Rede Ina Korter Aktuelle Stunde (LINKE): - Schulstruktur, Lehrerausbildung, Ganztagskräfte

Anrede,

"Ein Riese auf Normalmaß geschrumpft" so ähnlich hat vor kurzem die Hannoversche Allgemeine die Leistung des Kultusministers nach einem Jahr beurteilt.

Ein Riese war er für manche wohl vor allem im Vergleich zur Vorgängerin.

Was hat er zu Beginn seiner Amtszeit nicht alles an versprochen!

Und wie wenig ist bei den großen Reformvorhaben herausgekommen!

Eine ideologiefreie Debatte um die Gesamtschulen wollten Sie führen,

die Hürden für die Errichtung neuer Gesamtschulen endlich senken”¦

die Inklusion umsetzen, einen Konsens zur Schulstruktur mit den Verbänden wollten Sie suchen. Gesucht haben Sie vielleicht, aber offensichtlich nur bei einem Verband –  den Philologen.

Die einmalige Chance zum Schulfrieden im letzten Herbst, die haben Sie vermasselt, Herr Althusmann, weil Sie noch nicht mal Ihre eigene Fraktion und schon gar nicht den kleinen Koalitionspartner  hinter sich kriegten.  Stattdessen sind Sie mit Ihrer Oberschule aus dem Gebüsch gekommen, einer Schulform, deren einziger Zweck darin besteht, die Gründung von neuen Gesamtschulen zu verhindern und zugleich einen Schutzzaun um die Gymnasien zu errichten.

Aber selbst Ihre Oberschule haben Sie noch rasiert und die Oberstufe gekappt, als die Philologen landesweit zum Angriff bliesen.

Jetzt ist nur noch eine zusammengefasste HS und RS übrig, die gab es vorher auch schon. Nur einen neuen Namen hat sie bekommen, Oberschule -  selbst der Name ist  Etikettenschwindel.

Und weil keiner diese Schule eigentlich so richtig will und braucht, mussten Sie ordentlich Anreize dazugeben, damit sie auch beantragt wird.

Beantragt wird sie nicht, weil sich alle schon immer nach einer solchen  Schule ausgezehrt haben, Herr Althusmann, nein, beantragt wird sie allein deshalb, weil man nur so an die Mittel für teilgebundene Ganztagsschulen kommt, Mittel, die das Land allen anderen Schulen seit 2004 verweigert!

Ohne jede Scham bevorzugen Sie damit eine Schulform und diskriminieren andere.

Genauso geht es bei Ihrem Lehrerbildungskonzept.

Alle Lehramtsstudierenden müssen in Zukunft während des Studiums ein Praxissemester an den Schulen absolvieren. Das ist sehr sinnvoll, wenn es ordentlich begleitet wird,  aber viel zu spät angesiedelt. 

Und wer ist natürlich davon ausgenommen – die Gymnasiallehrkräfte und die Berufsschullehrer.

Sollen die in Zukunft weiter Fächer statt Schülerinnen und Schüler unterrichten?

Statt wirklich einen mutigen Schritt zu wagen mit einer Stufenlehrerausbildung mit gleich langer  Studiendauer und gleicher Bezahlung, bleiben Sie wieder auf halbem Weg stehen.

Wieder kein Berg, nur eine Maus.

Und mit Ihrer Ganztagsschule-light sind Sie endgültig gescheitert.

Keine Gelegenheit haben die Kultusminister der CDU ausgelassen, sich selbst für jede neu genehmigte GTS zu feiern, Masse statt Klasse war die Devise.

Immer wieder geäußerte rechtliche Bedenken zu den prekären Arbeitsverhältnissen, mit denen die Nachmittagsangebote für möglichst wenig Geld stattfinden sollen, haben alle 3 Minister – 2 davon Juristen – nicht interessiert.

Da muss erst die Staatsanwaltschaft im Kultusministerium ermitteln, bis Herr Althusmann sich jetzt bemüßigt sieht, endlich unbefristete Arbeitsverträge für die  außerschulischen Fachkräfte zuzulassen.

Eine echte Lösung ist auch das noch nicht.

Die Verantwortung für jahrelanges rechtswidriges Gemurkse, die Verantwortung für Nachzahlungen an die Rentenversicherung, die will niemand tragen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt – sagt Herr Althusmann und fühlt sich gar nicht angesprochen, denn "unbekannt", so heißt er ja nicht.

Über Ihre Verzögerungstaktiken bei der Inklusion mag ich schon gar nicht mehr reden.

Bisher nichts als Ankündigungen und Ausreden!

Sie sind verpflichtet, die UN-Konvention umzusetzen!

Fangen Sie endlich damit an oder warten Sie auch da, bis Eltern sich einklagen?

Arbeitszeitverordnung für Schulleitungen, Umwandlung der Berufsbildenden Schulen in regionale Kompetenzzentren – nichts kriegen Sie richtig hin!

Herr Althusmann, es kommt nicht von ungefähr, dass bei der jüngsten Niedersachsen- Umfrage Ihre Bildungspolitik als größter Schwachpunkt genannt wurde.

In keinem anderen Bereich sind die Niedersachsen mit dieser Landesregierung derart  unzufrieden.

Es wird Zeit, dass endlich eine Schulpolitik gemacht wird, die ohne die schwarz-gelbe Ideologie von gestern den Konsens mit der Mehrheit der Bevölkerung sucht und gute Bildungschancen für alle Kinder garantiert.

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