Rede von Ina Korter: Diskriminierung und Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen aus Einwandererfamilien im Bildungssystem abschaffen- Alle Talente fördern und Chancen endlich nutzen
Anrede,
als vor kurzem der türkische Ministerpräsident Erdogan Deutschland mit der Forderung nach türkischen Schulen konfrontierte, hat dies eine sehr kontroverse Diskussion ausgelöst.
Eins aber ist einmal mehr deutlich geworden:
Kinder aus Einwandererfamilien, vor allem aus sozial benachteiligten, werden in unserem Bildungssystem noch immer diskriminiert.
Sie müssen endlich besser gefördert werden, denn Bildung ist der Schlüssel zur Integration.
Zu häufig landen diese Kinder in Förderschulen und Hauptschulen, zu oft werden nur ihre sprachlichen Defizite gesehen, statt ihre mitgebrachten Sprachpotenziale auszubauen.
Zu häufig noch scheitern sie mangels Unterstützung, wenn die Familien diese nicht leisten können, die Schule aber sehr stark eine Unterstützung durch die Eltern voraussetzt.
Viel zu oft werden sie auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz schon aufgrund ihres Namens, ihrer Herkunft diskriminiert.
Schockiert darüber hat sich auch der UN-Sonderbeauftragte Munoz geäußert.
Anrede,
das kann so nicht bleiben!
Wir Grünen haben deshalb bereits 2008 einen Entschließungsantrag in den Landtag eingebracht, der die Benachteiligungen benennt und gezielte Gegenmaßnahmen vorschlägt.
Wir wollen die frühe Trennung auf der Grundlage einer fragwürdigen Schullaufbahnempfehlung abschaffen zugunsten einer längeren gemeinsamen Schulzeit in echten Ganztagsschulen.
Dies kommt gerade den Einwandererkindern zugute, die noch nicht perfekt die deutsche Sprache beherrschen und deshalb ihre Potenziale noch nicht vollständig entfalten können.
Dies nutzt vor allem den Kindern, bei denen die Familie mit der häuslichen Unterstützung überfordert ist, und das sind nicht nur Einwandererfamilien, wie der enorme Run auf Nachhilfeinstitute bestätigt.
Wir wollen, dass die Sprachförderung durch geschulte Erzieherinnen in den Kindertagesstätten gelingt, statt mit großem Aufwand Kinder aus den Kitas herauszusortieren, damit sie durch ihnen häufig fremde Grundschullehrkräfte extra gefördert werden.
Wir wollen, dass die Sprachförderung über die Grundschule hinaus kontinuierlich weiter geht.
Vor allem aber müssen wir dazu kommen, die mitgebrachten Potenziale der Einwandererkinder positiv zu sehen und zu fördern. Das heißt:
Auch türkisch, kroatisch, russisch oder arabisch sollten, wo es ausreichenden Bedarf gibt, als Fremdsprachenunterricht angeboten und als Prüfungsleistung anerkannt und zertifiziert werden. Mehrsprachigkeit ist immer eine Stärke!
Unbedingt unterstützt werden müssen Initiativen zur Einbeziehung der Eltern der Einwandererkinder.
Anrede,
wir wollen, dass mehr Migrantinnen und Migranten Erzieherin, Lehrerin oder Dozentin an der Universität werden, dass im Ausland erworbene Bildungsabschlüsse leichter anerkannt werden.
All diese Vorschläge wollten wir in einer Anhörung des Ausschusses mit den Migrantenverbänden erörtern, aber die Ausschussmehrheit aus CDU und FDP hat dies abgelehnt. Deshalb haben wir Grünen im Januar 2009 eine eigene Anhörung durchgeführt, zu der nahezu alle großen Migrantenverbände Niedersachsens gekommen sind.
Große Unterstützung gab es für unsere Forderungen im Antrag, vor allem nach längerer gemeinsamer Schulzeit ohne frühe Trennung, nach echten, gebundenen Ganztagsschulen und nach einer Sprachförderung, wie ich sie vorhin ausgeführt habe.
Auch in der Integrationskommission wurde die Diskussion ähnlich geführt.
Dort wurde genauso wie im Kultusausschuss, nach langer Verzögerung von der CDU ein eigener Antrag angekündigt. Vorgelegt wurde leider nichts. CDU und FDP haben lieber darauf hingewiesen, was schon alles an Einzelmaßnahmen und Projekten läuft – das werden sie sicher gleich auch wieder tun.
Offensichtlich sehen Sie keinen Handlungsbedarf!
Umso mehr freut es mich, dass die neue Sozialministerin Aygül Özkan bereits deutlich gemacht hat, dass sie die in unserem Antrag formulierten Forderungen für richtig hält.
Ich frage mich nur:
Wie passt das eigentlich zusammen, wenn Sie heute unseren Antrag für eine bessere Förderung von Einwandererkindern ablehnen?
Das müssen Sie mir mal erklären!
Ich hoffe, die Neubesetzung der Sozialministerin ist mehr als nur ein Schachzug, mit dem die CDU ihr verstaubtes Image aufpolieren will – ist mehr als Symbolpolitik.
Nach Ihrem Chaos-Kurs in der Kruzifix-Debatte muss ich das allerdings bezweifeln.
Beweisen Sie, dass es Ihnen ernst ist mit der Integration, indem Sie unserem Antrag heute zustimmen. Er ist gut und richtig!