Rede Maaret Westphely: Antrag (FDP) zu Unternehmensgründungen
- Es gilt das gesprochene Wort -
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Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Unternehmensgründungen erfordern Tatkraft, Mut, Risikobereitschaft und eine Menge Enthusiasmus – das ist anerkennenswert und förderungswürdig! Richtig ist, dass Unternehmensgründungen deutschlandweit – leider auch in Niedersachsen - zurückgegangen sind.
Man sollte sich die Entwicklung aber noch mal genauer anschauen, damit man nicht die falschen Schlüsse zieht: So sind Beratungsgespräche und Unternehmensgründungen laut DIHK zwar zurückgegangen, aber gleichzeitig lässt sich feststellen, dass in den letzten zwei Jahren die Insolvenzen zurückgegangen sind.
Daraus schließe nicht nur ich: Die Menschen, die ein Unternehmen in Deutschland, in Niedersachsen gründen wollen, kommen zunehmend mit soliden Plänen und guten Ideen in die Beratungen. Das wiederum ist aus meiner Sicht eine gute Entwicklung!
Ein fundamentales Problem für GründerInnen ist fehlendes Eigenkapital. Deshalb ist es sehr gut, dass in Niedersachsen auch zukünftig Mittel zur Gründungs- und Nachfolgeförderung oder Gründerzentren – übrigens nicht nur aber auch an den Hochschulen – zur Verfügung stehen. Aber Geld ist nicht alles.
Die FDP setzt ja in ihrem Antrag zur Gründungskultur einen großen Schwerpunkt im Bereich der Schule. Da möchte ich mal auf einen wesentlichen Punkt hinweisen, den Sie nicht aus Versehen vergessen haben können, das glaube ich nicht:
Mit keinem Wort erwähnen Sie das schon seit 1999 in Niedersachsen etablierte Netzwerk für nachhaltige Schülerfirmen – als Ergebnis des großartigen Programms Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dort lernen SchülerInnen verschiedene Bereiche der Berufs- und Arbeitswelt kennen und kooperieren mit realen Unternehmen.
Das Netzwerk besteht mittlerweile aus 820 Schülerfirmen, die Anzahl wächst stetig – ein echtes Erfolgsmodell! Zusätzlich werden zusammen mit dem Genossenschaftsverband inzwischen 64 Schülergenossenschaften in Niedersachsen betreut.
Sagen sie, warum haben Sie die alle eigentlich vergessen? Passt ihnen da die Ausrichtung nicht? Denn diese Schülerfirmen verfolgen das Ziel zukunftsfähiger Veränderungen im Wirtschafts-, Sozial- und Umweltverhalten. Die SchülerInnen lernen: mein Handeln hat Konsequenzen, nicht nur für mich, sondern auch für andere. Wichtig ist dort nicht der kurzfristige geldwerte Gewinn, sondern die längerfristigen gesellschaftlichen Ergebnisse menschlichen Handelns.
Oder hadern sie mit ihrer ablehnenden Ideologie gegenüber Genossenschaften im Allgemeinen wie es ja bei einer gestrigen Antragsberatung der Eindruck gemacht hat?
Mit ihrem Antrag tun sie so, als hätte noch kein Mensch hier je darüber nachgedacht, wie man Unternehmensgründungen fördern kann. Das hätten wir Ihnen in den 10 Jahren ihrer Regierungszeit garantiert nicht durchgehen lassen! Und es war auch nicht so. Ihr Antrag blendet die Realität vollkommen aus, das dient nicht der Sache und ist wirklich kein wertschätzender Umgang mit der guten Arbeit, die in Niedersachsen geleistet wird.
Unternehmensgründungen sind in Deutschland ein Thema und selbstverständlich werden wir uns Ihren Antrag anschauen. Wenn es tatsächlich Bedarf gibt, das Angebot sinnvoll zu ergänzen oder abzurunden, dann werden wir das unterstützen.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!