Rede Ina Korter zur Aktuellen Stunde der CDU: "Hauptschule schützen und stärken - SPD-Bundesbildungsministerin Bulmahn diskriminiert Hauptschülerinnen und Hauptschüler"

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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Da kommt die CDU und will die Hauptschule schützen sagt sie. Vor wem, frage ich mich.
(Beifall bei den GRÜNEN - Bernd Althusmann [CDU]: Vor Ihnen!) Mir fällt ein: Müssten wir nicht vielmehr die IGSen und KGSen vor der CDU schützen?
(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)
Und stärken will die CDU die Hauptschulen. Für wen denn? - Die Mehrheit der Eltern will die Hauptschule für ihre Kinder nicht mehr. Nicht einmal 20 % der Eltern haben im Sommer ihr Kind für den Besuch der fünften Klasse der Hauptschule angemeldet.
(Bernd Althusmann [CDU]: Warum wohl? Weil Sie die Hauptschule schlecht geredet haben!) Das ist auch verständlich. Natürlich ist das verständlich, weil der Hauptschulabschluss die geringsten Berufsperspektiven eröffnet. Schülerinnen und Schüler wurden erst gar nicht gefragt.
(Bernd Althusmann [CDU]: Weil Sie die Hauptschule schlechtgeredet haben!) Aber aus den Schulen hören wir, dass nirgendwo eine so große Demotivierung zu spüren ist wie in den neu gebildeten fünften und sechsten Hauptschulklassen. Den Kindern ist offensichtlich bewusst, dass sie schon mit zehn Jahren zu den Verlierern unseres Bildungssystems gehören sollen. Der PISA-Bericht 2003 hat uns gezeigt, dass alle Bemühungen, die Leistungsergebnisse der Schulen zu steigern, an den Hauptschulen vorbeigegangen sind. (Hans-Werner Schwarz [FDP]: Wo steht das?)
- Ich denke, Sie haben gelesen!
(Hans-Werner Schwarz [FDP]: Ich habe das nicht gefunden!) Minimal besser sind die Ergebnisse an den Gymnasien und an den Gesamtschulen. Aber an den Hauptschulen sind sie seit der Untersuchung im Jahre 2000 eher noch schlechter geworden.
Meine Damen und Herren, in der PISA-Studie 2000 spricht man von differenziellen Lernmilieus in den verschiedenen Schulformen. Wenn die schwächsten Schülerinnen und Schüler, die meistens schon von Haus aus benachteiligt sind, in einer Schulform zusammengefasst werden und unter sich bleiben, können sie eben nicht besonders begabungsgerecht gefördert werden, wie Sie immer meinen. Nein, sie werden demotiviert, es fehlen ihnen Anregungen und Ansporn durch leistungsstärkere Mitschülerinnen und Mitschüler. Aber Sie, meine Damen und Herren von der CDU, erklären noch immer, wenn schwächere Schüler unter sich blieben, würden sie davon profitieren und besser werden. Glauben Sie das eigentlich wirklich? Oder steckt dahinter das, was der Journalist Christian Füller sehr provokant, so muss ich sagen in seinem taz-Artikel "Die Hauptschulversteher" behauptet? Ich zitiere: "Die Befürworter der Hauptschule haben nur eins im Sinn: Ihr geliebtes Gymnasium soll unangetastet bleiben." (Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD) Heute stellen Sie, meine Damen und Herren von der CDU, und Sie, Frau Körtner, sich hier hin und klagen mit heuchlerischen Krokodilstränen: Frau Bulmahn diskriminiert die Hauptschülerinnen und Hauptschüler. (Beifall bei den GRÜNEN - Karl-Heinz Klare [CDU]: Heuchlerische Krokodilstränen! Das kann doch nicht wahr sein.) Wer hat es denn mit seinem Konzept geschafft, dass noch nie so wenig die Hauptschule angewählt wurde wie in diesem Sommer? Das ist doch das Ergebnis Ihrer Schulpolitik! Wer hat denn den Rettungsanker für die Kooperativen
Haupt- und Realschulen aus dem Gesetz gestrichen? - Das waren doch Sie. Damit übernehmen Sie auch die Verantwortung für diese schlechte Anwahl.
(Karl-Heinz Klare [CDU]: Aber das steht doch wieder drin!) Nein, nicht Frau Bulmahn diskriminiert die Hauptschülerinnen und Hauptschüler, Ihr Schulsystem diskriminiert diese Kinder, weil es sie schon mit zehn Jahren aussortiert und von den Bildungschancen der anderen Schulformen abschneidet.
(Widerspruch bei der CDU)
Sie schicken diese Kinder nach der vierten Klasse in eine abgetrennte Schulform mit reduziertem Bildungsauftrag. Sie enthalten diesen Kindern die Förderung vor, die denen anderer Schulformen zugute kommt. Wer wirklich etwas für Hauptschülerinnen und Hauptschüler tun will, der muss die Hauptschule als abgetrennte eigene Schulform zugunsten integrativer Systeme abschaffen. Das fordert nicht nur Frau Bulmahn, das ist auch der Vorschlag der über 50 Bildungsexperten, die im Auftrag der bayrischen Wirtschaft die Studie "Bildung neu denken" geschrieben und verfasst haben. Vielleicht sollten Sie sie einmal lesen und denken, bevor Sie reden, meine Damen und Herren von CDU und FDP. (Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

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