Rede: Hans-Joachim Janßen zum Wolf (Antrag CDU)

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

 

in den wesentlichen Punkten Ihres Antrags kann ich durchaus mitgehen. Sie haben zumindest ganz eindeutig einen Antrag vorgelegt, der sich vom Populismus der FDP, den wir hier im letzten Plenum diskutiert haben, sehr deutlich unterscheidet.

Sie schreiben richtigerweise, dass es mit dem geltenden Recht selbstverständlich die Möglichkeit gibt, Wölfe der Natur dauerhaft zu entnehmen, die eine Gefahr für Menschen darstellen können. Wir brauchen keine Änderungen des geltenden Rechts oder gar die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht, wie es die FDP fordert, sondern das geltende Recht ist völlig ausreichend.

Und selbstverständlich steht die Sicherheit der Menschen an erster Stelle. Sie zitieren in Ihrem Antrag gleich 2 Quellen, wo die Landesregierung genau das auch ausdrücklich so gesagt. Und ich wiederhole das für meine Fraktion an dieser Stelle auch noch mal gerne: Es ist ein Erfolg des Artenschutzes, dass der Wolf auch in Niedersachsen wieder heimisch ist und das soll auch so blieben. Aber natürlich hat dabei der Schutz von Leib und Leben von Menschen oberste Priorität.

Anrede,

dieser Verantwortung wird die Landesregierung auch im vollen Umfang gerecht. Deshalb hat die Landesregierung ja auch die Entnahme des zweifellos etwas verhaltensauffälligen Wolfes angeordnet, der da im Nordwesten herumstromert. Das Tier scheint in der Tat auffallend wenig Scheu vor Menschen zu zeigen. Man muss aber dazu sagen, dass es Ansätze für irgendwie geartetes aggressives Verhalten gegenüber Menschen bislang auch nicht gibt.

Meine Damen und Herren von der CDU,

ein bisschen erstaunt bin ich allerdings darüber, dass Sie offenbar schon wissen, was mit dem Wolf zu geschehen hat, nachdem er eingefangen wurde. Vielleicht haben Sie da ja andere Informationen, aber ich weiß nicht, woher das Tier überhaupt kommt, das da im Großraum Oldenburg unterwegs ist. Ist der junge Wolf vielleicht aus einem Gehege oder aus einer privaten Zucht entwischt oder freigelassen worden? Stammt er aus dem Rudel in Munster, wie manche annehmen? Ich weiß es nicht. Sie vermutlich auch nicht. Und weil ich das nicht weiß, kann ich auch jetzt wo das Tier noch nicht mal eingefangen ist, auch nicht sagen, was hinterher damit zu geschehen hat. Das wird man sehen, wenn man das Tier eingehend untersucht hat und sein Verhalten durch Fachleute beurteilt wurde.

Und es ist schlicht falsch, wenn Sie behaupten, die Maßnahme, das Tier unangenehmen Reizen auszusetzen und ihm damit eine gewisse Scheu vor Menschen beizubringen, sei nicht erforscht. In anderen Ländern hat man das erfolgreich gemacht. Und außerdem soll das Tier ja auch besendert werden, sofern man es denn wieder frei lässt. Da kann man dann ganz genau sehen, wo er sich wann bewegt und man kann ihn natürlich sehr schnell wieder finden, wenn die Vergrämung doch keinen Erfolg hat. Meines Erachtens ist das der richtige Weg.

Anrede,

wir sollten uns auch davor hüten, einen Wolf zu schnell als Problemwolf zu qualifizieren und damit ein falsches Bild vom Verhalten dieser Tiere zu zeichnen. Wölfe gehen zwar dem Menschen möglichst aus dem Weg. Das heißt aber nicht, dass sie auch menschliche Strukturen meiden. Das heißt im Übrigen auch nicht, dass Wölfe eine ausgesprochene Scheu vor Menschen zeigen. Warum sollten sie das auch tun?

Anrede,

ich möchte aber auch noch die Gelegenheit wahrnehmen, mich an dieser Stelle bei allen zu bedanken, die gerade in den letzten Wochen deutlich mehr als das Übliche getan haben, um die Bürgerinnen und Bürger aufzuklären und um die Probleme, die es zweifellos gibt, zu lösen. Ich nenne da an allerster Stelle die ehrenamtlichen Wolfsberaterinnen und –berater. Ich nenne die Nutztierhalter, die ihre Zaunanlagen absichern, die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Naturschutzverwaltung der Landkreise und des Umweltministeriums. Und ich nenne die Landesjägerschaft und hier vor allem ihre Wolfsbeauftragte. Ihnen allen gebührt unser herzlicher Dank!

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