Rede Miriam Staudte: Illegalen Exotenhandel verhindern - Tierschutz verbessern

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, meine Damen und Herren Abgeordnete!

Als ich vor einigen Tagen die Zeitung aufschlug war dort folgender Polizeibericht zu lesen:

Die Polizei wurde gerufen, um eine mysteriöse Metallbox, die auf einem Parkplatz an der A7 stand, zu öffnen: Inhalt drei ausgezehrte Würgeschlangen.

Obwohl natürlich viele Besitzerinnen und Besitzer ihre Tiere sehr verantwortungsbewusst, art- und tierschutzgerecht halten, sich zum Teil in Halterverbänden engagieren, gibt es doch Einige, auf die das nicht zutrifft und diese Zahl wächst.

Wir haben einen regelrechten Exoten-Boom.

Allein an Reptilien wurden in den letzten Jahren laut statistischem Bundesamt 440.000- 850.000 Tiere nach Deutschland eingeführt.

Überforderung ist sicherlich der Hauptgrund, Tiere verenden zu lassen, sie auszusetzen oder im besten Fall ins Tierheim oder in eine Auffangstation zu bringen.

Während die Kinder, denen ein Tier geschenkt wurde, groß werden und ausziehen, bleibt das Tier. Bei einem Kaninchen vielleicht noch für einen überschaubaren Zeitraum, bei der Schildkröte, die 60-100 Jahre alt werden kann, schon weniger kalkulierbar.

„Gebrauchte“  Tiere sind schlecht vermittelbar. Die Quote liegt bei unter 50%, denn jeder will natürlich kein aggressives ausgewachsenes Schildkröten-Männchen verschenken, sondern eine niedliche kleine Baby-Schildkröte, der man beim Heranwachsen zusehen kann. 

Die Tierheime sind inzwischen überfordert. Nach Recherche des Tierschutzbunds sind 41% der Tierheime nicht in der Lage Exoten angemessen unterzubringen. Viele kämpfen eh mit finanziellen Notlagen.  Die Wildtier-Auffangstationen wie die des Naturschutzbundes in Leiferde quellen über.

Es gibt enorme Platzprobleme, gerade weil diese Tiere - um einmal bei Thema männliche Schildkröte zu bleiben- nicht unbedingt zusammengehalten werden können.

Wenige Haupt- und viele  Ehrenamtliche versorgen die Tiere rund um die Uhr und die Allgemeinheit muss die hohen Kosten für Spezialnahrung, temperierte Terrarien mit besonderer Luftfeuchtigkeit und Aquarien übernehmen.

Von denen, die die Tiere abgeben, kann man keine Gebühren  nehmen, sonst würden noch mehr Tiere ausgesetzt werden.

Und das ist dann nicht nur ein Tierschutzproblem, sondern auch würde zu Sicherheitsproblemen führen, wenn wir einmal an das Beispiel mit den Würgeschlangen denken. Da kann man froh sein, dass der „Tierfreund“ sie nicht noch am Badesee ausgesetzt hat.

Exotische Tiere, die in der Natur ausgesetzt werden, können auch die heimischen Wildarten gefährden. Etwa exotische Salamander, die Pilze auf der Haut haben, die unsere eh schon seltenen Feuersalamander nicht vertragen können. 

Das sind jetzt nur die komplexen Problemlagen bei uns. Das Thema Wildfänge am anderen Ende der Lieferkette ist fatal.

In Deutschland ist es ja grundsätzlich laut § 39 Bundesnaturschutzgesetz verboten, heimische Wildtiere zu fangen und zu halten, sonst hätten wir wohl auch Rotkehlchen und Blaukehlchen in den Vogelkäfigen. Und bei den Romantikern Nachtigallen. Aber diese grundsätzlichen Fang-Verbote gelten in den meisten anderen, gerade ärmeren Staaten nicht. Dort ist der Fang von Wildtieren ein lukratives Geschäft.

Unsere Nachfrage – wir sind europaweit der größte Wildtierimporteure- führt dazu, dass Tiere legal und illegal gefangen und gehandelt werden. Viele werden beim Fang in Fallen und Netzen schon verletzt, andere verenden auf dem Transportweg, eingesperrt in Behältnisse, die man gut transportieren bzw. schmuggeln kann. Schätzungen gehen von 50% Mortalität beim Transport aus.

Daher haben wir eine Reihe von Forderungen zusammengestellt, um dieses Problem zu verringern.

Wir wollen mehr Tierarten unter das Washingtoner Artenschutzabkommen stellen.

Wir wollen Importverbote auch für Tiere, die nur in ihrem Heimatland geschützt oder gefährdet sind.  

Wir wollen, dass auf Landesebene die Liste der Gefahrtiere, ausgeweitet wird.

Wir fordern einen Sachkundenachweis nicht nur für Züchter und Händler, sondern wollen ihn auch für Halterinnen und Halter, damit sichergestellt ist, dass diese Menschen auch wissen worauf sie sich einlassen:

Wie groß die Tiere werden, wie lang sie leben, ob sie sich mit anderen vertragen. Allein über die Frage, wer füttert das Tier im Urlaub, haben sich gerade bei Spontankäufen auf Tierbörsen sicher viele noch keine Gedanken gemacht. Bei Preisen von 1,- Euro für eine Mini-Kornnatter  auch kein Wunder. Um die Katzen im Urlaub zu füttern, findet man ja noch leicht jemanden. Aber wer will schon eine lebende Maus verfüttern oder das Schlangenterrarium sauber machen?

Die Realität ist doch, dass das Halten dieser Tiere vor den Nachbarn meistens geheim gehalten wird. Wer will schon wissen, dass in der Wohnung über ihm Skorpione oder Vogelspinnen leben?

Diese Spontankäufe müssen verhindert werden und auch der Handel im Internet, der diesen momentanen Exotenboom verstärkt- muss besser kontrolliert werden. Man kann sich ja alle Lebewesen heutzutage wie ein paar Schuhe im Postpaket schicken lassen!

Verantwortungsvolle Halterinnen und  Halter machen das natürlich nicht. Verantwortungsvolle Halter, die langlebige Tiere anschaffen, regeln die finanzielle Absicherung für den Fall von Krankheit oder ihres Ablebens im Voraus. Es gibt Menschen, die eine Lebensversicherung abschließen, damit die Versorgung ihrer Krokodile im ausgebauten Keller-Terrarium abgesichert ist.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich denke wir sollten im Ausschuss, diese Punkte intensiv erörtern und auch Expertinnen und Experten dazu einladen, damit wir zu einem umfassenden, vernünftigen  und im Sinne des Tierschutzes wirklich fortschrittlichem Beschluss kommen. Und zwar zügig.

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