Rede Enno Hagenah: WM 2006 als Chance nutzen
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Frau Kuhlo, wenn man die Welt zu einem Fußballfest einlädt, dann ist es doch eine Selbstverständlichkeit, dass man auch die richtigen Bedingungen für dieses Großereignis schafft.
Dass länger und lauter gefeiert werden kann, und dass die Ladenöffnungszeiten kurzfristig erweitert werden, ist vernünftig. Aber das muss man doch nicht, wie Sie es jetzt versuchen, als technische, soziale oder kulturelle Revolution aus dem Hause FDP verkaufen wollen.
Auch wenn Sie jetzt mit verve dafür werben, dass den technikbegeisterten Jugendlichen mit einem Fußball-Mäusekino auf dem Handy noch mehr Geld aus der Tasche gezogen wird, dann finde ich es ziemlich naiv, in diesem Zusammenhang von innovativ zu sprechen. Süd Koreas Fanblock ist da technisch schon viel weiter. Schauen Sie denen beim Spiel am 23.06. doch über die Schulter, anstatt selbsr noch ein Modellprojekt auszurufen.
Helfen Sie lieber mit, dass auf den Straßen und Plätzen überall in Niedersachsen auf Großbildleinwänden anständige Live-Bilder geboten werden.
Noch besser wäre es gewesen, wenn Sie sich dafür eingesetzt hätten, dass die unsägliche Bürokratisierung beim Kartenverkauf unterblieben wäre.
Und dass die unabsehbaren Weiterungen der persönlichen Durchleuchtung für Gäste und Beschäftigte rund um die WM auf ein rechtstaatliches Maß beschränkt bleiben.
Wir alle sollten uns dafür einsetzen, dass die WM in Deutschland ein schönes Fest wird und Hannover als Austragungsort in Niedersachsen die Herausforderungen so professionell meistern kann wie bei den vielen Messen und jedem Heimspiel der Bundesliga. Fußball ist die schönste Nebensache der Welt und unser Ziel muss vor allem sein: Spaß zu haben und den Spaß am Spiel in die Welt zu vermitteln.
Aber es war ja sowieso zu befürchten, dass Sie von der FDP auch dieses Ereignis zum Anlass nehmen, um sich zunächst wieder einmal selbst als die größte Hauptsache der Welt abzufeiern.
Es fehlt nur noch, dass das ruhmreiche niedersächsische Kabinett beim nächsten Plenum in schwarz-gelben Trikots und Turnhose vor der Regierungsbank aufläuft.
Wir müssen uns das ungefähr so vorstellen: Nach der Hymne und dem Wimpeltausch geht es gleich in die taktische Standardaufstellung.
Wulff dribbelt als hängende Spitze unablässig durch den gegnerischen Strafraum und der Rest versammelt sich zur Verteidigung auf der Torlinie.
Dazu gehören der notorische Rechtsaußen Schünemann. Der ist zwar schon zweimal vom Verfassungsgericht vom Platz gestellt worden – spielt aber trotzdem einfach weiter.
Als gefühlter Linksaußen Stratmann, im Training durchaus engagiert, im Spiel aber eher farblos, kopfballschwach und ohne Mannschaftsbindung
Im breiten Mittelfeld Ehlen, immer einen Schritt zu spät,
Heister-Neumann mit einer beachtlichen Eigentorbilanz,
Frisch von der Reservebank Ross-Luttmann, bislang ohne Ballkontakt und trotzdem verdächtig abseitsgefährdet.
Der völlig übermotiviert spielende Busemann, auf dem Platz nicht so erfolgreich – aber nach dem Spiel immer der erste am Mikrofon.
Und natürlich Möllring, vor dem Spiel sitzt er noch im Kassenhäuschen und erhöht die Preise, und dann schraubt er sich die angeschliffenen Stollen unter. Gefällt sich vor allem selbst mit seiner regelwidrigen Spielweise.
Last but not least: die labilen Doppel-Liberos Hirche und Sander, zwei Schwalbenkönige, denen ihr Teamchef sogar noch in der Halbzeitpause die Spielregeln erklären muss.
Meine Damen und Herren von der Koalition,
Ihr Vereinsmotto haben Sie offensichtlich von Andy Möller übernommen. Der hat ja mal gesagt: "Vom Feeling her habe ich ein gutes Gefühl."
Für eine ordentliche WM Austragung wird das reichen, für die politischen Herausforderungen im Land ist das zu wenig.