Rede Gabriele Heinen-Kljajic: Juniorprofessuren als erfolgreiches Instrument der Nachwuchs- und Frauenförderung unterstützen
Die Einführung der Juniorprofessur unter rot-grün wird in allen Wissenschaftsorganisationen, auch nach fünf Jahren Praxiserfahrung, einhellig als kluge Entscheidung bewertet der man nach wie vor zukunftsweisende Bedeutung zuschreibt.
Erste Auswertungen zeigen, dass die neue Personalkategorie die Attraktivität einer wissenschaftlichen Karriere steigern kann. Der Frauenanteil der Juniorprofessuren liegt in allen Fächergruppen, auch in den stark männerdominierten Natur- und Ingenieurwissenschaften, deutlich über ihrem Anteil an den Vollprofessuren.
Weil das lange und aufwändige Habilitationsverfahren entfällt und damit ein längst überholter deutscher Sonderweg endlich umgangen werden kann, sinkt das Alter für eine Berufung auf ein international vergleichbares Niveau, was eine Wissenschaftskarriere in Deutschland deutlich attraktiver werden lässt und die Abwanderungsneigung senken kann.
Bei der jüngsten Jahrestagung des Netzwerks deutscher Nachwuchswissenschaftler in den USA, bei der das Who is Who der deutschen Wissenschaftspolitik von der Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz bis zum Staatssekretär im Bundesbildungsministerium auftraten um für eine Rückkehr nach Deutschland zu werben, gab es eine zentrale Botschaft, die den Honoratioren mit auf den Weg gegeben wurde: Die Habilitation wird als karrierefeindliche Hürde empfunden und führt dazu, dass die Altersgruppe der 30 bis 40 jährigen die Gelegenheit zur Abwanderung nutzt.
Und was macht der niedersächsische Wissenschaftsminister? Er gibt eine Trumpfkarte aus der Hand, statt sie im Wettbewerb um junge NachwuchswissenschaftlerInnen zu spielen.
Denn im Ländervergleich hat Niedersachsen bisher eine Vorreiterrolle bei der Einführung des neuen Qualifizierungsweges inne. Die Universitäten Göttingen, Hannover und Oldenburg gehören zur Spitzengruppe in Deutschland. Aber nach dem Auslaufen der Bundesförderung in 2004 und der Landesförderung in 2005 ist der Ausbau der Juniorprofessur auch in Niedersachsen ins Stocken geraten. Deshalb brauchen wir dringend wieder ein Landes-Förderprogramm für die Juniorprofessur.
Anrede,
die Beharrungskräfte an den Hochschulen, die viel mit Macht und Einfluss der Professoren zu tun haben, aber wenig mit inhaltlichen Kriterien, müssen mit Anreizsystemen gebrochen werden. Es stellt sich ganz einfach die Frage, lässt man die alten Kräfte weiter walten, wohl wissend, dass man damit einen historisch längst überholten Qualifizierungsweg zementiert, oder will man die niedersächsischen Hochschulen fit machen für einen Wettbewerb um kluge und ambitionierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Auch auf Seiten der Regierungsfraktionen fehlt es an sachlich nachvollziehbaren Argumenten gegen ein solches Förderprogramm. Werte Kolleginnen und Kollegen von CDU und FDP: Sie versperren sich einem Ausbau der Juniorprofessur, weil sie einst von der rot-grünen Bundesregierung eingeführt wurde. Verlassen Sie die ideologischen Grabenkämpfe und lassen Sie Vernunft walten. Der jüngste Vorstoß des Ministerpräsidenten in Sachen Gesamtschulen hat doch gezeigt, wie dringend notwendig Sie einen bildungspolitischen Kurswechsel haben.