Pascal Mennen: Rede zu einem AfD-Antrag zur Sexualpädagogik
TOP 43 – AfD-Antrag zur Sexualpädagogik
- Es gilt das gesprochene Wort -
Ich mache mir bei den Sachen, die die AfD so in den politischen Betrieb spült, die Mühe, sie tatsächlich zu verstehen. Das ist nicht immer leicht, aber hören Sie doch mal selbst. Ich zitiere aus dem Antrag der AfD-Fraktion:
"Die genannten Gründe sind unseres Erachtens hinreichend dafür, jene Intransparenz bzw. sachliche Inadäquatheit durch gesetzliche Normierung einer effektiven Informations- und Beratungspflicht so- wie eingeräumte Mitwirkungsrechte seitens der KiTa gegenüber den Erziehungsberechtigten in jeder Phase des Prozesses von der Konzeption bis zur Umsetzung sexualpädagogischer Dienstleistungen zu beseitigen."
Gleichzeitig bringt Herr Rykena den Antrag ein, indem er freudig Fakten zusammenphantasiert, einmal kräftig umrührt und seinen Hass über alles ergießt.
Soll das jemand verstehen? Ich denke nicht. Es geht Ihnen nur um Verunsicherung. Sie versuchen krampfhaft den Gedanken, dass da irgendetwas Dunkles passieren könnte, zu säen, Expertise abzusprechen und Eltern auf die Barrikaden zu bringen. Sie blicken dabei auf unsere Gesellschaft mit einer staubverklebten Brille von 1933 ff.
Das gilt für Ihr Demokratie-Unverständnis. Das gilt für Ihr Familien-Bild. Das gilt für Ihr Frauen-Bild. Das gilt für Ihr Gesellschafts-Bild in Gänze und das gilt ganz speziell und offensichtlich für Ihre Sicht auf sexualpädagogische Fragen. Den Einrichtungen geht es darum, dass Kinder ihren Körper mit seinen Grenzen kennenlernen und eine Sprache dazu finden, auch um „Nein“ sagen zu können. Das ist total wichtig.
Diesmal schwurbeln Sie sich auch noch durch die Wissenschafts-Szene des vergangenen Jahrhunderts. Billiges Name-Dropping, das keinem seriösen Anspruch genügt, lernt man schon in Klasse 9. Nun ist es ja bekanntermaßen so: Wer keine Themen, keine Inhalte und keine Ahnung hat, der macht sich mit Sex interessant. Das klickt und erregt digital.
Die Zahl ihrer bildungspolitischen Anträge ist ja allgemein sehr dünn (um es freundlich zu formulieren), ich brauche fürs Zählen nicht mal eine Hand. Die Zahl von Parlamentsinitiativen, in denen es um Sex geht, ist dafür umso stärker, ich habe mal gezählt. Mit diesem lande ich bei 27 und da sind Ihre ganzen Gender-Gaga-Gedanken noch gar nicht mitgezählt. Das lässt für mich nur noch einen bitteren Schluss zu:
Sie sind nicht nur in Teilen gesichert rechtsextrem, sie sind auch sexextrem. Sexextremismus ist das neue spezielle AfD-Problem.
Wenn ich ernsthaft die Probleme in unseren Bildungseinrichtungen verbessern möchte, dann gehe ich in die Einrichtungen, spreche mit Erzieher*innen, Eltern, den Kindern selbst. Und ich schreibe einen Antrag. An dieser Stelle sind sie aber völlig blank.
Deshalb zum Abschluss einen Tipp: Erzieher*innen sind die Expert*innen in Fragen der kindlichen Entwicklung. In diesen Fragen hole ich mir logischerweise keinen Rat bei – sagen wir mal – einer Hundetherapeutin.