Rede Hans-Joachim Janßen: Aktuelle Stunde (CDU) zum Wolf in Niedersachsen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Anrede,
werte Kolleginnen und Kollegen von der CDU,
Sie betiteln Ihre Aktuelle Stunde mit „Keine Wolfsromantik in Niedersachsen“. Vielleicht hat der damalige Umweltminister Sander das 2010 so gesehen, als er in einem Artikel in der NOZ (vom 23.11.) mit den Worten zitiert wird: „Sie (die Wölfe) werden ganz lieb sein“. Sonst aber verbreitet hier niemand ein romantisiertes Bild vom Wolf. Das ist Unfug, das macht keiner. Der Wolf ist ein Wildtier, er ist ein Beutegreifer, der natürlich davon lebt, Beute zu machen. Und er ist ein Nahrungsopportunist, das heißt, er nimmt was er kriegen kann und Schafe auf der Weide die nicht gegen Wölfe gesichert ist, sind eben für den Wolf relativ leicht zu erbeuten. Das ist jedenfalls kein Kriterium für einen Problemwolf, der der Natur zu entnehmen ist.
Klar ist aber auch, meine Damen und Herren, der Wolf ist bei uns heimisch, er gehört zu unserer Artenvielfalt dazu. Und er ist in der gesamten EU streng geschützt. Und ich füge ausdrücklich hinzu, ich finde es gut und richtig, dass der Wolf bei uns in Niedersachsen wieder heimisch wird. Das ist einer der wenigen positiven Trends im Naturschutz.
Meine Damen und Herren,
Der Wolf ist für uns Menschen in aller Regel ungefährlich. In Europa sind in den letzten 60 Jahren neun Fälle von tödlichen Angriffen auf Menschen bekannt geworden, fünf davon durch tollwütige Tiere. Hier geht es allerdings darum, dass der Wolf auch Schafe reißt.
Ich will das nicht kleinreden. Selbstverständlich ist es für Schafhalter bitter zur Herde zu kommen und dann tote Schafe zu sehen, das ist keine Frage. Und es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, TierhalterInnen zu entschädigen, wenn ein Tier vom Wolf gerissen wurde. Natürlich ist es genauso eine gesellschaftliche Aufgabe, Risse von Nutztieren so gut es geht zu vermeiden. Damit dürfen wir die Tierhalter nicht allein lassen und damit lassen wir die Tierhalter ja auch nicht allein.
Auch wenn Sie, meine Damen und Herren von der Opposition, hier ständig Ihre Spielchen spielen und so tun, als stehe das in Frage: klipp und klar - Schäden durch den Wolf werden vom Land reguliert. Und wir gehen ja noch weiter: Wir finanzieren in den Regionen in denen der Wolf vorkommt, auch präventive Maßnahmen, um zu verhindern, dass es überhaupt erst zu Verlusten von Nutztieren kommt. Das hat es bei Schwarz-Gelb nicht gegeben. Da gab es keine Mittel für Herdenschutzmaßnahmen. Deshalb ist es auch ziemlich wohlfeil von Ihnen, zu erklären, das sei alles noch nicht genug. Das kann man im Prinzip immer sagen, aber das ist keine verantwortliche Politik, meine Damen und Herren.
Anrede,
Das Umweltministerium reagiert schnell und unbürokratisch. Jetzt, wo im Landkreis Vechta der Wolf nachgewiesen wurde, hat das Umweltministerium unmittelbar reagiert und auch den Landkreis Vechta zur Wolfsregion erklärt, damit dort Herdenschutzmaßnahmen bezuschusst werden können. Hier könnte man möglicherweise auch großzügiger verfahren und die umgebenden Landkreise einer Wolfssichtung in die Förderkulisse einbeziehen.
Zu einem nüchternen Umgang mit dem Wolf gehört aber auch, dass man sich zunächst genau anguckt, ob es denn wirklich der Wolf war, der den Schaden verursacht hat. Das muss auch zügig passieren, vielleicht auch zügiger, als es bisher zum Teil der Fall war. Und deshalb wird man sich nach meiner Überzeugung genau anschauen müssen, wo man tatsächlich einen Gentest braucht und wo man darauf in Zukunft vielleicht verzichten kann. Dazu muss man aber zunächst einige Erfahrungen sammeln. Die aktuelle Regelung zu den sog. Billigkeitsleistungen sehe ich jedenfalls nicht in Stein gemeißelt. Das Ganze ist für mich eher ein lernendes System.
Anrede,
natürlich taucht immer wieder die Frage auf, wie es denn mit der Entwicklung des Wolfs weitergehen soll. Im Moment ist die Entwicklung ziemlich dynamisch. Wir haben derzeit zwischen 50 und 60 Wölfe in Niedersachsen und das binnen relativ kurzer Zeit. Wir können mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass es auch noch mehr werden. Das bedeutet aber nicht, dass die Entwicklung linear oder sogar exponentiell immer so weiter geht. Was wir derzeit erleben, ist eine normale Populationsdynamik, die wir auch von anderen Arten kennen: Wenn sich eine Art einen neuen Lebensraum erobert, dann geht das am Anfang erst mal schnell. Das kommt dann aber auch bald zu einem Ende. Dann haben wir ein Bestandsniveau das relativ stabil bleibt.
Anrede,
wir sind keine Wolfsromantiker. Wir haben einen klaren Blick auf die positive Entwicklung beim Wolf, genauso wie auf die Probleme, die es dabei gibt. Und diese Probleme werden gelöst.
Vielen Dank!