Rede Enno Hagenah: Arbeitsplätze bei Airbuswerken sichern - Forschung und Entwicklung vorantreiben!

Anrede,

wir sehen in den bekannt gewordenen Umstrukturierungsmaßnahmen von Power 8 keine überzeugende Option für die Verbesserung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit von Airbus.

Deshalb sind wir froh, dass heute nach seiner anfänglichen Zustimmung nun auch Ministerpräsident Wulff auf Distanz zu diesem, mit der Bundesregierung abgestimmten, Sanierungsprogramm gegangen ist.  

Die vermeintliche Ausgewogenheit zwischen Frankreich und Deutschland ist eben noch lange keine Ausgewogenheit der Lasten für Niedersachsen. Während Hamburg und Bremen nur geringe Einbußen an Arbeitsplätzen hinzunehmen haben, trifft uns power 8 sehr hart.

Wir halten den geplanten Verkauf bzw. die Ausgliederung von profitablen Werken aus dem Konzernverbund für falsch und setzen uns ohne wenn und aber für den Verbleib der Standorte in Varel und Nordenham im Konzernverbund ein.

Airbus ist ein starker europäischer Konzern, der weltweit das einzige Unternehmen ist, das dem Wettbewerber Boeing noch Paroli bieten kann. Dies ist auch zukünftig eine große Chance für die norddeutschen Werke und ihre Beschäftigten. Es leitet sich daraus aber auch jenseits der Besitzverhältnisse für die Landes- und Bundespolitik eine strategische Verpflichtung ab.

Angesichts der Bedeutung des Marktes für zivile Luftfahrzeuge und die künftigen Herausforderungen mit hohem Innovationsbedarf kann man dieses Geschäft nicht einem großen Monopolisten allein überlassen. Die Folgen für Preisentwicklung, Innovation, Effizienz und Arbeitsplätze in Europa wären fatal.

Nur als unabhängiger Konzern hat Airbus noch eine erfolgreiche Zukunft. Deshalb war das Hurra-Geschrei im Kanzleramt nach der Bekanntgabe von power 8 mehr als kontraproduktiv: Wer jetzt über "deutsche Erfolge" räsoniert, hat die bevorstehenden Herausforderungen nicht begriffen.

Die französische Replik auf dieses Selbstlob konnten wir heute Morgen in den Nachrichten hören. Präsidentschaftskandidat Sarkozy schlägt jetzt ebenfalls nationale Töne an: "Wir sollten mit dieser deutsch-französischen Gleichheit aufhören", erklärte er. Zugleich schlug er vor, die Doppelspitze abzuschaffen. Solange in Frankreich Wahlkampf ist kann sich das noch weiter hoch schaukeln. Umso sensibler muss die deutsche Seite mit der Parität umgehen.    

Anrede,

die bisher öffentlich gewordenen Maßnahmen aus dem Projekt Power 8 zur Sanierung des Airbus Konzerns sind für die Beschäftigten eine Provokation.

Power 8 birgt die Gefahr lange anhaltender Konflikte, die auch zu einem Arbeitskampf führen können. Streikbedingte Lieferschwierigkeiten würden die Pläne zur Auslieferung neuer Flugzeuge jedoch vollends aus dem Ruder laufen lassen und milliardenschwere Vertragsstrafen nach sich ziehen. Das darf die Konzernleitung nicht weiter herausfordern.

Der Verkauf der Werke ist vor dem Hintergrund übervoller Auftragsbücher und der anstehenden Großaufgaben wie z. B. der Entwicklung des A 350 in verkürzter Entwicklungszeit mit neuen Technologien (CFK), der verzögerten Produktion des A 380 und der Neuentwicklung des A 320-Programms  nicht nachvollziehbar.

Die monatelange Hinhaltetaktik des Managements hat die Krise verschärft und das Vertrauen der Kunden belastet. Die Stornierung von zehn Frachtversionen des A 380 durch United Parcel Service (UPS) vor einigen Tagen ist dafür ein weiterer Hinweis.

Airbus ist ein Konzern dessen Werke dennoch auf Jahre hinaus ausgelastet sind. Die Produkte haben einen guten Ruf und ein gutes Image. Insofern unterscheidet sich die Entwicklung bei Airbus sehr deutlich von Unternehmen, die mangels Kunden in Schieflage kommen.

Der Verkauf von Werken erschwert die Arbeitsteilung im Konzern, führt zum Verlust von Know-how und erhöht die Abstimmungsnotwendigkeiten bei technischen Änderungen. Er ist kein sinnvolles Mittel, um das Investitionskapital des Unternehmens aufzustocken. Die alternativen Möglichkeiten zur Stärkung der Kapitalbasis sind bisher aber nicht ernsthaft angegangen worden. Das betrifft z.B. eine Kapitalerhöhung, bürgschaftsgesicherte Kredite oder auch die Auflage einer europäischen Airbusanleihe. Denkbar wäre auch die Einbindung eines weiteren strategischen Partners auf der Kapitalseite im Gesamtkonzern. Ohne genaue Prüfung ist die heutige Absage von der Bundeskanzlerin gegen diesen möglichen Weg der Kapitalaufstockung fahrlässig.

Anrede,

Niedersachsen muss aber auch selbst aktiver werden.

Die Forschung und Entwicklung in diesem wichtigen Industriefeld sollte vom Land mit größerer Vehemenz vorangetrieben werden. Es sind Innovationspartnerschaften an allen Standorten zu bilden.

Dazu sind Technologiecluster nach dem Vorbild von CFK-Valley auch für die anderen Standorte zu entwickeln. Die Hochschulen und Fachhochschulen sind stärker einzubinden.

Um künftigen Herausforderungen im Luftverkehr gerecht zu werden, muss die Forschung im Bereich Energieeffizienz und Lärmreduzierung ebenso vorangetrieben werden, wie die Entwicklung von Leichtbauwerkstoffen. Ich bin überzeugt, wer in Zukunft die sparsamsten und emissionsärmsten Flugzeuge bauen kann, wird die Nase im Wettbewerb vorn haben.

Anrede,

weil power 8 nicht transparent und nachvollziehbar ist, provoziert die Geschäftsleitung damit nicht nur bei den Beschäftigten weitere Verunsicherungen und Spekulationen über die wahren Hintergründe und eigentlichen Ziele des Konzeptes. Die bisherigen Erklärungsversuche blieben unglaubwürdig.

Da die Dollarschwäche schon seit Jahren besteht und zusätzliches Kapital bei den illustren Anteilseignern sicher auch anders zu gewinnen ist, drängt sich der Verdacht auf, dass alle abgegebenen Werke beim verbleibenden Kernkonzern nach einer Übergangszeit mit einer weltweiten Konkurrenz um Lieferaufträge wetteifern sollen.

Aus niedersächsischer Sicht ist das aber schlicht einseitiges Kostendumping und womöglich sogar eine Kündigung auf Raten.

Und das werden wir zusammen mit den Beschäftigten nicht hinnehmen. 

(es gilt das gesprochene Wort)

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