Rede Thomas Schremmer: Antrag SPD/GRÜNE - Gute Arbeit durch Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz ermöglichen - Zukunft der Arbeit gestalten

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- Es gilt das gesprochene Wort -

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Damit haben wir jetzt auch festgestellt, wo die einzige Betriebsrätin, die die FDP jemals gehabt hat, residiert, nämlich in der Landtagsfraktion der FDP in Nieder-sachsen. Das finde ich hervorragend. Ich begrüße das sehr.

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Ich bin überzeugt, dass Burn-out ansteckend ist.“ Dieses Zitat stammt aus der Berliner Morgenpost anlässlich eines Interviews zum letzten DAK-Gesundheitsreport. In diesem Report findet sich die Aussage, dass die Zahl der Fehltage aufgrund einer psychischen Erkrankung im Jahr 2014 einen neuen Höchststand erreicht hat, nämlich im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 12 %.

In einem weiteren Bericht der Kranken- und Unfall-versicherungen heißt es: Zwei Drittel aller Erwerb-stätigen leisten regelmäßig Überstunden - zwei Drittel! Jeder Fünfte fühlt sich von seinem Arbeit-geber unter Druck gesetzt. Jeder Vierte sagt, dass er regelmäßig Aktivitäten mit seiner Familie und seinen Freunden ausfallen lasse, weil es sonst keine Möglichkeiten gibt, sich auszuruhen.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen, die Arbeitswelt hat sich verändert. Wir können vor diesem Hinter-grund sagen, dass sich das Leitbild des lebenslangen, sicheren und auskömmlichen Arbeitsplatzes verändert. Den gibt es nicht mehr. Die Anforderungen werden größer.

Deswegen, glaube ich, ist es notwendig, dass wir dieser Tatsache Rechnung tragen.

Ich möchte noch eine Zahl nennen, eine wichtige Zahl - dies zeigt auch, wie wichtig die Befassung ist - : 1965 brauchte eine Familie im Durchschnitt 56 Arbeitsstunden, um die ökonomische Existenz zu sichern. 2008 war es schon 67.

Das heißt, Mütter und Väter arbeiten heute im Durchschnitt länger als die Generationen vor ihnen. Gute Eltern wollen sie aber trotzdem sein.

Ich kann Ihnen sagen: Herr Fredermann, hier geht es nicht um Klassenkampf, sondern das alles ist Realität, der wir, finde ich, Rechnung tragen soll-ten. Das tun wir mit diesem Antrag. Das ist auch richtig so.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Entwicklungen am Arbeitsmarkt und in den Betrieben lassen sich nicht zurückdrehen. Aber der Erklärungsversuch, den Anstieg der Erkrankungen zu individualisieren, und so zu tun, als wenn die Arbeitswelt damit nichts zu tun hat, ist falsch und ignoriert nur das Problem, verkennt den Zusammenhang und ist aus meiner Sicht auch betriebswirtschaftlich unklug.

Denn Gesundheitsförderung am Arbeitsmarkt verdient einen hohen Stellenwert.

Wenn Sie schon fragen, ob das nur etwas mit der Arbeit zu tun hat, dann frage ich mit einem kleinen Augenzwinkern, ob sich das Auftreten der Opposition in diesen Tagen nicht auch auf die Work-Life-Balance ausgewirkt hat. Auch das können wir ein-mal gemeinsam erörtern. Ich glaube, auch Sie haben einen erheblichen Anteil daran, wenn wir hier arbeiten.

Ich finde, es lassen sich aber auch vielversprechende Ansätze erkennen. Es gibt Arbeitgeber, die für Arbeitszeitmodelle sehr offen sind. Vorgesetzte sind Vorbilder. Es gibt Eltern- und Pflegezeiten. Es gibt eine hohe Sozialkompetenz auch in der Personalführung. Ich glaube, das darf man nicht ignorieren, sondern das muss man ausbauen.

Die Einführung des Mindestlohns - das habe ich schon gestern oder vorgestern gesagt - ist ein Meilenstein, reicht aber allein natürlich nicht aus, um gesundheitliche Belastungen herauszunehmen. Dabei geht es um die Finanzierung. Ich finde, das Präventionsgesetz, das die Bundesregierung anschieben will, tut ein Übriges. Die Kassen wer-den an dieser Stelle als Kostenträger mit einbezogen. Das finde ich richtig. Auch die Antistressverordnung, die die IG Metall entwickelt hat, wäre, meine ich, eine wichtige flankierende Maßnahme.

