Rede Ina Korter - Aktuelle Stunde (CDU): „Hier steht keine Maschine, ich bin ein Mensch“ (Kultusministerin Frauke Heiligenstadt) – Warum gilt das nicht für Lehrerinnen und Lehrer in Niedersachsen?

- es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

gestern haben erneut Lehrkräfte demonstriert, demonstriert gegen den Beschluss der Landesregierung, die Unterrichtsverpflichtung an den Gymnasien anzuheben auf diejenige an den Integrierten Gesamtschulen und die geplante Verbesserung der Altersermäßigung auszusetzen.

Ich kann gut verstehen, dass die betroffenen Lehrkräfte diesen Beschluss nicht einfach hinnehmen wollen, auch uns ist die  hohe Belastung der Lehrerinnen und Lehrer sehr bewusst.

Meine Damen und Herren von der CDU, wenn Sie uns aber mit dem Titel Ihrer aktuellen Stunde heute unterstellen wollen, dass für uns Lehrerinnen und Lehrer keine Menschen seien, dann ist das eine grobe rhetorische Entgleisung, die ich aufs Schärfste zurückweise.

Die Belastung der Lehrkräfte, meine Damen und Herren, auch das muss einmal gesagt werden, hängt zwar zu einem großen Teil, aber nicht ausschließlich von der Unterrichtsverpflichtung ab.

Gerade die Gymnasiallehrerinnen und –lehrer klagen jetzt, dass die Belastung in den vergangenen Jahren durch eine ganze Reihe von Maßnahmen deutlich gestiegen ist:

  • Heraufsetzung der Klassenobergrenzen auf 32
  • Verdichtung der Lernzeit und des Lernstoffs durch das Turbo-Abitur.
  • Ein zusätzliches fünftes Prüfungsfach durch die Oberstufenreform
  • Erhöhung der Anzahl der Klausuren um ca. 25%

usw.

Ich könnte noch mehr aufzählen…

Aber, meine Damen und Herren von CDU und FDP, das alles sind die Hinterlassenschaften Ihrer schwarz-gelben Landesregierung.

Sie spielen sich hier als angebliche Retter der Gymnasien auf, dabei haben gerade Sie den Gymnasien den ganzen Stress eingebrockt!

Jetzt müssen und werden wir daran gehen, diese Belastungen möglichst zu reduzieren.

Die Klassen werden wir schrittweise wieder verkleinern und wir prüfen genau, was zum Beispiel an Korrekturaufwand verzichtbar ist.

Anrede, das Gefühl des hohen Drucks entsteht aber auch daraus, dass die pädagogische Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer schwieriger geworden ist.
Hier gibt es keine Patentrezepte, schon gar keine schnell wirksamen.
Aber wir werden durch gezielte Fortbildung und Beratung, durch den Einsatz von Schulsozialarbeit und mehr SchulpsychologInnen zur Entlastung an allen Schulformen beitragen, nicht nur an den Gymnasien.

Denn das gehört zur Wahrheit ja auch dazu, meine Damen und Herren:
Die Unterrichtsverpflichtung an allen anderen Schulformen, den Hauptschulen, den Realschulen, den Integrierten Gesamtschulen, den Oberschulen, den Berufsschulen  und vor allem den Grundschulen ist mit dort 28 Wochenstunden durchgehend höher als aktuell an den Gymnasien.

Anrede,

wenn es um Stress in der Schule geht, dann kann es natürlich nicht nur um die Lehrerinnen und Lehrer gehen, sondern wir dürfen auch die Schülerinnen und Schüler nicht aus dem Blick verlieren.

Denn auch für sie haben CDU und FDP mit dem Turbo-Abitur den Druck massiv verschärft.

Eins will ich an dieser Stelle deshalb sehr deutlich sagen:

Ich habe überhaupt kein Verständnis für diejenigen, die jetzt zwar für sich selbst die Rücknahme der zusätzlichen Wochenstunde fordern, die aber für ihre SchülerInnen ausdrücklich die Beibehaltung der zusätzlichen Klausuren und des fünften Abiturprüfungsfaches verlangen.

Gerade diese Haltung wurde beim jüngsten Philologentag in Goslar, auf den Sie sich ja mit Ihrem Zitat in der Überschrift zur Aktuellen Stunde beziehen, deutlich.
Dafür, meine Damen und Herren, habe ich überhaupt kein Verständnis!

Anrede,

in der Schule geht es um Menschen.
Schule geht nicht ohne Anforderungen, Anforderungen an alle Beteiligten - aber diese Anforderungen müssen ein vertretbares Maß behalten.

Wir werden uns deshalb für eine Entlastung der Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schüler einsetzen.

 

 

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