Rede Ursula Helmhold: Die aktive Väterrolle in der Familienarbeit und Kindererziehung stärken
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Anrede,
nach der Arbeit noch schnell einkaufen, danach warten zu Hause noch ein Berg Wäsche und andere Hausarbeiten. So sieht der Alltag der meisten berufstätigen Mütter aus. Ändern könnten das in erster Linie die Männer, wenn sie denn da wären und nicht noch am Arbeitsplatz.
Männer entwickeln sich nämlich häufig, nachdem Kinder da sind, zu regelrechten Nestflüchtern: Sie verbringen noch mehr Zeit im Büro als vor der Geburt des Kindes, Mami richtet das Heim und bringt die Kinder rechtzeitig zu Bett, damit Vati seinen Feierabend auch genießen kann Und genau so, als Anreiz für Frauen aus dem Beruf auszuscheiden, war die Muttiprämie ja auch konzipiert.
Anrede,
an der klassischen Rollenverteilung im Haushalt hat sich wenig geändert: Väter, die in Paarhaushalten leben, widmen sich durchschnittlich eine Stunde und neun Minuten täglich ihren Kindern, Frauen doppelt so lange. Bei der Hausarbeit ist es nicht anders: Männer scheuen hier besonders den Umgang mit feuchten Textilien: In Paarhaushalten wenden sie für die Wäschepflege täglich 2 Minuten auf, die Frauen dagegen eine halbe Stunde. Selbst bei erwerbstätigen Paaren ohne Kinder werkelt die Frau im Schnitt täglich 50 Minuten länger im Haushalt als der betreffende Mann. Und damit das so bleibt, machen bereits Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren täglich eine Viertelstunde mehr Hausarbeit als gleichaltrige Jungen. Hier hat meine Fraktion angesetzt, indem wir mit der Veränderung des Girls` Day auch die Jungen in die Betrachtung einbezogen haben, mit der ausdrücklichen Zielsetzung, diese für eher weibliche Lebensentwürfe zu interessieren und zu sensibilisieren.
Der Gerechtigkeit halber muss man aber auch sagen, dass ein Drittel der Männer durchaus gern mehr Familienarbeit leisten würde, wenn es nur möglich wäre. In der Regel sehen sie sich jedoch erheblichen Schwierigkeiten ausgesetzt, diesen Wunsch zu realisieren, denn die Arbeitswelt reagiert immer noch befremdet auf entsprechende Wünsche. Teilzeitarbeitende Männer, Väter in Elternzeit: dies ist in den Vorstellungen vieler Firmenchefs und in der vorherrschenden Arbeitskultur, die immer noch die schlichte Anwesenheit am Arbeitsplatz, möglichst in den Abendstunden, belohnt, schlicht nicht vorgesehen.
Und weil die passenden Männer fehlen, kriegen Frauen immer weniger Kinder. Insbesondere qualifizierte Frauen, wissen, dass Kinder zu haben nicht goutiert wird und ihre Karrierechancen verringert.
Was also tun?
Ich glaube nicht, dass insbesondere die ersten Punkte des vorliegenden Antrags bei der Lösung der skizzierten Probleme ziel führend sind, wobei für mich zunächst auch die Frage zu klären wäre, was unter dem Begriff "Väterarbeit" denn überhaupt zu verstehen sein soll.
Wichtiger als eine Bestandsaufnahme von etwas, das noch zu definieren wäre und Erstellung eines Konzeptes dazu, erscheint mir der weitere Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten, damit die klassische Rollenverteilung nicht allein aus Mangel an Betreuungsmöglichkeiten weiter geführt werden muss. Aber da warten wir noch auf das von Minister Busemann versprochene kostenlose dritte Kitajahr.
Über die Abwesenheit von Männern in pädagogischen Berufen haben wir in diesem Hause bereits im Jahre 2003 diskutiert, als der Kultusminister etwas unglückselig versuchte, die Gründe für das schlechte Abschneiden von Jungen in der Schule bei den Lehrerinnen zu verorten.
Auch hier erhoffe ich mir von der Veränderung des Girls` Day mittelfristig zumindest den Effekt, dass Jungen sich mit eher für sie untypischen Berufen beschäftigen und diese in ihre Berufsplanung mit einbeziehen. Das setzt allerdings auch voraus, dass Berufe wie Erzieher/In endlich aufgewertet und auch finanziell besser gestellt werden.
Anrede,
Nur 5% der Elternzeitler sind Männer. Deshalb ist es richtig, das Elterngeld so auszugestalten, dass Väter zwingend 2 Monate Elternzeit in Anspruch nehmen müssen. Damit wird ein Teil des so genannten Risikos für die Arbeitsgeber, dessentwegen sie oft Frauen nicht einstellen, gleichberechtigt auf die Männer verlagert. Das oben angesprochene Akzeptanzproblem, dem sich zurzeit Väter, die ihre Berufstätigkeit unterbrechen um sich den Kindern zu widmen, ausgesetzt sehen, wäre ebenfalls gelöst.
Aber schon dieser kleine Schritt war ja einigen von Ihnen zu viel. Was haben die Männer aus CDU und CSU nicht aufgeheult bei der Vorstellung, Männer in die Säuglingsphase der Kindererziehung einzubeziehen. Aber so ist das im Allgemeinen: Männer beteuern oft ihre Bereitschaft, sich mehr engagieren zu wollen, wenn es zum Schwur kommen soll, lässt der zeitraubende Beruf dies leider, leider nicht zu. "Verbale Aufgeschlossenheit bei gleichzeitiger Verhaltensstarre" hat der Soziologe Ulrich Beck dieses Phänomen genannt.
Herr Rüttgers hat sich ja sogar dazu verstiegen, die Papamonate als verfassungswidrig zu bezeichnen. Was an einer Steuerung, die junge Paare dafür belohnt, sich dem Geschäft der Kindererziehung partnerschaftlich zu widmen, so schlimm sein soll, bleibt mir unerfindlich.
Denn mit dem Ehegattensplitting, der Subventionierung der Hausfrauen-Ehe, mischt sich der Staat bereits heute massiv in die Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern ein. Es wäre nur konsequent, das Ehegattensplitting endlich abzuschaffen, leider widmet der Antrag sich diesem Thema nicht.
Und: Nur in wirtschaftlich gleichberechtigten Partnerschaften wird die gleichberechtigte Teilhabe an der Familienarbeit eine echte Option sein können. Deshalb bleibt die Forderung nach gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Frauen und dem gleichen Lohn für die gleiche Arbeit weiter aktuell, damit nicht schlichte Wirtschaftlichkeitsberechnungen immer wieder die schlecht bezahlten Frauen in die Rolle der "Nur"-Hausfrau und Mutter drängen, eine Konstellation aus der die Väter sich dann, steuerlich begünstigt, besonders gerne komplett aus der Verantwortung für Haushalt und Kinder verabschieden.
Anrede,
etwas merkwürdig finde ich es schon, dass die Berliner Großkoalitionäre sich hier quasi gegenseitig auffordern, ihre diesbezüglichen Vereinbarungen einzuhalten. Ihre Familienministerin hat es doch so schön formuliert: "Die große Koalition hat jetzt ein erstes gemeinsames Kind, und es ist gut geworden." Mal sehen, wie es umsorgt wird.