Rede Ina Korter: Frühe Sprachförderung intensivieren ? Bildungschancen verbessern

Anrede,
Migrantenkinder mit mangelnden Deutschkenntnissen sind im deutschen Schulsystem so gut wie ohne Chancen. Die Sprachkompetenz ist ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg, das wissen wir längst. Je früher mit der Sprachförderung begonnen wird, desto effizienter wirkt sie; und zwar nicht nur bei Kindern aus Einwandererfamilien sondern auch bei Kindern aus deutschen Familien, bei denen zu Hause zu wenig gesprochen wird.
Die Vorgängerregierung hatte deshalb die Sprachförderung in den Kindertagesstätten ab einem Migrantenanteil von 40% eingeführt. Das war zwar nicht ausreichend, aber immerhin ein Anfang.
Leider haben Sie, Herr Busemann, im laufenden Haushaltsjahr gerade in diesem so wichtigen Bereich die Mittel derart gekürzt, dass nur noch Kindergärten mit einem Migrantenanteil von ca. 60% in den Genuss der Sprachförderung kommen.
Gerne und oft rühmen Sie, Herr Minister, sich selbst dafür die Sprachförderung eingeführt zu haben. Dieses halbe Jahr Sprachförderung vor der Einschulung geht zu Lasten durchgehender Förderung in der Grundschule.
Weil knappe Mittel möglichst nutzbringend eingesetzt werden müssen haben wir in unserem Entschließungsantrag die Verbesserung der bestehenden Einzelmaßnahmen der Sprachförderung gefordert: durch ein Konzept aus einem Guss und eine Verstärkung im frühkindlichen Bereich, für alle Kitas mit mindestens 20% Migrantenkindern.
Wir haben vorgeschlagen, die Förderung vor der Einschulung bei gleich bleibender Gesamtstundenzahl von einem halben auf ein ganzes Jahr auszudehnen und von dafür geschulten Erzieherinnen durchführen zu lassen.
Damit würden bei gleichem Mitteleinsatz unnötige Fahrzeiten vermieden und die Kinder nicht immer wieder aus den Gruppen herausgenommen.
Aber die Fraktionen von CDU und FDP waren nicht einmal bereit, eine Anhörung durchzuführen. Stattdessen wurde im Ausschuss behauptet: es funktioniere hervorragend mit der Sprachförderung.
Das ist nicht nur blauäugig, das ist ignorant. Ihnen ist offensichtlich egal, ob Sie Finanzen effizient einsetzen oder nicht.
Die Ablehnung unseres Antrags ist auch insofern scheinheilig, als dass man im Ministerium schon längst dabei ist, mindestens einen unserer Vorschläge umzusetzen, nämlich die vorschulische Sprachförderung auf ein Jahr auszudehnen.
Aber einen Antrag der Grünen darf man wohl aus Prinzip nicht annehmen.
Herr Minister, nach unserem Vorschlag hätten Sie bereits jetzt mit relativ bescheidenen Mitteln ein Sprachförderkonzept aus einem Guss realisieren können:
Sie behaupten immer wieder dafür kein Geld zu haben.
Stattdessen kündigen Sie das kostenlose Kita-Jahr für 5-jährige an. Das wollen Sie finanzieren?
Sie können ja schon mal Schilder an den Kitas anbringen, das tun Sie ja gern und möglichst medienwirksam:
"Hier führt Ihr Kultusminister in den nächsten Jahren das kostenlose Kita- Jahr für 5-Jährige ein – falls der Haushalt es hergibt und die FDP mitmacht".
Herr Minister, so richtig das kostenlose Kita -Jahr für 5-jährige ist, mit Ihren Ankündigungen ist den Kindern nicht geholfen. Setzen Sie doch mal das Machbare in Taten um und folgen Sie unserem Antrag.
Sprachförderung früh, effizient und aus einem Guss!

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