Rede Gabriele Heinen-Kljajic: Masterplan für kulturelle Bildung in Niedersachsen erforderlich
Anrede,
es gibt in Sachen kultureller Bildung in Niedersachsen gute und erfolgreiche Projekte innerhalb und außerhalb von Schulen. Unsere Theater haben bereits häufig eine eigene Sparte Jugendtheater. Aber oft sind es eben nur einzelne Projekte, die kein kontinuierliches Angebot ersetzen können.
Um dieses Manko zu beheben, kann das Auflegen eines Masterplans durchaus sinnvoll sein. Was wir aber noch viel dringender brauchen, sind Angebote, die allen Menschen, unabhängig von Alter, Herkunft oder Stellung in der Gesellschaft die Chance geben, ihren ganz eigenen Zugang zu Kunst und Kultur zu finden. Dabei müssen wir auch gerade diejenigen abholen, die etwa klassische Angebote einer Musikschule nicht erreichen oder nicht ansprechen.
Es reicht eben nicht, das gewohnte Programm anzubieten und zu warten, dass die Menschen zur Kunst kommen. Es müssen Angebote gemacht werden, die Menschen in einer Sprache oder einer Musik ansprechen, die sie verstehen. Auf dieser Einsicht basiert das Rollenverständis zum Beispiel des Landesmusikrats, der Musikschulen, der Jugendkunstschulen, des Landesverbandes kulturelle Jugendbildung, der Soziokultur, derTheater.
Das Problem ist also kein Erkenntnisproblem, sondern es ist vorwiegend ein Problem der Ausstattung und der nicht ausreichenden Infrastruktur. Und hier haben Sie, meine Damen und Herren von CDU und FDP, mit Ihrer Haushaltspolitik dafür gesorgt, dass gerade da der Rotstift besonders radikal angesetzt wurde, wo traditionell der Zugang zu breiten Bevölkerungsschichten geradezu zum Selbstverständnis der eigenen Arbeit gehört, nämlich bei den so genannten Freien Kulturträgern. Sie haben hier mit dem Haushalt 2007 erste Reparaturen vorgenommen, aber unterm Strich sieht Ihre Bilanz in Sachen kultureller Bildung weit schlechter aus, als Sie uns hier weismachen wollen.
Umfragen zeigen, dass wir gerade in Niedersachsen einen enormen Nachholbedarf in der Kulturpolitik haben. In keinem anderen Bundesland haben Jugendliche so erschreckend häufig keinen Zugang zu staatlich geförderten Kulturangeboten wie in Niedersachsen.
Da das Entdecken und Ausbilden der eigenen Kreativität eine große Bedeutung für die positive Entwicklung von Lernfähigkeit und Persönlichkeit hat und Teilhabe an Kunst und Kultur somit ein Bildungsangebot ist, ist es im Sinne der Chancengerechtigkeit unsere Pflicht für Rahmenbedingungen zu sorgen, die allen Menschen diese Teilhabe ermöglicht.
Anrede,
wir haben die von CDU und FDP jetzt mit dem Haushalt 2007 beantragte Aufstockung der Mittel für die Musikschulen ausdrücklich mitgetragen und wir begrüßen es, dass die Mittel eingesetzt werden sollen, um verstärkt Jugendliche mit Migrationshintergrund für die Musikausbildung zu gewinnen. Gleiches gilt für Kooperationsprojekte zwischen Kunstschulen und Schulen. Aber: solange wir, jenseits von Projekten, keine dauerhafte Vernetzung der kulturellen Bildung mit dem Stadtteilmanagement in sozialen Brennpunkten oder der klassischen Jugendhilfe schaffen, werden wir auch weiterhin bestimmte Gruppen nicht erreichen.
Die Einsetzung einer interministeriellen Arbeitsgruppe mag ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Aber was wir brauchen ist eine Trendwende. Im Rahmen der Aufstellung eines Masterplans hätte man die hier kurz skizzierten Fragen weiter diskutieren können. Umso bedauerlicher ist es, dass Sie sich dieser Diskussion verweigern.