Rede Miriam Staudte: Vorglühen, Komasaufen, Notaufnahme: Kinder und Jugendliche vor dem Teufelskreis von Alkoholmissbauch – Sucht und Absturz bewahren

Anrede,

Erfreulich ist, dass der Alkoholkonsum von Jugendlichen in den vergangenen Jahren insgesamt im Durchschnitt zurückgegangen ist. Sorge muss uns aber der Trend eines immer noch zu großen Teils der Jugendlichen zum sogenannten Komasaufen bereiten.

Ob Vatertagstour oder Flash-Mob, immer wieder kommt es zu mehr oder weniger organisierten Saufgelagen. Sorge bereitet uns selbstverständlich auch die erhöhte Gewaltbereitschaft unter Alkoholeinfluss.

Hier brauchen wir ein wohlüberlegtes Konzept, nicht nur repressive Einzelmaßnahmen a la Schünemann. Viel zu selten wird auch die Frage der Ursachenforschung gestellt. Denn selbstverständlich ist davon auszugehen, das Schulstress und Studienstress während der Woche auf exzessives Trinken am Wochenende auswirken.

Unser politisches Ziel ist der maßvolle, nicht süchtige Umgang mit Alkohol und die bessere gesellschaftliche Akzeptanz von totaler Abstinenz. An dieser Stelle möchte ich auf die Vorbildfunktion von uns als Politikerinnen und Politiker hinweisen: Es geht nicht darum, dass man nicht mehr bei besonderen Anlässen mal mit einem Glas Sekt anstoßen soll, aber sich zusammen mit dem JU-Vorsitzenden und mit einer Schnapsflasche ablichten zu lassen, ist genauso inakzeptabel, wie Freibier auf JU-Veranstaltungen zu verteilen.

Anrede,

Verantwortung haben wir Erwachsenen nicht nur als Vorbild, sondern auch, wenn es darum geht, welchen Zugang Jugendliche zu alkoholischen Getränken haben. Aus guten Gründen gibt es Verkaufsverbote von Bier, Wein und Sekt an Unter-16-Jährige und von Spirituosen an Unter-18-Jährige. Die Verkaufsbeschränkungen bei Alkohol müssen viel wirksamer umgesetzt werden. So sollte auf allen alkoholischen Getränken die Altersfreigabe deutlich sichtbar gekennzeichnet sein. Bei Mixgetränken ist kaum mehr ersichtlich, ob es sich um ein Getränk ab 16 oder ab 18 handelt. Das Verkaufspersonal muss durch Kassen unterstützt werden, die automatisch anzeigen, ab welchem Geburtsdatum alkoholische Getränke jeweils aktuell verkauft werden dürfen.

Wir halten es auch für absolut notwendig, die Steuern für hochprozentige Getränke deutlich zu erhöhen. Eine Flasche Wodka für 4,99€ ist definitiv zu billig!! Hochprozentiges darf nicht zu Taschengeldpreisen erhältlich sein! Hier muss der Staat endlich den Mumm haben sich mit der Alkohollobby anzulegen. Ein Punkt, den sie bei CDU und SPD leider nicht finden.

Anrede, zurück zur Landesebene:

ein besonderes Ärgernis für einige Erwachsene ist immer wieder der Alkoholkonsum von Jugendlichen auf öffentlichen Plätzen. Aber auch hier sollten wir uns vor falschen Konzepten hüten. Innenminister Schünemann schickt ja gerne seine Beamten los, um Jugendliche auch ohne konkrete Anhaltspunkte zu überprüfen und um gegebenenfalls Platzverweise auszusprechen.

Damit stellt er Jugendliche nicht nur unter einen üblen Generalverdacht, dieses Konzept wirkt auch eher kontraproduktiv: Denn wo viel Polizei ist, da muss auch was los sein und schnell werden mit dem Handy noch mehr Leute herbeitelefoniert.

Viel erfolgreicher ist das Konzept von „Go Willi“ in Göttingen. Statt Polizeiüberwachung sind dort Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vor Ort, die Zugang zu den Jugendlichen haben und für eine wirksame soziale Kontrolle sorgen. Mit diesem Konzept konnten die Beschwerden über die Jugendlichen am Wilhelmsplatz in Göttingen enorm eingedämmt werden.

Statt des Innenministers sollte also die Sozialministerin aktiv werden und vergleichbare Konzepte auch an anderen Orten in Niedersachsen unterstützen. Wir fordern von der Landesregierung eine andere Schwerpunktsetzung bei diesem Thema und Engagement im Bundesrat für höhere Steuern etc”¦

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