Rede Ottmar von Holtz: Antrag (FDP) Studienabbrecher in Ausbildung bringen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Anrede,
gar keine Frage: wer sein Studium abbricht, ohne dass es zu einer anderen Ausbildung führt, braucht Unterstützung!
Und keine Frage: eine Konkurrenz zwischen universitärer und beruflicher Ausbildung darf nicht zu Lasten einer der beiden Ausbildungswege führen.
Was ich mir beim Thema Studienabbrecher allerdings stets gewünscht habe, war, dass das DZHW uns mal eine genaue Analyse vorlegen könnte, worin die Motive eines Studienabbruchs liegen. Die ganze Diskussion allein auf der Basis der Abbrecherquoten zu führen, halte ich für nicht zielgerecht.
Deshalb bin ich sehr gespannt auf die Ergebnisse der aktuellen, vom BMBF geförderten Studie des DZHW, die den schönen Namen „Studienabbruch – Umfang und Motive“ trägt.
Ein erstes Modul wurde gerade vorgestellt, „Schwund und Abbruchquoten“, eine Befragung der Fakultätsleitungen zu Studienabbrüchen. Zwei Aspekte fand ich sehr bemerkenswert bei dem, was das DZHW in der Studie schreibt:
Einmal den Aspekt der sog. „vertretbaren Schwundquote“, also die Tatsache, dass Fakultätsleitungen von vorherein damit rechnen, dass eine bestimmte Quote von Studierenden ihre Fakultät vor Beendigung des Studiums verlässt. Und die sind teilweise erstaunlich hoch.
Und zum Zweiten: die tendenziell geringeren Schwundquoten an den Fakultäten der Fachhochschulen. Ich frage mich: gibt es also Bedingungen an Fachhochschulen, die ihre Studierenden besser bei Laune halten, als das an Universitäten der Fall ist?
Ich erwähne es deswegen, weil es bei der ganzen Fragestellung der Studienabbrecher auch darum geht, zielgruppenspezifische Maßnahmen durchzuführen, damit diese überhaupt erfolgsversprechend sind. Sowohl in den Hochschulen, als auch in der weiteren Biographie außerhalb des Studiums.
Nach Meinung des DZHW zeigen die Hochschulen ihrerseits ein „hohes Engagement“ zur Sicherung des Studienerfolgs – auch wenn es konstatiert, dass es noch „hohen Handlungsbedarf“ gibt.
Und auf der anderen Seite – also wenn es doch zu einem Studienabbruch kommt – gibt es zumindest in Niedersachsen eine ganze Reihe von Projekten und Netzwerken, die sich der Betroffenen annehmen und Wege aufzeigen. Beispielsweise:
- Die Fachkräfteinitiative der Landesregierung spricht auch diese Zielgruppe an.
- In der „Offenen Hochschule Niedersachsen“ werden alle von Ihnen im Antrag genannten Akteure vernetzt.
- Der „Arbeitskreis Hochschule-Handwerk“ sucht nach Wegen, wie – ich nenne das mal – „Hochschulteilerfolge“ auf berufliche Ausbildungen angerechnet werden können.
- Oder: in den Zielvereinbarungen, die die Hochschulen mit dem Wissenschaftsministerium geschlossen haben, verpflichten sich etliche Hochschulen dazu, Studienabbrecher beim Übergang in den Fachkräfte-Arbeitsmarkt zu unterstützen.
Ich möchte das jetzt hier gar nicht vertiefen. Im Ausschuss werden wir uns das genau ansehen, wie aktuell Ihre Forderungen sind, die Sie hier einbringen. Was dann am Ende an wirklichen Forderungen noch übrig bleibt, oder wir gar zu ganz anderen Einsichten kommen, wird sich dann zeigen.