Rede Ina Korter: Den Elternwillen respektieren ? Gesamtschulen bedarfsgerecht ausbauen

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Anrede,
die Anmeldezahlen zum Schuljahresbeginn 2004/2005 haben gezeigt, dass immer mehr Eltern ihr Kind an eine Gesamtschule schicken wollen. Doch das Angebot an Gesamtschulplätzen in Niedersachsen reicht bei weitem nicht aus.
Mehr als ein Drittel der angemeldeten Kinder mussten beim letzten Anmeldetermin abgelehnt werden. In 17 niedersächsischen Landkreisen gibt es bisher überhaupt keine Gesamtschule.
Mit dem neuen Schulgesetz hat die Landesregierung die Auflösung der Orientierungsstufe und die Sortierung der Kinder nach Klasse 4 in streng voneinander getrennte Bildungsgänge beschlossen.
Die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen wurde durch die schwarz-gelbe Schulpolitik abgeschafft, denn es gibt sie nur noch nach unten.
Gerade vor diesem Hintergrund ist es mehr als verständlich, wenn Eltern für ihre Kinder eine Gesamtschule wollen, weil sie sich wünschen, dass die Bildungschancen für ihre Kinder lange offen bleiben.
Herr Busemann,
wenn Sie - wie wir - gleiche Bildungschancen für alle Kinder anstreben, dann müssen Sie überall da, wo ein ausreichendes Bedürfnis vorhanden ist, die Gründung neuer Gesamtschulen zulassen, zumindest doch in jedem Landkreis, sonst zementieren Sie ungleiche Voraussetzungen in den verschiedenen Regionen Niedersachsens.
Sie haben im letzten Plenum vor den Sommerferien behauptet, Gesamtschulen würden nur noch in "ein paar Bereichen" nachgefragt. Man müsse Ihnen erst mal aufzeigen, wo sich neue Standortbegehrlichkeiten auftäten.
Anrede,
natürlich hat ein Großteil der engagierten Gesamtschulinitiativen zunächst resigniert die Arbeit eingestellt, nachdem Sie mit Ihrem Schulgesetz die Neugründung verboten haben.
Bis zu Ihrem Neugründungsverbot gab es sehr weit gediehene Initiativen in Niedersachsen zur Einrichtung von mindestens 12 Gesamtschulen: in Harburg, in Schaumburg, im Ammerland, in Helmstedt, im Landkreis Leer, in Northeim, Lüneburg, Rotenburg ”¦ um nur einige zu nennen. Ich lege Ihnen die Liste gern vor.
Wie Sie mit dem freien Elternwillen umgehen, Herr Busemann, wird angesichts des nachweislichen Bedarfs auch bei den Anmeldezahlen 2004 klar!
Aber bei Gesamtschulen ist es Ihnen nicht nur egal, was die Eltern wollen, Sie arbeiten sogar unverdrossen weiter daran, diesen Schulen den Garaus zu machen, wie man gerade wieder bei den Planungen zur Neuorganisation der Schulaufsicht sieht.
Da wollen Sie den Gesamtschulen ja die eigenständige Schulaufsicht und Beratung schon mal entziehen.
Demnächst gehen Sie wohl auch an die Entscheidungen der Eltern für die weiterführenden Schulen heran, weil die sich einfach nicht auf die frühe Sortierung der Kinder einlassen wollen. Natürlich wollen die Eltern das nicht, denn die frühe Aufteilung auf das gegliederte Schulsystem bedeutet die viel zu frühe und viel zu festgelegte Verteilung von Lebenschancen!
Herr Minister Busemann, meine Damen und Herren von CDU und FDP, setzen Sie sich nicht weiter über den Willen tausender Eltern in Niedersachsen hinweg, ändern Sie das Schulgesetz und lassen Sie die Neugründung von Gesamtschulen wieder zu.

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