Pascal Mennen: Rede zur zahnärztlichen Vorsorge in Kitas (Antrag SPD/GRÜNE)
TOP 44 – Rot-grüner Antrag zur Zahngesundheit
- Es gilt das gesprochene Wort -
Wissen Sie, was ein Rumpelbesen, ein Schlürfi oder auch ein Gummikelch ist?
Vielleicht wüssten Sie es, wenn es Ihnen in früher Kindheit ein Zahnarzt oder noch besser der Plüschdrache Gregor auf kindgerechte und freundliche Weise erklärt hätte. Gregor ist übrigens eine kleine Handpuppe, die auch bei uns im Kultusausschuss schon einen Auftritt hatte, aber dazu später mehr.
Beim Thema Zahnarzt verspüren 30 Prozent der Deutschen erstmal Angst. Etwa 10 Prozent bemühen sich, einen Zahnarztbesuch in ihrem Leben komplett zu vermeiden.
Das sind beunruhigende Zahlen, denn die individuellen Folgen sind vielfältige Gesundheitsschäden. Es gibt eine ganze Reihe höchst problematischer Folgeerkrankungen, die auf Probleme mit den Zähnen zurückzuführen sind.
Sichtbare Klassiker wie Karies. Oder aber für Laien kaum erkennbare Zahnfehlstellungen, die oft fatale Auswirkungen, speziell im orthopädischen Bereich, haben. Das ist bei Kindern im Wachstum besonders zu beachten.
Wenn wir diese Fehlentwicklungen also durch eine speziell für die Arbeit in Kitas qualifizierte Zahnärztin stoppen, dann tun wir explizit etwas für das Kindeswohl. Heute und in Zukunft.
Jeder von uns kennt das grelle Licht, die Bohrer-Batterie und den Behandlungsstuhl, der einen in eine hilflose Position bringt.
Wir nehmen den Bammel vorm Zahnarzt, der hier nämlich im sicheren Umfeld der Kita auftritt. Ganz niedrigschwellig. Das erspart zunächst einen klassischen Zahnarztbesuch in einer sterilen Praxis mit ihrem ja doch sehr eigenen Charme.
Die Grundlage für Angst und Folgen liegen oft in der frühen Kindheit, denn wie sagt der Volks-Mund? Was Hänschen nicht mag, mag Hans nimmer mehr. Stimmt.
Diese Angst übertragen übrigens auch Eltern auf ihre Kinder. Eine niedrigschwellige Prophylaxe z.B. mit Gregor ist deshalb wichtig, kommt aber oft nicht zustande, weil Eltern nicht einwilligen und da setzen wir zurecht mit unserem Entschließungsantrag an.
Wir hatten im rot-grünen Arbeitskreis die Zahnärztinnen und Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitswesen e.V. zu Besuch, die uns erklärten, dass
- die Gruppenprophylaxe in den Kitas in Niedersachsen schon gut ausgebaut ist,
- leider häufig Kinder die Einverständniserklärung nicht rechtzeitig abgebgeben haben und dann nicht teilnehmen dürfen und
- das häufig diejenigen Kinder betrifft, die sozioökonomisch ohnehin benachteiligt sind und das größte Kariesrisiko tragen.
Natürlich haben die Zahnärzt*innen dagegen versucht, etwas zu unternehmen. Einverständniserklärungen und Datenschutzblätter wurden erklärender und in verschiedenen Sprachen formuliert, die Rückläufe stiegen aber nur gering. Angesprochene Eltern hatten oft nicht verstanden, was bei der Prophylaxe passiert und was sie tun sollten, sie waren fast immer nicht gegen die Teilnahme ihres Kindes. Bei der Gruppenprophylaxe wird den Kindern erklärt, wie sie ihre Zähne gesund erhalten, sie richtig putzen und was beim Zahnarzt oder der Zahnärztin passiert. Gut aufgeklärt wird den Kindern dann einmal in den Mund geschaut, sofern sie dazu bereit sind. Das war es schon. Die Eltern bekommen dann einen kleinen Zettel, auf dem steht, ob das Kind Karies hat und ob ein Zahnarztbesuch angezeigt ist. Um mehr geht es nicht.
Das Motto: „Früh erkannt, Problem gebannt“ leuchtet allen ein, auch im Ausschuss waren wir uns da recht einig und so ist der vorliegende Entschließungsantrag entstanden, der vor allem zum Ziel hat, dass alle Kinder an der Prophylaxe teilnehmen, Eltern aber, wenn sie das nicht möchten, widersprechen können. Wir kehren also das Prozedere um.
Wir entbürokratisieren diesen Vorgang. Wir entlasten somit die Kita-Verantwortlichen bei der Organisation der Gruppenprophylaxe.
Es ist also verantwortungsbewusst, medizinisch klug, organisatorisch vernünftig und vor allem für die Kinder das Beste. Wir bringen heute etwas Gutes auf den Weg.
Übrigens: Rumpelbesen oder auch Gummikelch werden zur Zahnpolitur genutzt, Schlürfi heißt der etwas nervige Speichelsauger.