Rede Eva Viehoff: Chancen und Potenziale der Digitalisierung für Niedersachsen nutzen - Digitalisierungsprofessuren fördern

- es gilt das gesprochene Wort -

Frau Präsidentin/Herr Präsident

Meine Damen und Herren

Das Ansinnen ihres Entschließungsantrages ist nach unserer Ansicht grundsätzlich nicht falsch. Denn sicher ist es sinnvoll die Digitalisierung an den Niedersächsischen Universitäten und Hochschulen weiter zu unterstützen.

Beim Lesen ihres Antrages, wie auch an so vielen Stellen des GroKo Koalitionsvertrages habe ich mich aber zum wiederholten Mal gefragt, was sie in Bezug auf die Digitalisierung wirklich wollen. Denn sowohl im Koalitionsvertrag als auch hier in ihrem Entschließungsantrag mutiert eine der wichtigsten Herausforderungen in Niedersachsen zu einem Bauchladen.

Zunächst -  sie wollen doch nicht allen Ernstes den Universitäten und Hochschulen vorschreiben wofür sie die hier in Aussicht gestellten Professuren einrichten sollen? Das geht vollkommen an der Eigenständigkeit der Einrichtungen vorbei! Das sollte ihnen doch klar sein:

das Land den Rahmen steckt

die Hochschulen handeln dann jedoch eigenständig und frei.

Ihr Antrag da allerdings spricht eine andere Sprache.

Das führt mich zu der Frage: „Glauben Sie wirklich, dass unseren Universitäten und Hochschulen, also Orte exzellenter Bildung und Forschung, die Bedeutung der Digitalisierung nicht bewusst ist? Und haben wir nicht auch schon eine Reihe von Kompetenzzentren für Digitalisierung an Universitäten und Hochschulen, wie an der TU Braunschweig oder in Clausthal-Zellerfeld.“

Wo ist da ein Masterplan, eine Struktur? Denn anstatt herauszustellen, wo sie sich ein Mehr oder ein noch besser vorstellen können, bleiben sie auch in der Frage wo diese Professuren eingerichtet werden sollen vage. Da fragt frau sich doch. „Wozu gibt es diese Kompetenzzentren?“

Und es bleibt weiterhin vage – und da wird es für mein Empfinden auch dramatisch, nämlich was verstehen Sie unter „bedarfsgerechten Studienangeboten“? Wollen Sie ein neues Studienfach kreieren, obwohl die Frage von Digitalisierung im Sinne technischer Forschung und Entwicklung aus meinem Verständnis heraus sehr gut über die Informatik und Elektrotechnik abgedeckt ist. Es gibt also bedarfsgerechte Studienangebote, allerdings sollten die Inhalte dieser Studienangebote dann auch so gestaltet werden, dass sie auf das Interesse studieninteressierter Menschen trifft. Hier liegt doch das Problem!

Für eine Teilhabe aller, für eine stärkere Akzeptanz an den bevorstehenden Digitalisierungsprozessen und für mehr gute Ideen im Innovationsland Niedersachsen sind vielmehr Anstrengungen erforderlich technische Studiengänge attraktiver und offener zu gestalten und insbesondere junge Frauen für solche Studiengänge zu gewinnen.

Fazit:

Ihr Antrag bleibt bis zum Schluss unkonkret und vage (muss er ja wohl auch, sonst hätte man sich ja in der GroKo auf was einigen müssen). Er erwähnt und berücksichtigt an keiner Stelle die schon vorhandenen Angebote an niedersächsischen Hochschulen und Universitäten.

Es bleibt also abzuwarten, ob sie sich bis zur Beratung im Ausschuss noch auf eine Konkretisierung einigen können. Dies ist mit aller Deutlichkeit für den Wissenschaftsstandort Niedersachsen zu hoffen.

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