Rede Ina Korter: Ganztagsschule mit Qualität
Anrede,
die Ganztagsschul-Politik dieser Landesregierung ist ein Musterbeispiel für den Etikettenschwindel, den sie in ihrer Schulpolitik betreibt.
Das, was Herr Althusmann Ganztagsschule nennt, ist nicht mehr als ein unverbindliches Ganztagsbetreuungsangebot ohne Qualitätsstandards, an wenigen Tagen.
So bleibt es weit hinter den pädagogischen Möglichkeiten einer Ganztagsschule mit Qualität zurück und ist für Berufstätige kein zuverlässiges Konzept.
Und dieses Ganztagsangebot ist auf prekären, in vielen Fällen wahrscheinlich rechtswidrigen, Beschäftigungsverhältnissen aufgebaut.
Die Staatsanwaltschaft prüft seit über einem Jahr Zigtausende von Dienstleistungsverträgen und hat die Landesregierung unter den Verdacht des Sozialversicherungsbetruges gestellt.
Ob nur Fahrlässigkeit oder sogar Vorsatz vorliegt, das wird sich noch herausstellen.
Wir haben uns durch die Akteneinsicht dazu unser Meinung gebildet.
Herr Althusmann wusste – wie die Minister Busemann und Heister-Neumann schon vorher - spätestens seit Ende 2009 sehr genau um die Probleme, aber er hat gewartet bis der Staatsanwalt kam.
Er hat rechtswidrige Verhältnisse jahrelang billigend in Kauf genommen und stattdessen versucht, die Verantwortung auf die Schulleitungen abzuwälzen.
Anrede,
wir haben im September 2011 ein Konzept für die Einrichtung von Ganztagsschulen in den Landtag eingebracht, ein Konzept auf solider Basis für eine Ganztagsschule mit Qualität.
Unsere wichtigsten Zielsetzungen sind:
- Die Bildungschancen aller Kinder, unabhängig vom sozialen Status der Eltern, zu verbessern.
- Für die Kinder vor allem im Grundschulbereich, eine verbindliche und sinnvolle Förderung und Betreuung für den ganzen Tag zu garantieren
- Zugleich den Kindern und Jugendlichen aber auch Freiräume zu lassen. Es soll nicht der gesamte Tag mit Schule verplant sein.
Und so sieht unser Konzept aus:
Alle Schulen werden in den kommenden 10 Jahren zu guten Ganztagsschulen weiterentwickelt.
Der Ganztagsunterricht ist an 4 Tagen für eine Kernzeit von ca. 8 bis 15 Uhr verbindlich, am 5. Tag bis mittags.
Damit können die Schulen den Tagesablauf sinnvoll rhythmisieren und haben mehr Zeit für neue Lernformen und für die Inklusion. So können sie jedem Kind die Zeit fürs Lernen geben, die es braucht.
Das verbindliche Angebot wird durch freiwillige Angebote nach 15 Uhr und auch in den Ferien ergänzt.
Nach der Schule gibt es keine zusätzlichen Hausaufgaben mehr.
Eine gute Ganztagsschule benötigt qualifiziertes Personal.
Die Ganztagsschulen sollen deshalb wieder einen verbindlichen Personal-Zuschlag erhalten.
Meine Damen und Herren,
gute Ganztagsschulen brauchen nicht nur qualifiziertes Personal, sondern auch eine gute räumliche Ausstattung.
Angesichts zurückgehender Schülerzahlen dürften Räume genug vorhanden sein, sie müssen aber auch entsprechend ausgestattet werden – für die Schülerinnen und Schüler und auch für Lehrerinnen und Lehrer, (die Ar-beitsplätze und Besprechungszimmer für Elterngespräche brauchen).
Eine Ganztagsschule ist nur so gut wie ihre Mittagsverpflegung.
Für ein gesundes und attraktives Mittagessen soll sich das Land mit den Schulträgern auf Mindeststandards verständigen.
Mehr Mitsprache und Beteiligung sorgen dafür, dass das gemeinsame Essen von den Schülerinnen und Schülern besser angenommen wird.
Anrede,
es ist ein ehrgeiziges Ziel, alle Schulen zu Ganztagschulen mit Qualität zu entwickeln. Das ist nicht von heute auf morgen zu schaffen, denn wir rechnen mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 350 Mio. €, wenn alle Schulen in 10 Jahren zu Ganztagsschulen weiter entwickelt worden sind. Diese Mittel werden nicht allein aus dem Landeshaushalt bereitzustellen sein.
Aber man kann mit den ersten Schritten selbst beginnen. Zur vollständigen Umsetzung werden wir auch Gelder aus dem Bund, zum Beispiel aus der Einführung einer Vermögenssteuer benötigen.
Anrede,
CDU und FDP haben sich keine große Mühe gemacht, unseren Antrag zu beraten. Nicht finanzierbar, hieß es ebenso lapidar wie phantasielos.
Aber zugleich blocken CDU und FDP alles ab, was die Einnahmesituation des Landes verbessern und diese Investitionen ermöglichen würde.
Das soll jemand verstehen, meine Damen und Herren, die Wählerinnen und Wähler sicher nicht.
Wir setzen darauf, dass sich die Kosten guter Ganztagsschulen schon sehr bald rechnen werden.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und die Bertelsmann-Stiftung haben vorgerechnet, dass sich Investitionen in den Ganztag rentieren, weil sie mehr Eltern eine Berufstätigkeit ermöglichen und damit zu mehr Steuereinnahmen führen.
Wir brauchen alle Fachkräfte, gerade die gut ausgebildeten Frauen. Und deshalb müssen wir endlich dafür sorgen, dass Frauen und Männer beides hinkriegen: Kinder und Karriere!
Vor allem aber ist gute Ganztagsschule eine der wichtigsten Maßnahmen, mehr Chancengleichheit in der Bildung und durch Bildung zu erreichen.
Für uns Grüne sind gerade dies die wichtigsten Anliegen – mehr Qualität und mehr Gerechtigkeit in der Bildung – dafür stehen wir.
Und das werden wir ab 2013 in Niedersachsen auch umsetzen.