Rede Miriam Staudte: Qualität der Kindertagespflege in Niedersachsen steigern

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident/in, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Wir haben ihnen als grüne Fraktion einen ziemlich ausführlichen Antrag zum Thema Tagespflege vorgelegt. In 8 Punkten haben wir Forderungen aufgelistet, die die Rahmenbedingungen von Tagespflege in Niedersachsen verbessern sollen.

Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen von Tagesmüttern dazu bekommen, die alle einhellig der Auffassung sind, dass Niedersachsen hier Handlungsbedarf hat.

Doch durch die Rosa-Brille der Regierungsfraktionen sieht das naturgemäß anders aus. Im Sozial- bzw. Kultusausschuss wurden Positionen vertreten, die in der Fachwelt für Kopfschütteln sorgen würden. Ich möchte hier klarstellen: Tagespflege ist keine Nachbarschaftshilfe, die jede Mutter anbieten kann. Wir wollen und müssen - und das sagt das TAG ja auch aus- Tagespflege professionalisieren und zwar nicht nur wenn es um die Besteuerung geht. Zu schade, dass die Tagesmütter keine 1,1 Mio übrig haben, liebe FDP.

Tagespflege darf nicht länger die Billigalternative zur Krippe sein, denn dieser Bereich hat eine rasant wachsende Relevanz:

Die Zahl der Betreuungsverhältnisse hat sich von 2007 auf 2009 Jahren also mehr als verdreifacht.

Ein Indikator dafür, dass die Tagespflege nicht optimal unterstützt wird, ist die mangelnde Stabilität von Betreuungsverhältnissen unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen. Dabei ist die Verlässlichkeit von Bezugspersonen entscheidend für das Aufwachsen von Kindern. Das wissen Sie doch auch, meine Damen und Herren Angeordnete. Ich kritisiere, dass CDU und FDP sich nicht einmal die Mühe gemacht haben, einen Änderungsantrag zu formulieren. Sie müssen ja nicht jeden Punkt unterstützen, aber immer nur gebetsmühlenartig zu wiederholen: Wir machen schon alles- das ist zu wenig! Sie machen nicht alles:

  • Es gibt keine Mindestqualifizierung von 160h.
  • Keine Pflicht zur Hospitation bei einer erfahrenen Tagesmutter.
  • Die Fachdienste für Kindertagespflege werden nicht personell gestärkt.
  • Die Weiterbildungsangebote werden nicht ausgebaut.
  • Ein niedersachsenweiter Mindestlohn wird nicht angestrebt.
  • Die maximale Anzahl der Betreuungsverhältnisse wird nicht reduziert.
  • Die Großtagespflegestellen werden nicht in das Kita-Gesetz aufgenommen.
  • Erzieherinnen müssen weiter zu Dumping-Löhnen die Randbetreuung in ihrer eigenen Kita als Tagesmutter leisten.
  • Und die Zuständigkeiten für die Betreuung von Unter-Dreijährigen ist weiterhin zwischen MK und MS zersplittert.

Nur wenn die Mehrzahl dieser Punkte erfüllt ist, kann frühkindliche Bildung auch in der Tagespflege Realität werden. Wir dürfen die qualitativen Ansprüche zwischen Krippe und Kita nicht weiter so unterschiedlich bewerten. Hier muss ein Paradigmenwechsel stattfinden. Die Bündelung der Zuständigkeiten bei Krippen und Tagespflege in einem Ministerium ist also dringend geboten.

. Auch wenn Sie unseren Antrag gänzlich ablehnen, werden Sie früher oder später einige unserer Forderungen umsetzen- und wenn nicht Sie- dann Ihre Nachfolgeregierung ohne Ihre Mitwirkung.

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