Rede Elke Twesten: 90 Jahre Frauenwahlrecht – Verpflichtung und Ansporn für die Zukunft

Anrede

Es gibt gute Gründe an die Einführung des Frauenwahlrechts zu erinnern.

Frau Vockert hat sie aufgezählt.

Zum Glück leben wir in einer Zeit, in der das gleiche Wahlrecht von Frauen und Männern zu einem selbstverständlichen Teil unserer Demokratie geworden ist.

Über Selbstverständlichkeiten brauchen wir hier nicht reden! 

Reden sollten wir allerdings über die Themen, bei denen die Gleichstellung von Männern und Frauen nicht erreicht ist.

Reden - sollten wir über die Benachteiligung von Frauen in vielen gesellschaftlichen Bereichen.

Und  - wir müssen darüber sprechen,

dass immer noch viel zu viele Frauen Opfer von Gewalt und Ausbeutung – weltweit – aber auch in unserem Lande werden.

Anrede

In Deutschland verdienen Frauen durchschnittlich 25 % weniger als Männer. Ein Problem, dass sich in allen Gehaltsstufen findet.

Jedoch was ist das für eine Unternehmenslandschaft, in der die Berufung einer Frau in den Vorstand der Siemens AG die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder von DAX-Unternehmen um 100% steigert.

Nicht besser sieht es in Wissenschaft und Forschung  aus: Lediglich 15 % der Professuren werden von Frauen ausgeübt.

In den Parlamenten sieht es etwas, aber nur etwas besser aus, Frauen sind auf Landes- Bundes- und Europaebene mit ungefähr ca. 30% vertreten.

Was sagen diese Zahlen:

Von wirklicher gleichberechtigter Ausübung von Macht und Einfluss sind wird noch meilenweit entfernt.

Und – es ist kein selbst gewähltes Schicksal von Frauen – es sind die männerdominierten Strukturen

Und die (!) müssen verändert werden.

Eine Möglichkeit ist übrigens die Frauenquote. Offensichtlich die wirksamste Möglichkeit die Beteiligung von Frauen zu verbessern.  Wie wirksam, sieht man daran, dass Parteien mit einer verpflichtenden Frauenquote immer einen Frauenanteil von mind. 50% unter den Abgeordneten erreichen.

Anrede

Es geht aber nicht nur um die Steigerung der Zahl von Frauen in Führungspositionen:

In prekären Beschäftigungsverhältnissen sind überproportional Frauen vertreten;

Viele Frauen müssen im Alter mit sehr geringen Finanzmitteln auskommen

– gerade im Alter ist die Armut tatsächlich weiblich –

Viele Frauen pflegen - oft unter schwierigsten Bedingungen -  Angehörige;

- Ohne dieses Engagement wäre das Pflegesystem längst kollabiert - 

Viele Frauen werden von den Vätern ihrer Kinder bei der Erziehung im Stich gelassen,

- zum Glück haben wir eine hohe Zahl mutiger Mütter, aber leider auch eine sehr hohe Zahl feiger Männer -

(Alleinerziehende ca. 82 % Frauen)

Viele Frauen werden nach wie vor Opfer häuslicher Gewalt;

- gerade diese Frauen brauchen den Schutz der Gemeinschaft – und es ist beschämend, wie wenig sich diese Landesregierung hier engagiert.   32 Jahre nach Eröffnung der ersten Frauenhäuser sollte die gesicherte Finanzierung aller Frauenhäuser öffentliche Pflichtaufgabe werden, die gemeinsam von Kommunen 'Bund und Ländern zu gewährleisten ist. 

Und – auch davor sollten wir nicht die Augen verschließen:

Viele Frauen sind Opfer sexueller Ausbeutung.

Frauenhandel und Zwangsprostitution sind die übelste Form der Unterdrückung von Frauen – auch in unserem Land.

Und es ist eigentümlich – wie wenig dagegen unternommen wird.

Anrede

Ich hoffe, dass wir keine weiteren 90 Jahre warten müssen, bis die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft erreicht ist.

Wenn allerdings die Gleichstellungspolitik dieser Landesregierung das Tempo vorgibt, dann müssen die Frauen wohl auf den St. Nimmerleinstag warten.

Das – und da bin ich mir sicher – werden sich die Frauen nicht gefallen lassen –

Lassen Sie mich mit einer Prognose schließen:

Es werden mehrheitlich Frauen sein, die diese Landesregierung bei den nächsten Wahlen abwählen werden.

Zurück zum Pressearchiv