Rede Susanne Menge: Antrag (interfraktionell) zur Zukunft des Elbe-Seiten-Kanals
- Es gilt das gesprochene Wort -
Anrede,
der Duktus dieses Antrages ist deutlich: SPD und Grüne plädieren gemeinsam mit den Landtagsfraktionen aus CDU und FDP für eine sinnvolle Investition in Infrastrukturmaßnahmen, wie sie der Elbe-Seiten-Kanal darstellt.
Auf einer Länge von 115 Kilometern, bei Wassertiefen bis zu viereinhalb Metern und einer Breite von 50 - 70 Metern ist der Elbe-Seiten-Kanal ein überaus wichtiger Wasserverkehrsweg mit einem hohen Transportpotenzial.
Folgende Aspekte begründen aus unserer Sicht den Ausbau:
- Schiffsgrößen und Wasserverkehrswege
1976, zur Zeit des Baus, maß das damals übliche Europaschiff eine Länge von 85 und Breite von 9,5 Metern. Wer heute über gelungene Gesamtkonzepte für den Gütertransport diskutiert unter der Prämisse, Güter von der Straße auf die Schiene und auf Wasserwege zu verlagern, muss mit dafür sorgen, dass der Elbe-Seiten-Kanal eine Kapazitätserweiterung erfährt. Kapazitätserweiterung heißt, Investitionen zu tätigen, damit Großmotorgüterschiffe mit einer Länge von 110 Metern sowie übergroße Motorgüterschiffe von 135 Meter Länge den Kanal und das Schiffshebewerk passieren können.
- Transportkapazität
Einer Studie der IHK zufolge sind bereits 2030 die Kapazitätsgrenzen von durchschnittlich 12 Millionen Tonnen Gütern jährlich im Schiffshebewerk erreicht, wohlgemerkt bei einer konservativen Rechnung mit einer eher verhaltenen Entwicklung bei gleichbleibendem Zustand des Hebewerkes.
Das heißt, dass bereits jetzt der Elbe-Seiten-Kanal für große Schiffsgrößen und Schubverbände von über 100 Metern Länge unattraktiv geworden ist.
Die hohe Qualität dieses wichtigen Transport-Wasserverkehrsweges würde zu Lasten bereits bestehender logistischer Probleme sinken und Forderungen von Seiten der Wirtschaft anheizen, als da wären: Autobahnbau für mehr Gütertransport und Ausbaggern der Flüsse Weser und Elbe.
- Energie aus der Region für die Region
Die ohnehin vorhandene Technik und die Funktionsweise des Schiffshebewerks - das Hochpumpen des Wassers ins obere Kanalbecken, das Auffahren der Verschlusskappen der Pumpen oder die Ableitung überschüssigen Wassers über Entlastungskanäle könnte mit Hilfe von Turbinen einen großen volks- und betriebswirtschaftliche Vorteil ergeben.
Kurz gesagt: Man nutzt die Kanalbecken zur Energiespeicherung, die Entlastungskanäle zur Stromproduktion.
Entwickelt hat diese Idee Herr Schulte, ein Betriebsschlosser und Ökolandwirt, weiterentwickelt zum EU-Forschungsprojekt für regionale Wirtschaftsförderung haben es der Ideengeber selbst und zwei Professoren für Energie- und Umweltrecht an der Leuphana Universität Lüneburg.
- Elbe-Seiten-Kanal als Alternative
Eine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion vom April 2015 rückt noch einmal in den Fokus, dass die Ertüchtigung des Elbe-Seiten-Kanals eine verkehrsübergreifende Alternative für den Güterverkehr bei der Bewertung des Neubauvorhabens A 39 sein kann und hinterfragt, inwiefern die Bundesregierung den Ausbau der Schleuse bzw. des Schiffshebewerks Scharnebeck berücksichtigt, und zu welchen Ergebnissen sie im Rahmen von Vorabeinschätzungen für die Wasserstraßenprojekte im BVWP kommt.
Ich möchte aus einer Pressemitteilung der Lüneburger Grünen zitieren:
„Der Ausbau Scharnebecks könnte mit geschätzten 240 Millionen Euro Kosten rund 15% mehr Güter aufs Wasser bringen. Weitere 25 Prozentpunkte würden dann nach Szenario 3 der IHK-Studie zunächst einmal rund 300 Millionen für die Erhöhung der Brücken kosten. Wir wissen nicht, welchen Anteil die ‚zusätzlichen Sondereffekte‘ am Zuwachs hätten und wie groß der Anteil der A39 an deren Anteil sein sollte, doch selbst bei wohlmeinender Schätzung erscheint die Investition von geschätzten 1,1 Milliarden Euro nicht wirklich rentabel.
In den Handlungsempfehlungen der Studie kommt die A 39 wohl deshalb auch gar nicht mehr vor. Hier wird stattdessen dringend empfohlen, die Priorisierung der ‚Maßnahme Scharnebeck‘ im Bundesverkehrswegeplan 2015 zu forcieren. Am besten in der Kategorie‚ vordringlicher Bedarf Plus‘. Das sind dann die wirklich vordringlichen Projekte“, so die Grünen in Lüneburg.
Dieser Empfehlung schließen auch wir uns an.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.