Rede Meta Jannssen-Kucz: Qualifikation der Erzieherinnen erhöhen ? für mehr Bildungsqualität der Kindertagesstätten

Anrede,
in Sonntagsreden sind wir uns inzwischen alle einig, dass die frühe Bildung in den Kindertagesstätten eine große Bedeutung hat und die Kitas zu Bildungseinrichtungen weiterentwickelt werden müssen.
Wenn es aber darum geht, diese Reden auch in Taten umzusetzen, ist ganz schnell Schluss mit der Einigkeit. Denn die Weiterentwicklung der Kitas darf keinen einzigen Cent kosten.
Anrede,
das wird sehr deutlich, wenn es um die Ausbildung der Erzieherinnen geht. Überall in Europa werden die ErzieherInnen heute in Hochschulen, mindestens in Fachhochschulen ausgebildet, nur nicht in Deutschland und in Österreich. In den meisten anderen Ländern ist es inzwischen selbstverständlich, dass ErzieherInnen genau so gut ausgebildet werden müssen wie die LehrerInnen für die Schule.
Trotzdem wird in Deutschland die Forderung nach einer Anhebung des Ausbildungsniveaus massiv abgeblockt, vor allem mit dem Argument, dass diese besser qualifizierten ErzieherInnen dann auch teurer wären.
Von den OECD-Studien zu unserem Bildungssystem will unser Kultusminister nichts hören, weil sie ihm nicht in den Kram passen.
Trotzdem will ich hier noch einmal auf den jüngsten OECD-Länderbericht zur frühkindlichen Erziehung in Deutschland hinweisen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ein steter Tropfen den Stein höhlt!
In dieser Studie wird ausdrücklich kritisiert, dass Deutschland zu den wenigen Ländern gehört, in denen ErzieherInnen nur in Fachschulen ausgebildet werden. Und es wird auf den engen Zusammenhang hingewiesen zwischen dem Niveau der Ausbildung und der Qualität des Lernens.
Anrede,
unser Kindertagesstättengesetz (KitaG) definiert den Auftrag der Kindertagesstätten mit drei Begriffen: Betreuung, Erziehung und Bildung. Betreuung ist der Ursprung der Kitas. Die ersten Kindertageseinrichtungen wurden geschaffen, als im Zuge der Industrialisierung immer mehr Frauen gezwungen waren, einer Erwerbsarbeit nachzugehen und sich nicht mehr genügend um ihr eigenes Kind kümmern konnten.
Schon seit Friedrich Fröbel ist der Auftrag der Erziehung hinzugekommen und zwar ein sehr anspruchsvoller Auftrag: die Kinder zu selbstständigen und freien Persönlichkeiten zu erziehen. Seitdem gibt es auch eine Ausbildung für ErzieherInnen und damit eine erste Professionalisierung des Erzieherinnenberufs.
Spätestens seit PISA 2000 tritt nun der Bildungsauftrag in den Vordergrund.
Auch die neuere Hirnforschung, auf die Frau Vockert immer wieder gerne hinweist, sagt, dass die frühe Kindheit vor der Einschulung eine entscheidende Phase für die Entwicklung der Kinder darstellt. Was hier versäumt wird, ist später kaum nachzuholen.
Anrede,
es kann und wird niemand hier im hohen Haus ernsthaft bestreiten, dass der Bildungsauftrag noch einmal neue Anforderungen an die ErzieherInnen stellt. Die Bezeichnung Erzieherin ist eigentlich auch nicht mehr ausreichend, sondern es müsste passender von Vorschulpädagoginnen oder Frühpädagoginnen gesprochen werden.
Aber bleiben wir bei der gängigen Berufsbezeichnung Erzieherinnen. Sie haben die Aufgabe, anregende Lernumgebungen zu schaffen. Und sie müssen Entwicklungsprobleme der Kinder möglichst frühzeitig erkennen und sie individuell fördern. Das ist eine Aufgabe, die pädagogisch mindestens genau so anspruchsvoll ist wie die Arbeit in der Schule mit Schulkindern. Dafür müssen die ErzieherInnen auch genau so gut ausgebildet werden.
Dabei darf der Praxisbezug der Ausbildung selbstverständlich nicht verloren gehen. Die Kita muss weiterhin ein wichtiger Lernort der ErzieherInnenausbildung bleiben. Aber die Hochschule muss der Ort der theoretischen Reflexion sein.
Anrede
es gibt in Niedersachsen bereits Ansätze, Hochschulstudiengänge für Frühpädagogik aufzubauen: an der Evangelischen Fachhochschule Hannover und an der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven.
Leider werden diese Ansätze von der Landesregierung nicht besonders unterstützt. Im Gegenteil: für den Studiengang an der FH Hannover konnten die geplanten Stellenbesetzungen bis auf eine Eckprofessur nicht vorgenommen werden, weil auch dieser Studiengang von den Kürzungen im Hochschulbereich betroffen war.
Anrede,
wir fordern die Landesregierung auf, diese Ansätze sehr viel intensiver zu unterstützen und die Studienplatzkapazitäten für Elementarpädagogik auszubauen. Darüber hinaus müssen – wie in Bremen – auch Weiterbildungsstudiengänge für bereits berufstätige ErzieherInnen geschaffen werden.
Vor allem muss aber dafür gesorgt werden, dass die neu ausgebildeten ErzieherInnen in den Kitas auch tätig können. Das wird nur gehen, wenn die Qualifikationsanforderungen schrittweise entsprechend angehoben werden.
Anrede,
zum Nulltarif ist eine höhere Bildungsqualität der Kitas nicht zu haben und auch nicht durch das Verschieben auf den Sank Nimmerleins Tag! Aber nur an Taten und nicht an den Reden ist zu erkennen, was uns die Bildung unserer Kinder tatsächlich wert ist.

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