Da ich in meinem früheren Leben bei einem öffentlichen Arbeitgeber gearbeitet habe, möchte ich noch sagen, dass auch da natürlich noch ein bisschen was drin ist.

Da mein alter Personalchef dort hinten in der Besuchergruppe sitzt, will ich durchaus auch ein bisschen selbstkritisch sagen: Da hat sich die Stadt Hannover viel vorgenommen. Da müssen wir noch mehr machen.

Wenn Sie sich einmal die Mühe machen und sich anschauen, wer alles die Luxemburger Deklaration zur Betrieblichen Gesundheitsförderung unter-schrieben hat, kann man sagen: Da sind gute Unternehmen aus Niedersachsen dabei, nämlich Continental, VW und u. a. die Stadt Wolfsburg. Darin stehen wichtige Dinge. Das ist ein Netzwerk, das einen Erfahrungsraum bietet, auch für öffentliche Arbeitgeber. Ich finde, davon können sich noch viele eine Scheibe abschneiden. - Das dazu.

Ich komme zum Schluss. - Hier kommt an, wie wichtig dieses Thema ist. Das hat auch die Opposition eingeräumt.

Insofern glaube ich, dass Betriebe, die auf Work-Life-Balance - man kann es auch anders ausdrücken - und betriebliche Gesundheitsförderung setzen, in der Frage der Konkurrenz Vorteile haben werden.

Ich bin gleich am Ende. Ich lasse aber die Frage des Kollegen Bley noch zu.

Wir wollen mit diesem Antrag - das können wir auch; das werden wir dann in den Ausschüssen sehen; auch ich habe ein Interesse daran, dass der federführende Ausschuss entscheidet, diesen Antrag auch im Sozialausschuss zu behandeln, weil ich auch dort aktiv bin - eine breite gesellschaftliche Diskussion befördern und das Bewusstsein für diese Fragen stärken. Ich glaube, das hat auch die Bundesregierung erkannt, an der Sie als CDU beteiligt sind. Insofern machen wir hier alles richtig. Der Antrag ist super.

Jetzt die Frage von Herrn Bley!

"Herr Schremmer, Sie haben wieder deutlich gemacht - wie auch Herr Schminke -, dass die Arbeitgeber dafür eine gewisse Verantwortung tragen. Sehen auch Sie das so, oder sind Sie der Meinung, dass auch ein Arbeitnehmer einen bestimmten Teil dazu beitragen kann und dass das Ganze auch von der Arbeitnehmerseite her verbessert werden könnte?"

Lieber Herr Kollege Bley, ich habe das mit dem öffentlichen Arbeitgeber u. a. deswegen gesagt, weil ich nach 20 Jahren Arbeit über ganz viele Erfahrungen bei diesem Arbeitgeber verfüge. Sie können mir glauben, dass ich weiß, dass es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt, die Verbesserungsbedarf auch hinsichtlich der Frage haben: Wie gehe ich eigentlich mit meiner Gesundheit um?

Das geht natürlich nur, wenn ich die entsprechen-den Rahmenbedingungen, z. B. in der Arbeit, dafür habe, sodass ich anschließend in meiner Freizeit, in meiner Lebenszeit dafür sorgen kann, dass ich weiterhin gesund bleibe. Das geht aber nicht, wenn man, wie dies jeder Vierte sagt - das habe ich eben schon vorgetragen -, überhaupt keine Freizeit mehr hat, weil man sich dauernd ausruhen muss, weil man erschöpft ist. Deswegen bin ich der Meinung, dass beide Seiten eine Verantwortung haben.

Ich als Gesamtpersonalrat habe, wahrscheinlich genauso wie die Kollegin Bruns, immer vertreten, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine große Verantwortung haben. Diese Ansicht teile ich ausdrücklich. Aber auch die Arbeitgeber haben eine Verantwortung. Wir sind in der Lage, beides zusammenzubringen, weil es auf beiden Seiten ein großes Interesse gibt.

Vielen Dank.

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