Rede Gabriele Heinen-Kljajic: „Gleiche Zugangschancen für doppelte Abi-Jahrgänge auch für Medizinstudienplätze“
- es gilt das gesprochene Wort -
Anrede,
2011 wird für die Hochschulen ein spannendes Jahr. Werden die Hochschulen dem Ansturm durch den Doppelten Abiturjahrgang gerecht werden können? Und vor allem: Werden die Studienbedingungen zumutbar sein? All diese Fragen sind offen
und wir sind nach wie vor skeptisch, ob die neu geschaffenen Studienplätze ausreichend finanziert sind, und ob sie der großen Zahl zusätzlicher Studierender tatsächlich gerecht werden.
Eine Frage die aber schon heute beantwortet werden kann, ist die nach den klaren Verlierern im Pokerspiel namens Hochschulpakt: Es sind die jungen Menschen, deren Wunsch es ist, Medizin zu studieren. Obwohl es bundesweit einen steigenden Bedarf an Medizinern gibt, werden noch mehr Studienwünsche im ohnehin schon überbuchten Fach Medizin nicht erfüllt werden können. Warum? Weil Medizinstudienplätze nach Ansicht von CDU und FDP zu teuer sind. Und hier wird das Hauptproblem des Hochschulpakts deutlich: Er gehorcht dem Diktat der Billiglösung.
Liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und FDP, obwohl einige Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen bereits von sich aus ihre Zulassungszahlen im Fach Medizin temporär um bis zu 10 % erhöhen, sieht Niedersachsen nicht einmal die Notwendigkeit, ein entsprechendes Bund-Länder-Programm aufzulegen. Da überzeugt auch der Verweis darauf, dass Studienplätze an Medizinischen Hochschulen an die Bettenzahl gekoppelt sind, wenig. Der klinische Teil des Studiums könnte für eine begrenzte Zeit in Lehrkrankenhäuser ausgelagert werden. Sie haben diese Möglichkeit nicht mal geprüft.
Anrede,
Sie haben den jungen Menschen in Niedersachsen den doppelten Abiturjahrgang eingebrockt, aber auslöffeln lassen Sie ihn die SchülerInnen und Studierenden. Die erste Druckwelle bekommen die Schüler und Schülerinnen ab, die sich in großer Zahl abstufen lassen oder gleich die Schulform wechseln. Die zweite Druckwelle bekommen die Studienanfänger zu spüren. Die Hörsäle werden überfüllt sein, besonders in den Massenfächern. Wer Medizin studieren will, braucht Prädikatsnoten im Abitur. An manchen Medizinhochschulen wird auf NCs unterhalb von 1,0 spekuliert. Die dritte Druckwelle werden alle Bachelor-Absolventen zu spüren bekommen, die weiter studieren wollen. Denn der Hochschulpakt schafft zwar zeitlich begrenzt zusätzliche Studienanfängerplätze in den Bachelor-Studiengängen, aber die Masterkapazitäten wurden nicht angefasst.
Was Interessenten für ein Medizinstudium bereits ab 2011 bevorsteht, blüht in wenigen Jahren Bachelor-Absolventen, die ein Masterstudium dran hängen wollen. Sie werden in großer Zahl leer ausgehen, weil trotz drastisch steigender Bewerberzahlen die Zahl der Studienplätze gleich bleiben wird. Schon heute liegt das Verhältnis der angebotenen Masterstudienplatzkapazitäten zu den Bachelorkapazitäten in Niedersachsen bei nur 46 Prozent .
Wenn Sie nicht gegensteuern, wird die Bologna Reform zu dem verkommen, für was ihre Kritiker sie heute schon halten: Zur Abspeckung einer umfassenden akademischen Ausbildung auf ein Studium light.
Deshalb fordern wir Sie auf: Bessern Sie bei den Medizinstudienplätzen nach und machen Sie sich gegenüber Bund und Ländern für einen Hochschulpakt für Masterstudienplätze stark.