Rede Elke Twesten: Frauenquote für Aufsichtsräte börsennotierter Aktiengesellschaften – jetzt einführen!

Anrede!

Ich will es gleich zu Beginn sagen: Die Einführung von Quoten bei der Besetzung von Stellen oder Mandaten kann nie Selbstzweck sein. Es geht nicht im die Auslebung von Regelungsvorstellungen. Quoten bei der Gleichstellung von Männern und Frauen kann man im Kern auf folgende Fragestellung reduzieren:

Will man eine gleiche Repräsentanz von Männern und Frauen in bestimmten Ebenen – oder will man sie nicht?

Wer A sagt:  Ich will die gleiche Repräsentanz von Männern und Frauen.

Der oder die – muss auch B sagen. Und B heißt:

Einführung einer Quote.

Andernfalls werden wir das Ziel nicht erreichen. Darum geht es in unserem Antrag.

Wir wollen nicht auf den gleichstellungspolitischen St. Nimmerleinstag warten. Geduld ist kein nachwachsender Rohstoff. Irgendwann ist er erschöpft.

Seit Jahren – wenn nicht seit Jahrzehnten wird über die niedrige Zahl von Frauen in den Führungsebenen diskutiert.

Ebenso lange wurden Quotenregelungen verhindert.

Deshalb fordern wir in unserem Antrag:

Das Land soll sich für eine Quotierungsregelung im Aktiengesetz einsetzen. Und so ein Engagement klingt ja nur dann glaubwürdig, wenn dort – wo man ohne gesetzliche Vorgaben frei handeln kann – diese Möglichkeit auch ausschöpft.

Das Land ist Gesellschafter in verschiedenen Aktiengesellschaften (Achtung Formulierung im Antrag nicht korrekt: Messe AG und NORD/LB sind nicht börsennotiert)

Gesellschafter haben das Recht auf die Benennung von Mitgliedern in Aufsichtsräten – Die Aufsichtsräte wiederum berufen Vorstände.

Wir fordern in unserem Antrag, dass das Land seinen direkten Einfluss auch nutzt.

Die Erfahrungen – die Realität zeigen doch: Ohne eine Quote werden wir die Zahl von Frauen in den Entscheidungsebenen der Wirtschaft nicht erhöhen.

Es ist in der Politik nur über die Quote gegangen – und es wird auch in der Wirtschaft nicht ohne Quote gehen.

Man kann ja den Eindruck haben – das Gremium heißt Aufsichtsrat, weil es dort (fast) keine Aufsichtsrätinnen gibt.

Die Deutschland AG ist eine Männergesellschaft. Es gilt das Motto des Kölner-Klüngels in wahren Wortsinn:

Mann kennt sich  - Mann hilft sich.

Insbesondere dort, wo in Unternehmen Entscheidungen mit Breitenwirkung getroffen  und hohe Einkommen erzielt werden, sind Frauen kaum noch zu finden.

So sitzt in den 100 größten Unternehmen in nur einem Vorstand eine Frau.

Bei den TOP 200 sind es gerade mal 11   das entspricht einem Prozent. Solche Ergebnisse zeigen:

Von Gleichstellung kann in Spitzenpositionen der Wirtschaft nicht einmal im Ansatz gesprochen werden. 

Man muss allerdings in diesem Kontext auch anmerken – dass natürlich alle Gruppen, die für die Zusammensetzung eines Aufsichtsrates verantwortlich sind, ihr Entsendeverhalten selbstkritisch überprüfen sollten. Da ist eben nicht nur die Repräsentanten des Kapitals, sondern auch die der Arbeit. Die Arbeitnehmervertreter vertreten auch sehr viele Arbeitnehmerinnen. Das sollte auf Gewerkschaftsseite nicht übersehen werden.

Ich denke – wir sind nur dann glaubwürdig – und Glaubwürdigkeit gehört ja in der Politik zu immer zu den wertvollsten Gütern – wir können glaubwürdige Gleichstellungspolitik nur dann machen, wenn wir unser eigenes Verhalten unseren Ansprüchen anpassen.

Weil es so wenig Frauen in wirtschaftlichen Spitzenpositionen gibt, will ich mich hier auf einen Mann berufen:

Olaf Henkel, früherer BDI-Chef  spricht  von einem "Armutszeugnis für die deutsche Wirtschaft". Es habe sich in den vergangenen Jahren "verdammt wenig getan". Wenn sich nichts ändere, " dann müsse der Gesetzgeber nachhelfen".

Genau das wollen wir tun. Als Gesetzgeber und als Miteigentümerinnen von Unternehmen.

Das Land wirbt ja mit seiner Imagekampagne für ein innovatives Niedersachsen.

Ich bin sicher – die Innovation: mehr Frauen in die Verantwortung ist längst überfällig.

Und Herr Wulff und Herr Bode,

wäre es nicht eine schöne Beschreibung für unser Bundesland – wenn es hieße: Bei uns wirtschaften die Frauen!!

Auch Männer würden davon profitieren: Viele Studien zeigen:

Unternehmen, die Frauen in den Aufsichtsgremien haben, wirtschaften erfolgreicher.

Unser Antrag fördert nicht nur Frauen – er fördert auch die Wirtschaft.  Vielen Dank

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