...:Rede Gabriele Heinen: Dirigistische Ziel- und Leistungsvereinbarungen werden den kommunalen Theatern nicht gerecht und führen zu Mehrkosten
...
Anrede,
Die Ausschussberatung zum vorliegenden Antrag hat eindrücklich vor Augen geführt, dass man auf Seiten von CDU und FDP kein Interesse daran hat, eine inhaltliche Debatte darüber zu führen, ob die vom MWK vorgelegten Entwürfe zu Zielvereinbarungen mit den kommunalen Theatern Sinn machen oder nicht. Trotz massiver Proteste von Seiten der Theater wollen Sie sich im zuständigen Fachausschuss nicht weiter mit dieser Frage befassen, obwohl erst im April ein entsprechendes Fachgutachten vorliegen wird und die Gespräche mit den Theatern noch laufen.
In den Entwürfen zu den Zielvereinbarungen sind Leistungskriterien aufgeführt, - wie die in der Anzahl genau festgelegten Kooperationen mit benachbarten Bühnen, die genaue Zahl von Vorstellungen, die SchülerInnen der Klassen 5 bis 8 besuchen sollen oder die generelle Forderung nach Steigerung des Ehrenamts -, die in der Fachwelt nur noch Kopfschütteln auslösen, zumal diese Vorschläge nicht aus den Fraktionen, sondern aus dem Fachministerium stammen.
Anrede,
wenn es ernst gemeint wäre, dass die Zielvereinbarungen in enger Kooperation mit den Theatern ausgehandelt werden sollen, - so wurde uns das jedenfalls im Ausschuss berichtet -Â dann müssten wir hier nicht über vermeintliche Leistungsvorgaben diskutieren, die den Theateralltag offensichtlich komplett ausblenden.
Es ist doch nicht damit getan, Schüler zum Theaterbesuch zu verpflichten. Neben dem Ausbau der Sparte Jugendtheater brauchen wir begleitende Angebote wie die Vor- oder Nachbereitung von Theaterbesuchen oder den Blick hinter die Kulissen um Jugendlichen einen zielgruppenspezifischen Zugang zum Theater zu schaffen. Einmal davon abgesehen, dass Theater dies, wie das Beispiel Osnabrück vorbildlich zeigt, längst tun, muss man zur Kenntnis nehmen, dass das Zeit und Personal bindet und damit Geld kostet und man muss sagen, wo das Geld denn hergenommen werden soll.
Und wer das Ehrenamt in der Kultur über Fördervereine hinaus stärken will, der muss Weiterbildungsangebote und ein kompetentes Freiwilligenmanagement vorhalten. Das wiederum kann aber doch bitte nicht die Aufgabe der Theater sein. Auch eine Kooperation benachbarter Bühnen kann man doch nur dann in Zielvereinbarungen aufnehmen, wenn es in der Region Bühnen gibt, die technisch und künstlerisch zu so einer Kooperation bereit und in der Lage sind. Das wiederum ist aber häufig vor Ort schlicht nicht gegeben.
Völlig widersinnig wird es dann, wenn CDU und FDP uns auch noch weismachen wollen, die neuen Verträge würden den Theatern Planungssicherheit geben. Die Verträge sollen den Landeszuschuss auf fünf Jahre einfrieren, Tariferhöhungen werden nicht mehr abgedeckt. Bei der Größe kommunaler Theater, wo ein Ballett-Bereich vielleicht nur mit zehn Tänzern arbeitet, wird eine zweiprozentige Tarifsteigerung die Schließung einer Sparte bedeuten.
Wenn Sie, werte Kollegen von CDU und FDP der Meinung, dass das Angebot an unseren kommunalen Theatern im bestehenden Umfang aus finanziellen Gründen nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, dann machen Sie selbst Vorschläge, wo welche Sparte geschlossen werden soll, aber schieben sie nicht den schwarzen Peter den Theatern zu.
Bedauerlicherweise sind wir als Ausschuss nach dem Willen von CDU und FDP bei den weiteren Gesprächen außen vor. Wir erwarten aber, dass die Einwände der Theater Berücksichtigung finden, damit es zu einer theatergerechten Lösung kommt.