Rede Enno Hagenah: Verdrängung von Haupt- und Realschülern vom Ausbildungsmarkt 2011/12 – verhindern. Landesprogramm für 10.000 zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen

 

Anrede,

zumindest erste Sensibilität für die besondere Situation auf unserem Ausbildungsmarkt mit doppeltem Abiturjahrgang und Abschaffung von Wehr- und Zivildienst in Niedersachsen in diesem und im kommenden Jahr konnten wir bei CDU und FDP mit dem grünen Antrag aus dem vorigen November wecken.

Ein eigener Antrag zum Thema ist entstanden, der aber keine zusätzlichen Vorschläge für mehr Ausbildungsangebote enthält, sondern von unseren 6 Handlungsvorschlägen, haben Sie nur den einen einzigen mit der Neuauflage eines Landesprogramms für schwer vermittelbare BewerberInnen aufgegriffen.

Das ist ein Armutszeugnis. Sie glauben offenbar immer noch Ihrer eigenen Propaganda, nach der wir seit Jahren bei uns mehr Ausbildungsplatzangebote als Bewerber haben.

Dabei müssten hier spätestens seit der Antwort auf unsere große Anfrage zum Übergangssystem alle im Hause wissen, dass wir in Niedersachsen alljährlich rund 20.000 Jugendliche als Schulabgänger haben, die Ausbildung bräuchten, aber nur Übergangssystem bekommen.

Ihre Haltung, diese jungen Menschen seien nicht Ausbildungsfähig und müssten deshalb so lange in der Warteschleife rackern, bis sie von einem Betrieb angenommen werden ist zutiefst zynisch und wird dem Sachverhalt nicht gerecht.

Das war doch schon Ihre Verantwortung aus den vergangenen 8 Jahren, in denen Sie dieses Land regiert haben, für die Qualität der Schule und die Qualifikation der Schulabgänger zu sorgen. Diese pauschale Kritik an den Jugendlichen fällt doch schwer auf Sie selbst zurück,.

Und wo haben Sie denn Evaluiert, das die Jugendlichen, die trotz Realschulabschluss oder ordentlichem Hauptschulabschluss in der Warteschleife fest sitzen, nicht an den zu hohen Erwartungen oder Vorurteilen mancher Ausbildungsbetriebe scheitern, sondern selbst das Problem sind.

Hinweise für derartige selbstsüchtige Handlungsweisen von Arbeitgebern gibt es ja aus einigen Branchen, die sich längst als gut bezahlte weiße Kragen Berufe auf das Absahnen der AbiturientInnen aus dem  Ausbildungsmarkt spezialisiert haben.

Das Abschieben von echten Ausbildungsbedürftigen zugunsten von denen, die sich wie von selbst ausbilden lassen, ist klar eine Ursache des viel zu hohen Anteiles von Jugendlichen im Übergangssystem.

Das wird auch nicht dadurch besser, das nun ein Teil dieser Gruppe mit einjähriger Berufsschulpflicht von Ihnen einfach aus der Statistik des Übergangssystems herausgenommen wurde. Einen Ausbildungsplatz für das zweite Lehrjahr haben diese jungen Menschen trotz des Aufstieges in Ihrer Statistik leider noch lange nicht.

Ein weiteres Problem ist sicher, dass die Jugendlichen in der Schule bisher nicht ausreichend beraten und informiert werden, wie die verschiedenen Berufswelten wirklich aussehen, damit nicht alle Bürokaufmann oder Friseurin werden wollen, sondern sich auch Interessenten als Bäcker oder Fleischer bewerben. – Zumindest der Wirtschaftsflügel der Koalitionsfraktionen scheint sich dem Thema jetzt langsam zu öffnen, nachdem die Schulfraktion vor einigen Monaten noch kräftig mauerte.

Klar ist, mit dem CDU/FDP Antrag kriegen wir das Problem nicht in den Griff. Sie geben einem Großteil der Jugend keine Antwort auf Ihre drängenden Fragen nach einer qualifizierten Ausbildung.

Das Thema bleibt wegen der fahrlässigen Ablehnung unserer Vorschläge weiter ein großes Problem in unserem Bundesland und wir werden es in den kommenden Wochen parlamentarisch und außerparlamentarisch weiter bearbeiten, um die schlimmsten Härten hoffentlich noch in den Griff zu bekommen.

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