Rede Hanso Janßen: Ziele der Landesraumordnung einhalten ? Erdkabel im Höchstspannungsbereich erproben

Herr Präsident,
meine Damen und Herren,
oberirdische Hochspannungstrassen stellen immer eine erhebliche Beeinträchtigung dar. Sie sind keine Zierde für das Landschaftsbild und können auch die Vogelfauna zum Teil erheblich beeinträchtigen. Diese Situation ist nicht neu und auch absolut nicht auf den Ausbau der Windkraft beschränkt. Wer sich die Umgebung bestehender Kraftwerke oder auch die Umgebung von Umspannwerken vor Augen hält, weiß, wovon ich rede. Wenn es gangbare Alternativen gibt, muss man sie nutzen.
Ich weiß, meine Damen und Herren, darin sind wir uns hier im Landtag weitgehend einig.
Die Hochspannungstrasse zwischen Ganderkesee und St. Hülfe ist im Raumordnungsverfahren, eine Leitung die erforderlich wird, um das Netz in Deutschland für den verstärkten internationalen Stromtransport und den zwingend notwendigen Umbau der Energiewirtschaft in Deutschland fit zu machen.
Auf massiven Druck der in dieser Region lebenden Bevölkerung haben wir hier in den Ausschüssen des Landtages bereits eine umfassende und intensive Diskussion geführt, um die Möglichkeiten einer Erdverkabelung auszuloten.
Sowohl bei der Anhörung im Mai als auch bei der Vorstellung des ForWind Gutachtens zur Kostenrelation zwischen Freileitung und Erdkabel sind einige Fragen offen geblieben:
 die Kostenkalkulation berücksichtigt keine volkswirtschaftlichen Schäden
 erhöhte Kompensationsanforderungen bei Freileitungen sind nicht miteinbezogen
 geringere Stromverluste bei erdgebundenen Leitungen sind nicht mit dem Verkaufspreis eingeflossen.
Meine Damen und Herren,
in der Studie des ForWind-Instituts wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Erfahrungen mit einem Erdkabel über 380kV bislang für eine Strecke von 50km nicht vorliegen.
Wenn dem so ist, muss so etwas im Rahmen eines Pilotvorhabens erprobt werden. An einem Pilotvorhaben müsste wegen der erheblichen Widerstände gegenüber Freileitungen auch anderenorts – ich erinnere hier nur an eine Freileitung in Osnabrück- die Energiewirtschaft ein erhebliches Interesse haben und auch für die Anbieter erdgebundener Leitungssysteme dürften diese Erfahrungen von immenser Bedeutung für ihr weiteres –weltweites – Geschäft sein.
Im Übrigen könnte der mögliche Mehraufwand bei der Bundesnetzagentur geltend zu machen.
Ein solches Pilotprojekt, meine Damen und Herren, würde endlich Klarheit über die möglichen Mehrkosten bringen und nicht nur in Niedersachsen eine vernünftige Diskussion darüber erlauben, wie zukünftig neue Energietrassen gebaut werden. Erst valide Ergebnisse in der Praxis stellen eine vernünftige Grundlage für die weitere Diskussion dar.
Und, meine Damen und Herren, Sie können es bei dieser Trasse im Rahmen des Raumordnungsverfahrens auch durchsetzen. Teile des Gebietes sind Bestandteil des Naturparks Wildeshauser Geest, eines Gebietes, das sich durch besondere landschaftliche Schönheit auszeichnet. Andere Bereiche haben eine hohe Bedeutung für den Vogelschutz. Es gibt also durchaus raumordnerische Gründe, in diesem Gebiet den Bau einer Freileitung zu untersagen. Nutzen Sie die Chance, zeigen Sie Mut.
Unabhängig von diesem Einzelfall ist eine Reduzierung der Grenzwerte für elektromagnetische Strahlung dringend erforderlich, um gesundheitliche Gefahren im Sinne der Vorsorgepflicht tatsächlich ausschließen zu können.
Der Vorsorgewert der Weltgesundheitsorganisation WHO beträgt für das Magnetfeld 0,2 Mikrotessla, der Grenzwert in Deutschland 100µT. Um gesundheitliche Gefahren von der betroffenen Bevölkerung abzuwenden, fordern wir die Landesregierung auf, hier zu handeln und sich im Bundesrat für die Reduzierung des aktuell viel zu hohen Grenzwertes einzusetzen.
Die Änderung von Grenzwerten im Dschungel zwischen Bundesrat und Bundestag ist ein mühsames Geschäft und kostet Zeit. Die Landesregierung, meine Damen und Herren, kann aber hier durchaus auch selbst handeln – z.B. in dem sie Abstandsempfehlungen analog zu Nordrhein-Westfalen entwickelt. Bei 380kV-Leitungen wird hier ein Abstand von 160m empfohlen. Das können sie hier allein in Niedersachsen umsetzen und sie würden damit die von neuen Hochspannungsleitungen Betroffenen tatsächlich ernst nehmen und nicht nur davon reden.
Meine Damen und Herren,
natürlich sollen diese Punkte dazu beitragen, Freileitungstrassen unabhängig von dem Fall Ganderkesee –St. Hülfe generell zu erschweren.
Und das ist auch gut so. Bei erdgebundenen Lösungen gibt es erhebliche Vorteile für das Allgemeinwohl:
 die Versorgungssicherheit wird erhöht, wie wir jetzt wissen
 die Gefährdung der Menschen deutlich verringert – keine Seilabrisse, keine Mastumbrüche, kein Eisfall und kaum mehr Elektrosmog;
 Wertverluste für Immobilien fallen geringer aus
 die Landschaft wird weniger belastet und Naherholung und Lebensqualität bleiben erhalten,
 Risiken für Vögel werden ausgeschlossen und
 die Stromverluste sind geringer – ein ökonomischer aber auch ein ökologischer Vorteil
Meine Damen und Herren,
Liebe Kollegen von der CDU, hören Sie auf Ihre Kollegen aus dem Landesverband Oldenburg, die genau das, was wir hier beantragen, nämlich ein Pilotverfahren für die Trasse Ganderkesee-St. Hülfe letztes Wochenende in Friesland gefordert haben. Nutzen Sie die Chance, erdgebundene Hochspannungstrassen voranzubringen. Hier können Sie selbst etwas bewegen.
Setzen Sie im Raumordnungsverfahren die Erdleitung als Pilotprojekt durch.

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