Rede Miriam Staudte: Kinder und Eltern nicht mit Problemen allein lassen - Konzept für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugendpsychotherapie weiterentwickeln
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, meine Damen und Herren Abgeordnete!
Die Versorgung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher ist in Niedersachsen nicht überall und nicht zu jeder Zeit gesichert- und das seit Jahren!
Immer wieder wurde in den Tätigkeitsberichten des Ausschusses für Angelegenheiten der psychiatrischen Versorgung darauf hingewiesen. Doch passiert ist kaum etwas. Deswegen ist auch in den beiden uns vorliegenden ähnlichen Anträgen nur eine Formulierung angemessen und das ist die im Ursprungsantrag "Der Landtag rügt die seit Jahren anhaltende Untätigkeit der Landesregierung”¦". Der harmonisierte Antrag der CDU und FDP, der korrekterweise als Änderungsantrag tituliert werden müsste, ist unnötig wie ein Kropf- er mildert in der Wertung ab, und bringt keine neuen Aspekte in die Diskussion.
Fakt ist: Die Morbitität- also die Wahrscheinlichkeit eine psychischen Erkrankung zu erleiden- wächst statistisch gesehen, insbesondere bei den MigrantInnen und bei sozial schwachen Bevölkerungsgruppen. Demgegenüber steht ein nicht ausreichender Zuwachs an Behandlungsangeboten. Im Psychiatriekonzept der Landesregierung steht ja ein Zuwachs an Fallzahlen von 146% und eine Steigerung der Bettenzahl von 25%: Das macht eine Differenz von 121%.
Außerdem ist die regionale Verteilung extrem unterschiedlich.
Wie kann es sein, dass in Lüneburg 2009 21 stationäre Planbetten pro 100.000 jugendlicher Einwohnern zur Verfügung stehen, und in Hannover mit 53 Betten mehr als doppelt soviel?? In der Stellungnahme der Staatssekretärin heißt das euphemistisch:
Mit 145,8% erreicht das Versorgungsgebiet 3 (Lüneburg) zur Zeit die höchste Auslastung."
Hier hat die Krankenhausplanung Niedersachsens eindeutig versagt.
Wir brauchen gerade für Kinder wohnortnahe Behandlungsmöglichkeiten, denn die Gesundung hängt auch immer von einer gelingenden Elternarbeit ab.
Das bedeutet auch, dass wir mehr tagesklinische Plätze brauchen, auch hier das Ungleichgewicht der Regionen: In Weser-Ems gibt es doppelt so viele Plätze pro jugendlicher Einwohner wie im Bezirk Braunschweig.
Dann gibt es auch immer noch einen Mangel an Krisenbetten, was die Aufnahme auf Erwachsenenstationen zur Folge hat.
Halten Sie es für richtig, dass Kinder und Jugendliche mit psychisch kranken Erwachsenen auf einer Station behandelt werden?
Alles in allem muss man feststellen: Das einzige Projekt, was die Landesregierung vorangetrieben hat, war der Verkauf der Landeskrankenhäuser, und das war ein Fehler. Ansonsten Fehlanzeige was die Weiterentwicklung der Psychiatrie insbesondere der Kinder- und Jugendpsychiatrie angeht. Das Sozialministerium ist in Niedersachsen seiner Aufgabe eine flächendeckende Versorgung psychisch kranker Kinder sicherzustellen, nicht gewachsen.