Rede Ina Korter: Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Niedersächsischen Schulgesetzes
Anrede,
Herr Minister Althusmann,
Sie wollen jede kritische Debatte über das Turbo-Abitur G8 am liebsten im Keim ersticken.
Sie sagen: Es ist doch alles in Ordnung. Für morgen vormittag hat Ihre Fraktion sogar eine Jubeldebatte unter dem Motto "Ein starker Jahrgang" angesetzt.
Wenn Sie mal ernsthaft in die Schulen hineinschauen würden, dann könnten Sie sehen, dass es dort in den Gymnasien eben nicht in Ordnung ist.
Darüber werden wir morgen noch sprechen.
Anrede,
Aber während Sie hier jede ernsthafte Debatte über das G 8 verhindern wollen, findet diese in vielen anderen Bundesländern statt.
Denn die Probleme mit dem G 8 sind nirgends gelöst, und immer mehr Länder entscheiden sich, eine Rückkehr zum G 9 zumindest zu ermöglichen.
Hessen hat den Kooperativen Gesamtschulen die Wahl zwischen G8 und G 9 freigegeben, und die Hälfte aller KGS'en hat sich für das G 9 entschieden.
Aus gutem Grund!
Aber auch an den Gymnasien gibt es eine deutliche Bewegung, vom G 8 wieder abzugehen.
Im schwarz-gelb regierten Schleswig-Holstein hat der dortige FDP-Kultusminister als erster den Gymnasien eine Rückkehr zum Abitur nach Klasse 13 ermöglicht.
Dort, wo Schulen diese Möglichkeit aufgegriffen haben, wird sie von der überwiegenden Mehrheit der Eltern angenommen.
Auch das rot-grün regierte NRW und das grün-rot regierte Baden-Württemberg geben die Rückkehr zum G 9 frei.
Alle drei Länder bieten auch die Möglichkeit, den schnellen Weg zum Abitur und den nachhaltigeren parallel anzubieten.
Anrede,
nur in Niedersachsen bemüht man sich noch nicht einmal um flexible Lösungen, mit denen die Schülerinnen und Schüler endlich entlastet würden und ihren eigenen Weg zum Abitur wählen könnten.
Im Gegenteil: Niedersachsen hat die Situation sogar noch verschärft:
Es hat auch den Integrierten Gesamtschulen ein Abitur nach 12 Jahren aufgezwungen.
Damit stehen Sie bundesweit allein, Herr Althusmann.
Das müssen Sie korrigieren.
Herr Kultusminister, Sie haben sich ja bei verschiedenen Veranstaltungen darüber lustig gemacht, unser Gesetzentwurf, den eigenverantwortlichen Schulen den Weg zum Abitur freizustellen, fände ja nicht einmal im Parlament bei den anderen Fraktionen Unterstützung.
Aus welchen Gründen sich die Fraktionen im niedersächsischen Landtag so merkwürdig positionieren, obwohl ihre Parteikollegen von CDU/FDP und SPD in anderen Bundesländern genau diesen unseren Vorschlag unterstützen oder sogar selbst umsetzen, das kann ich nicht beurteilen.
Vielleicht sucht man händeringend nach einem Alleinstellungsmerkmal.
Eins ist auf jeden Fall klar: Das Volksbegehren für gute Schulen sieht unseren Gesetzentwurf nicht als kontraproduktiv an, und auch im Gesamtschulverband und im Schulleitungsverband stößt er auf Zustimmung.
Ich glaube, wenn wir die von mir beantragte Anhörung im Fachausschuss durchgeführt hätten, die von fast allen anderen Fraktionen verhindert wurde, dann hätten Sie erfahren, wie gut man auf der Grundlage unseres Gesetzentwurfs eine tragfähige Lösung für die Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen entwickeln kann.
Aber da wurde lieber herumgenörgelt, statt an Verbesserungsvorschlägen zu arbeiten und ernsthaft zu beraten.
Meine Damen und Herren,
Sie trauen offensichtlich den Schulen und den Eltern in Niedersachsen weniger Entscheidungskompetenz zu als Ihre Parteikollegen in etlichen anderen Bundesländern.
In der Schule heißt es oft:
Aus Fehlern kann man lernen.
Das gilt auch für die Schulpolitik, lernen Sie und korrigieren Sie den Fehler G 8!