Rede Ina Korter: Dokumentation der individuellen Lernentwicklung - nur mit Einführung von Unterstützungsangeboten

Anrede,

zum Glück scheint es in diesem Hause nicht mehr strittig zu sein, dass wir eine bessere individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler brauchen.
Die ist aber nur möglich, wenn zunächst einmal der Lernstand für jede einzelne Schülerin und jeden Schüler erfasst und jeweils ein Förderplan entwickelt wird.
Das ist natürlich erst einmal neu und kostet ein ganzes Stück Einarbeitung, Fortbildung und Zeitaufwand, unbestritten.

Und es ist wenig motivierend, wenn Lehrkräfte viel Zeit in diese Aufgabe investieren sollen, ohne zu wissen, wie und durch wen danach die Umsetzung erfolgen soll.

Anrede,

Sie wissen das alle von Besuchen beim Arzt. Die Diagnose ist nur der erste Schritt.
Entscheidend ist dann aber die Frage: Was folgt daraus? Wie können festgestellte Defizite und Probleme behoben werden? Wie können Stärken ausgebaut werden? Und vor allem: Wer soll das wann tun?
Der Hausarzt kann nicht alle Probleme allein lösen, er braucht Unterstützung des Heilungsprozesses durch seine Verordnungen und manchmal Hinzuziehung spezialisierter Fachkräfte. Genauso sind auch Lehrerinnen und Lehrer darauf angewiesen, dass Zeit zur Förderung und die Unterstützung durch andere Fachdisziplinen zur Verfügung stehen.

Von mehr Stunden für individuelle Förderung ist aber seit Jahren keine Rede. Im Gegenteil, mit Erlass von 2004 wurde zusammengestrichen, wo es nur ging.
Ebenso wenig in Sicht sind Unterstützung und Beratung für die Schulen.

Herr Busemann, Sie haben zwar bereits im Dezember 2004 vollmundig ein neues Unterstützungs- und Beratungskonzept angekündigt, vorgelegt haben Sie dazu bisher nichts.
Sie schreiben schlanke Erlasse, haben die externe Beratung jetzt endlich auch im Schulgesetz festgeschrieben, aber alles bleibt heiße Luft, wenn Ihnen ein fachliches Konzept vollständig fehlt. 

Anstatt die - gerade jetzt so dringend nötige - Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer, der Eltern und Schüler auszubauen, machen Sie das Gegenteil: Sie streichen die schulpsychologische Beratung rapide zusammen.

Herr Busemann,

Sie haben die Lehrerinnen und Lehrer mit einer zum großen Teil völlig unnötigen Erlassflut erheblich belastet. Dass die inzwischen sehr sehr skeptisch geworden sind, kann ich gut nachvollziehen.

Sie stoßen mit Ihrem Aktionismus in den Schulen auch deshalb auf Widerstand und Frustration, weil Sie Unterstützung von außen zwar ständig versprechen, aber genau das Gegenteil tun.

Deshalb war es ja auch sehr bezeichnend, Herr Minister Busemann, dass Ihr Fraktionsvorsitzender McAllister in der letzten Woche einen Stopp der Reformen verkündet hat.
Offenbar hat auch Ihre eigene Partei längst die Nase voll von Ihrer Hoppla-Hopp-Politik.
Die Konsequenz daraus kann aber nicht sein, Herr McAllister, jetzt nichts mehr zu tun, besser wäre endlich das Richtige zu tun.

Meine Damen und Herren von der SPD,

in der Analyse haben Sie ja mit Ihrem Antrag vielleicht Recht.
Für uns kann das aber nicht bedeuten, etwas grundsätzlich Richtiges und dringend Nötiges auf die lange Bank zu schieben.
Ich wundere mich deshalb über die Zielrichtung Ihres Antrages:

Anstatt vom Minister zügig ein vernünftiges Unterstützungs- und Beratungskonzept und Ressourcen für die individuelle Förderung zu verlangen, anstatt zu beantragen, dass überall im Land auch ausreichend Zeit und Fachkräfte für Unterstützung und Beratung wirksam eingesetzt werden, stoßen Sie mit Herrn McAllister in dasselbe Horn und sagen:
Schluss mit Reformen.

Das kann nicht die richtige Antwort sein, schon gar nicht wenn es um die Förderung jedes einzelnen Schülers und jeder einzelnen Schülerin geht.

Meine Damen und Herren, Herr Busemann,

Sie werden sich natürlich gleich hier hin stellen und vermutlich weitschweifend erzählen, dass Sie ja gerne mehr Förderzeit, mehr Schulpsychologen, mehr Sozialpädagogen und andere externe Fachkräfte einstellen würden, dass Ihnen dafür aber leider das Geld fehlt.

Das ist nicht richtig!
Sie setzen das Geld nur falsch ein. Allein das Sitzenbleiben kostet das Land jährlich 80 Millionen Euro. Schaffen Sie es endlich ab und setzen Sie diese Mittel für Förderkonzepte ein!

Herr Minister,

unsere Unterstützung für die Dokumentation der individuellen Lernentwicklung und für die nötigen Konsequenzen daraus haben Sie. Bringen Sie sie voran, aber richtig und nicht nur auf dem Papier und im Gesetz!

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