Rede Susanne Menge: Antrag (CDU) Erdwärme für eisfreie und sichere Brücken nutzen

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

wesentliche Informationen zu dem Wunsch, auch in Niedersachsen eine Brücke mit Geothermie auszustatten, sind bereits in der Antwort der Landesregierung im Januar 2014 enthalten (Drs. 17/1130).

Betroffen vom Problem des Überfrierens sind vor allem Brücken mit Stahlfahrbahnen und die über Wasser geführt werden. Hier ist die Gefahr groß, dass sich plötzlich Eis bildet, während die übrigen Straßenabschnitte noch frei sind. Dieser gefährliche Überraschungseffekt kann dazu führen, dass Fahrzeughalter die Fahrbahnverhältnisse falsch einschätzen und die Kontrolle über ihr Auto verlieren.

Laut LR gibt es nun in NDS rund 20 Brücken mit Stahlbeton. Allerdings handelt es sich bei 15 Brücken um bewegliche Brücken, so dass hier rein technisch Geothermie nicht angewendet werden kann. Damit bleiben fünf Brücken!

Aus dem aktuellen Erfahrungsbericht des Verkehrsministeriums Schleswig-Holstein geht hervor, dass sich die Baukosten für die Kanalbrücke Berkenthin im Zuge der B 208 auf 10 Mio. Euro beliefen und dass davon 1,1 Millionen Euro auf die geothermische Anlage entfielen und damit mehr als 10 Prozent der Kosten ausmachten. Die Betriebskosten belaufen sich auf 15.000 Euro jährlich. Im Vergleich dazu kostet eine herkömmlichen Taumittelanlage in der Anschaffung 300.000 Euro und deren Betreib im Jahr 10.000 Euro.

Ähnlich wie die Landesregierung halten wir Geothermie für eine vielversprechende Technik und Möglichkeit. Gleichzeitig sind die Einsatzmöglichkeiten bislang sehr beschränkt und wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen. Zumal es günstige und bewährte Alternativen wie die Taumittelsprühanlagen gibt – wie bei der Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal im Zuge der B 70 im Bezirk Lingen.

Anrede,

im Antrag der CDU finden sich nun verschiedene Punkte, die sich weder mit der Machbarkeit noch mit der praktischen bisherigen Erfahrung und Erkenntnis abgleichen lassen. So fordert die CDU, dass Niedersachsen gleich mehrere Pilotprojekte startet.

Gleichzeitig weiß auch die CDU, dass sich nach bisherigen Erkenntnissen nur einzelne Brücken dafür eignen und selbst hier ein Nachrüsten ausgeschlossen ist, weil die Kosten exorbitant hoch sind. Geothermie ist in NDS theoretisch anwendbar auf fünf Brücken und das auch nur dann, wenn eine dieser Brücken erneuert werden muss. Praktisch eignet sich laut Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) sogar nur die Brücke in Lingen: Hier aber hat sich die Taumittelanlage noch lange nicht amortisiert und es wäre Unsinn, alles abzureißen und eine neue Brücke mit Geothermie zu bauen.

Es gibt auch nicht vielen anderen Bundesländer (!), von denen die CDU im Antrag spricht und mit denen wir Erfahrungen austauschen sollen. Bislang probiert sich einzig SH mit einer einzigen Brücke in Geothermie. Der Eindruck, den die CDU erwecken möchte, wir hätten hier eine beinah marktreife Technik, die es nur anzuwenden gilt, ist falsch! Falsch ist auch, die Menschen glauben zu machen, dass mit Geothermie sich Hitze und Eis vollständig vermeiden lassen. Sinkt die Temperatur unter   -5 Grad C, kommt es auch hier zu Glatteisbildung. Tatsächlich zielt die Technik darauf ab, das „Black-ice-Phänomen“ zu vermeiden. Also dafür zu sorgen, das Problem der unsichtbaren Glättebildung zu beseitigen und die Verhältnisse auf der Brücke an die übrige freie Strecke anzugleichen.

Weltweit gibt es zudem keine Erkenntnis, dass sich durch Geothermie die Lebensdauer von Fahrbahnen verlängern lassen könnte. Diese Behauptung der CDU entbehrt jeglicher Grundlage.

Anrede,

der Einsatz von Geothermie ist ein Ansatz, den wir ernst nehmen und dem wir offen gegenüber sind. Gleichzeitig müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt feststellen, dass die Voraussetzungen noch unzureichend sind. Am Ende muss die Rechnung stimmen! Das tut sie eben noch nicht!

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!

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