Rede Ina Korter: Gleiches Geld für gleiche Arbeit – das muss auch im Schulunterricht gelten

Landtagssitzung am 27.05.2011

Ina Korter, MdL

Anrede,

Lehrerinnen und Lehrer, die aus anderen Ländern zu uns kommen, sind eine Bereicherung für unsere Schulen.
Vor allem für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ist es von unschätzbarem Wert, wenn sie auf Lehrkräfte ihres kulturellen Hintergrundes treffen.
Deshalb kann ich nur sagen: Diese Lehrkräfte sind uns hoch willkommen.

Anrede,

natürlich muss im Prinzip der Grundsatz gelten: Gleiches Geld für gleiche Arbeit.
Gleichzeitig gilt aber meines Erachtens auch, dass die nachgewiesene Qualifikation ein entscheidendes Kriterium für die Bezahlung sein muss.
Und an der Stelle beginnt es kompliziert zu werden, denn die Lehramtsausbildung innerhalb und auch außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes ist anders als unsere.

Unser System des 2-Fach-Lehrers, in dem Lehrerinnen und Lehrer für 2 Unterrichtsfächer ausgebildet werden, hat sich meines Erachtens bewährt.

Gerade angesichts des demografischen Wandels müssen wir hinsichtlich des Personaleinsatzes an den Schulen flexibel bleiben und das auf fachwissenschaftlich und didaktisch hohem Niveau.
Ich halte es für richtig, daran grundsätzlich festzuhalten. Ausnahmen gibt es bereits jetzt, sie sollten jedoch überschaubar bleiben.

Anrede,

wenn wir jetzt Lehrkräfte an unseren Schulen haben, die ausschließlich die formale Befähigung zur Erteilung des muttersprachlichen Unterrichts und damit nur einer Sprache haben und kein weiteres Unterrichtsfach, dann kann es problematisch werden, diese Lehrkräfte genauso zu bezahlen, wie die mit einer 2-Fach Lehrerausbildung.

Wie bezahlen wir denn Lehrkräfte, die hier studiert haben, wenn sie – etwa als Quereinsteiger – ebenfalls nur in einem Fach unterrichten?
Dazu sollten wir uns zunächst einen genauen Überblick verschaffen.
Das Beispiel zeigt die Vielschichtigkeit des Themas.

Wir müssen sehr genau schauen, dass wir nicht beim Schließen einer vermeintlichen Gerechtigkeitslücke an anderer Stelle wieder neue Lücken aufreißen.

Ähnlich ist die Forderung aus dem Linken-Antrag zu beurteilen, Lehrkräfte, die ihre Ausbildung im Ausland absolviert haben und nicht über ausreichende Qualifikationen verfügen, ohne finanzielle Einbußen nachzuqualifizieren.

Auch das lässt sich unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten kaum durchhalten, solange Lehramtsbewerber als Quereinsteiger erhebliche Einkommenseinbußen während der Nachqualifizierung in Kauf nehmen müssen.

Anrede,

die Forderung, dass wir denjenigen ohne ausreichende Qualifikation ein konkretes Angebot machen und ihnen Schritte aufzeigen, wie und wo sie die bisher fehlenden Qualifikationen nachholen können, unterstütze ich ausdrücklich.
Da gibt es wirklich Handlungsbedarf.

Wir müssen ein großes Interesse daran haben, Zuwanderinnen und Zuwanderer für den Schuldienst in Niedersachsen zu gewinnen.
Das gelingt aber nur, wenn wir ihnen Wege aufzeigen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Links-Fraktion,

Ihre Parteifreunde in Hamburg haben ja im letzten Jahr einen  ganz ähnlichen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht.
Ich habe mir die sehr umfassende Dokumentation der dortigen Beratungen einmal angeschaut.
Und ich habe mir auch die Berliner Regelung angesehen. Die Bundesländer sind da noch recht unterschiedlich unterwegs.

Nachdem am 23. März 2011 der Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen vom Bundeskabinett beschlossen wurde, ist jetzt ein interministerieller Arbeitskreis unter Federführung des niedersächsischen Sozialministeriums dabei, die Erarbeitung dieses Bundesgesetzes zu begleiten und zugleich die im Bundesgesetz vorgesehenen allgemeinen Regelungen für Berufe, die in die Länderzuständigkeit fallen als Landesgesetz vorzubereiten.

Anrede,

wir sollten deshalb den Antrag der Linken aufgreifen, um uns im Ausschuss gründlich mit diesem Thema zu befassen und uns die Planungen des Sozialministeriums zu einer Länderregelung zunächst vorstellen lassen. Auch eine Fachanhörung könnte sehr hilfreich sein.

Ich freue mich auf eine konstruktive Beratung zu diesem wichtigen Thema im Ausschuss

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