Rede Gabriele Heinen-Kljajic: „Kleinkunstpreis ausloben“
Landtagssitzung am 23.02.2012
Rede Gabriele Heinen-Kljajic, MdL
Anrede,
Losgelöst von der konkreten Situation in Niedersachsen mag der Antrag der SPD sympathisch sein. Kunstpreise stellen eine öffentlichkeitswirksame Würdigung künstlerischer Arbeiten dar und können kulturpolitische Innovationen befördern. Nur– ob ein vom Land finanzierter Kleinkunstpreis in Niedersachsen das Mittel der Wahl ist, die Kleinkunst aufzuwerten, das bezweifeln wir.
Es gibt zweifellos eine Vielzahl von Kleinkunstaufführungen in Niedersachsen. Aber wenn man genauer hinschaut, sind das häufig überregional eingekaufte Künstler. Das ist für die Veranstalter schlicht eine Frage der Kalkulation, denn große Namen lassen sich nun mal besser verkaufen, als noch relativ unbekannte Nachwuchskünstler aus der Region.
Hinzukommt: Unter den "preisgekrönten" Kleinkünstlern einer Vielzahl deutscher Kleinkunstpreise gibt es relativ wenige Niedersachsen.
Selbst bei niedersächsischen Kleinkunstpreisen haben niedersächsische Künstler oft das Nachsehen, wie der "Wilhelmshavener Knurrhahn" oder der vom Theater am Küchengarten vergebene "Gaul von Niedersachsen" belegen. Und ein Preis, bei dem nur Niedersachsen prämiert würden, dürfte keine Strahlkraft entwickeln.
Wie dem auch sei – man tut niemandem Unrecht, wenn man feststellt, dass die Kleinkunst in Niedersachsen im Vergleich zum Rheinland, oder Berlin, Hamburg und München, bei aller Wertschätzung für die vielen Kleinode in der niedersächsischen Szene, ein eher zartes Pflänzchen ist. Und diese Einschätzung muss bei der Frage, will man einen Landespreis auflegen, bedacht sein.
Denn erstens würde es, glaube ich, schwer werden, für diesen Preis eine überregionale Aufmerksamkeit zu erreichen. Das schafft man nur, wenn man ein ordentliches Preisgeld im mindestens fünfstelligen Bereich auslobt und die Auswahl der prämierten Künstler nicht auf Niedersachsen beschränkt. Da hilft die schönste Gala nichts.
Und zweitens erscheint es unter den gegebenen Umständen wesentlich sinnvoller, gemeinsam mit einschlägigen Fachverbänden, wie dem Landesverband Freie Theater (LAFT) oder der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur, ein Programm zur Konzeptionsförderung einzelner Künstler oder Künstlergruppen aufzulegen. Da Geld nur einmal ausgegeben werden kann, ist dies aus unserer Sicht der vielversprechendere Weg. Deshalb lehnen wir den SPD-Antrag ab.