Rede Christian Meyer: Ministerin Grotelüschen im Interessenskonflikt zwischen Tierschutz und industrieller Massentierhaltung

-- es gilt das gesprochene Wort --

(Anrede)

Am 9. August zeigte die ARD grausame Bilder von gequälten Puten aus Mastanlagen und konfrontierte damit die Ministerin Grotelüschen. Danach und in den folgenden Tagen behauptete die Ministerin die Zustände seien "nicht wünschenswert", aber es sei unklar ob die Bilder überhaupt aus Mastställen im Zusammenhang mit dem Unternehmen ihres Mannes kommen. Und außerdem habe sie damit selbst überhaupt nichts zu tun.

Die Ministerin berief sich dabei auf drei eidesstattliche Versicherungen von Putenmästern, die abstritten, dass die Bilder im April aufgenommen sein konnten.

Mal abgesehen davon, dass laut ARD die Bilder aus dem Juli stammen, wie auch eine aktuelle Zeitung im Film zeigt, war sehr verwunderlich, dass das Ministerium auf Nachfrage von Journalisten nicht bereit war die eidesstattlichen Versicherungen vorzulegen.

Ich habe hier drei Faxe mit den eidesstattlichen Erklärungen der augenscheinlich betroffenen Mäster.

Wenn das was ich hier lese zutrifft und die Faxe stimmen, dann gibt es ein weiteres Problem für Sie, Frau Grotelüschen. Und zwar ein riesengroßes.

Wochenlang haben Sie nähere Beziehungen zwischen den Unternehmen Ihres Mannes, in denen sie lange selbst an höchstverantwortlicher Stelle tätig waren, und den offensichtlichen Skandalmästern abgestritten.

Das erste Fax wurde am 6.8.2010 um 9.41 offenbar von der Mastputenbrüterei ihres Mannes vorformuliert an die Mäster geschickt. Die Betroffenen brauchten nur noch zu unterschreiben und faxten die vom Grotelüschen-Betrieb formulierte Erklärung unverändert wenige Stunden später zurück, was man an der Faxkennung gut erkennen kann.

Das heißt: Bereits drei Tage vor der Veröffentlichung der Vorwürfe in der ARD Sendung, also bevor die Mäster und Betriebe eigentlich von den Vorwürfen wissen konnten, sorgte sich demnach der Betrieb Ihres Mannes um eine Abwehrstrategie. Die allerdings brach schnell zusammen, als vom NDR die ungeschnittenen Filmaufnahmen gezeigt wurden.

(Anrede)

Ich frage mich und ich frage Sie: Von wem konnte die Mastputenbrüterei von Herrn Grotelüschen über die Vorwürfe informiert sein? Warum ließ der Ehemann der Ministerin offenbar die eidesstattlichen Versicherungen wortidentisch vorformulieren, wo es doch mit der Mast und seinen Bedingungen angeblich keine Verbindungen gebe?  Das sind Fragen auf die wir heute eine Antwort wollen?

Zur Erinnerung: Wie die Ministerin selbst erklärt hat, war sie am 3.8. von Journalisten befragt worden und kannte somit das Sendematerial sechs Tage vor der Ausstrahlung.

Jetzt bitte ich um Ihre besondere Aufmerksamkeit: Weil möglicherweise eine der drei Mästerinnen die vorformulierten Erklärungen nicht unterschrieben hatte, wurde am 6.8. erneut ein Fax versendet und zwar um 11.14 Uhr, also rund 1 ½ Stunden nach dem ersten Fax. .

Der Faxabsender ist diesmal nicht die Mastputenbrüterei, sondern die Nummer 04435-966877.

Frau Ministerin, Sie werden das sicher bestätigen, das ist ihre persönliche Faxnummer laut Ihrer offiziellen Homepage, laut Ihrer Eintragung im Bundestagshandbuch und der Eintragung im Rat der Gemeinde Großenkneten:

Astrid Grotelüschen, Lessingstraße 8, 26197 Grossenkneten, Fax: 04435-966877

(Anrede)

Das kann also nur so verstanden werden: Vom persönlichen Fax der Ministerin Grotelüschen wird drei Tage vor der Sendung einer Mästerin in Mecklenburg-Vorpommern eine wortgleiche, vorformulierte Erklärung zugeschickt, die die Vorwürfe wegen der Tierqual entkräften sollen.

Wenn das so zutrifft,  meine Damen und Herren, dann ist damit bestätigt, dass die Ministerin an der Vertuschung des Putenmastskandals persönlich beteiligt ist.  

Könnte es sein, Frau Ministerin, dass Ihr Kartenhaus der Empörung und Zurückweisung der Vorwürfe nun endgültig zusammenbricht?

Wenn Sie, Frau Grotelüschen, diese persönliche Verwicklung in den Putenmastskandal hier und heute nicht ausräumen können, sind Sie als Ministerin für den Tierschutz und alle Bereiche der Landwirtschaft nicht mehr tragbar.

Sind sie die Cheflobbyistin des Unternehmens ihres Mannes oder die Tierschutzministerin für Niedersachsen?

Wir erwarten eine Erklärung.

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