, in der zum ersten Mal in der Geschichte der Hochwasserereignisse 30 Häuser überflutet waren. Man kämpfte lange gegen die Fluten, irgendwann fiel die Entscheidung dass Vietze, das bislang keinen gewidmeten Deich hat, nicht gehalten werden kann, in der Nacht rückten die Katastrophenhelfer ab, um andere Ortschaften zu sichern, Menschen blieb nur wenige Stunden um mit Hilfe Freiwilliger ihren Hausrat zu retten. Und das war für beide Seiten beklemmendes Erlebnis: Fremde Leute kommen in deine Wohnung und fangen an dein Hab und Gut aus dem Haus zu tragen. Das ist für die Bewohner unangenehm, die Helfer fühlen sich als Eindringlinge. Und mir ist noch einmal klar geworden, warum die Unverletzlichkeit der Wohnung ein im Grundgesetz geschütztes Recht ist. Ich hab mir Häuser angesehen und ich kann ihnen sagen, es ist erschreckend. Juni war das Hochwasser und im August waren diese Häuser immer noch unbewohnbar. Rohbau, nackte, feuchte Wände, keine Fußböden, man geht über bloßen Sand. Und noch 3 Monate nach dem Hochwasser liefen die Bautrockner, nicht nur in den Häusern, auch in der Kapelle aus dem 12. Jahrhundert, auf dem Friedhof waren Grabsteine umgespült worden.
Alles kein Vergleich zu Fischbeck – ich weiß.
Menschen sind jetzt mit Wiederaufbau beschäftigt, aber sie sind verunsichert. Wie lange wird das stehen, was wir gerade aufbauen?
Und deswegen ist die Soforthilfe – die Abgrenzung zur Aufbauhilfe ist ja nicht immer klar- ein Baustein im Gesamtkonzept Hochwasserschutz. Wir brauchen mittelfristig sicherere Deiche und niedrigere Pegelstände dadurch, dass wir Überflutungsflächen wiederherstellen. Und da sind die Oberlieger natürlich genauso gefragt wie wir. Unser Staatsvertrag zur Flutung der Havelpolder ist da wegweisend: Wenn Sachsen-Anhalt flutet und die Nachteile der Flutung tragen muss, beteiligt sich Niedersachsen daran finanziell.
Für uns ist das allemal sinnvoller als Gefahren einzugehen. In den Samtgemeiden direkt an der Elbe: Elbmarsch, Scharnebeck, Bleckede, Elbtalaue, Gartow und im Amt Neuhaus wohnen insgesamt 65.000 Menschen. Ihnen jetzt zu helfen und ihr Schutz ist unsere Herausforderung der kommenden Zeit.
Wir an der Elbe brauchen nicht viel Phantasie um uns Fischbeck, wo 200 Quadratkilometer überflutet worden sind- mehr als ein Drittel des Bodensees- bei uns vorzustellen.