Rede Ina Korter: Aktuelle Stunde (CDU) - Ideologie statt Aufklärung - Aus für HannoverGEN blamiert Innovationsland Niedersachsen

- es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

„Ideologie statt Aufklärung“ -

mit diesen Begriffen fahren Sie aber schweres Geschütz auf von der CDU.

Um die Debatte  zu versachlichen, muss man wohl erst einmal darauf hinweisen, worum es eigentlich geht und worum es nicht geht.

Es geht um einen ein einzigen Satz in der Koalitionsvereinbarung: „Das Projekt HannoverGEN wird beendet.“

Dabei reden wir über ein Projekt, das ganze vier Schulen in Niedersachsen- alle in Hannover- betrifft und das bereits 1,16 Millionen € gekostet hat, mehr als eine viertel Millionen pro  Schule.

Das ist eine Luxusausstattung, von der andere Schulen nur träumen können.

Und dieses Geld kam nicht etwa aus dem Bildungsetat sondern vom Landwirtschaftsministerium.

HannoverGEN war befristet, zuletzt bis 2013.

Über den Ablauf dieser Frist hinaus will das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz weiteres Geld für diesen Zweck nicht  bereitstellen.

Das ist der Sachverhalt. Darum geht es.

Anrede, worum es ausdrücklich nicht geht:

Es geht nicht darum, dass sich Schülerinnen und Schüler nicht mehr kritisch mit Gentechnik in der Landwirtschaft beschäftigen sollen.

Im Gegenteil, das Thema ist im Kerncurriculum verankert.

Von Denkverboten kann also keine Rede sein, das ist eine Art und Weise, wie Sie  mit den Fakten umzugehen, die schon an  vorsätzliche Täuschung grenzt.

Und es geht auch nicht darum, dass den 4 Schulen die Labore weggenommen werden, mit denen sie praxisnahen Unterricht gestalten können.

Nein, die Labore sollen sie behalten.

Aber für die laufenden Sachkosten sind in Zukunft die Schulträger zuständig, so wie  bei allen anderen Schulen auch.

Die 4 beteiligten Schulen sind privilegiert ausgestattet worden.

Natürlich kämpfen sie um diese Ausstattung.  

Aber es kann nicht die Aufgabe des Agrarministeriums sein, eine solche besondere Ausstattung dauerhaft zu finanzieren.

Anrede,

über die Inhalte des Schulunterrichts entscheiden im Rahmen der Kerncurricula die Lehrkräfte.

Die Auseinandersetzung mit neuen Technologien, auch der Gentechnik gehört selbstverständlich dazu.

Es darf aber nicht sein, dass interessierte Wirtschaftsverbände Einfluss auf die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen des Schulunterrichtes nehmen.

„Ideologie statt Aufklärung“, sagen Sie, meine Damen und Herren von der CDU,

wenn wir uns die Entstehung des Projekts HannoverGEN ansehen, dann bekommen wir den Eindruck, dass es Ihnen gerade bei diesem Projekt mehr um Ideologie als um Aufklärung ging.

Entstanden ist HannoverGEN nicht aus dem Bildungsbereich heraus, sondern ausgebrütet wurde es vom Gesprächsforum „Wissenschaft-Wirtschaft“, das vor 10 Jahren auf Initiative des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff und des Landvolkpräsidenten Werner Hilse gegründet wurde.

Ziel war, „die Wettbewerbsfähigkeit der Agrar- und Ernährungswirtschaft auszubauen.“

Bei HannoverGEN ging es damals nicht um eine unabhängige Auseinandersetzung mit der Gentechnik, sondern es ging vor allem darum, Akzeptanz für diese aus guten Gründen sehr umstrittene Technologie zu schaffen.

Aus den Worten des damaligen Ministerpräsidenten Wulff, zitiert in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 11.09.2007, wird es deutlich.

 „Ich halte die grüne Gentechnik für eine Schlüsseltechnologie, bei der wir unbedingt am Ball bleiben müssen“.

Und weiter: „Für die Durchsetzung der grünen Gentechnik sei allerdings ein breiter gesellschaftlicher Konsens erforderlich, da es noch immer starke Vorbehalte gebe. Daher brauche man mehr Aufklärungsarbeit über Nutzen und Risiken dieser Technologie an den Schulen.“

Anrede,

das Projekt HannoverGEN war von Anfang an interessengeleitet.

Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen war für die wissenschaftlichen Grundlagen von HannoverGEN verantwortlich; zugleich war er Vorstand beim Lobbyisten „Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik e.V.“

Sponsor des Projekts HannoverGEN, wenn auch mit geringem Anteil,  ist unter anderem eine Tochter der Kleinwanslebener Saatzucht (KWS), der einzigen Firma, die nach dem Rückzug der BASF noch im Bereich der Agro-Gentechnik aktiv ist.

Anrede,

eine solche Konstellation hat mit unabhängiger Aufklärung wenig zu tun.

Solche „Verbindungen“ oder  Connections waren charakteristisch für die Ära Wulff. So etwas wollen wir hinter uns lassen.

Deshalb ist es  richtig, dass sich das Landwirtschaftsministerium aus der Finanzierung von HannoverGEN zurückzieht und andere eigene Schwerpunkte setzt.

 

 

 

Zurück zum Pressearchiv