Pascal Leddin: Rede zu "Von Lootboxen zu problematischem Glücksspiel?"

Rede Pascal Leddin© Plenar TV

TOP 19: Von Lootboxen zu problematischem Glücksspiel? Jugendschutz und Suchtprävention konsequent umsetzen und simuliertes Glücksspiel regulieren (Antr. SPD/Grüne)

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

als die deutsche League-of-Legends-Legende Noway4u in der 9. Minute gegen die südkoreanischen Profispieler einen Tower dive gerade so in der letzten Sekunde überlebt hat, sind fast 7.000 Zuschauer*innen in der ausverkauften Berliner Veranstaltungshalle förmlich ausgerastet und haben den gefühlten Sieg schon gefeiert.

Wie erwartet haben unsere deutschen Streamer das Match nur hauchdünn gegen die Südkoreaner verloren, aber eines ist sicher, sie waren die Sieger der Herzen.

Bei dem Event in Deutschland waren im Peak eine halbe Millionen Menschen gleichzeitig im Stream und haben das Turnier live verfolgt.

Sehr geehrte Damen und Herren, ja Gaming ist in unserer Gesellschaft als Hobby und auch als Sport schon längst angekommen und das lässt sich auch von niemanden mehr leugnen.

In Deutschland spielen 54 Prozent der Menschen regelmäßig ein Spiel am Computer. Das bedeutet, dass hier im Saal statistisch jeder Zweite ab und zu auch mal spielt.

Die Gaming-Branche verzeichnet einen Rekordumsatz von 9,8 Milliarden Euro in Deutschland und der größte Teil davon fällt auf In-Game-Käufe zurück.

Ich erzähle all das, um deutlich zu machen, über welchen Hintergrund wir hier eigentlich sprechen. Ich nenne jetzt einige Spiele, die nur stellvertretend sind. Diese Lootbox-Mechaniken gibt es nämlich in fast jedem Spiel.

Und da wir das geklärt haben, nehme ich Sie mit auf eine Reise in die Welt der Gamer:

Stellen Sie sich vor, Sie sind begeisterter Counter-Strike Spieler. Das Spiel ist nicht nur für seine taktische Tiefe im eSport bekannt, sondern auch durch seine, nennen wir sie lebhafte, Community. In diesem Spiel gibt es aber eine Falle: Die Lootboxen, hier bekannt als sogenannte „Waffenkisten“.

Jede Kiste verspricht die Chance, etwas Außergewöhnliches zu bekommen. Sogenannte Waffenskins. Diese Skins sorgen dafür, dass die Waffen ein anderes Aussehen haben, aber dadurch nicht besser werden.

Sie öffnen also die erste Kiste mit dem passenden Schlüssel. Mit einer Animation wird die Kiste geöffnet und dann rattern auch schon die Waffenskins auf dem Bildschirm entlang, blau, blau, lila, blau, blau, lila und dann kommt der goldene Skin. Die Animation wird immer langsamer und langsamer. Und dann, ach schade, wieder knapp vorbei. Doch wieder nur ein blauer Skin, der nur wenige Cent wert ist.

Es gleicht einem Totalverlust. Auf Youtube findet man unter dem Suchbefehl CS:GO Opening hunderte Videos von Menschen, die diese Kisten öffnen.

Da geht es um Case Opening im Wert von 10,000€, 15,000€ und auch 250.000$. Die Videos haben hunderttausende und Millionen Aufrufe.

Die Gewinnspanne ist riesig, von wenigen Cents pro Skin, kann man sie auf dem Marketplace für viele hunderte, tausende oder sogar hunderttausende Euro kaufen und eben auch verkaufen. Der Wert für den teuersten Skin liegt - aus verschiedensten Gründen - bei 1,2 Millionen Euro.

Aber gehen wir weiter in den Beispielen, bei Castle Clash, einem Handyspiel, kann man für 1.350 Gems ganze 10 Helden bekommen. Diese 1.350 Gems muss man sich aber für 999 Strasssteine kaufen. Und diese 999 Strasssteine kann man sich für 10€ kaufen. 

Was welche Helden man dafür bekommt ist natürlich völlig unklar. Aber eines ist eindeutig, ohne die richtigen Helden hat man keine Chance zu gewinnen und die richtigen Helden sind selten. Sehr selten. Da muss man also schon einige Strasssteine kaufen und in Gems umtauschen.

Sehr geehrte Damen und Herren, was wir hier in vielen Spielen erleben ist nichts anderes als Online Casino. Die Animation, die Sounds, die Wahrscheinlichkeiten, die Hoffnung. Das alles sind Mechanismen die ganz klar einen Suchtfaktor haben.

Lootboxen tarnen Glücksspiel als Unterhaltung. Sie ködern Spieler mit dem Versprechen seltener, begehrter Belohnungen, doch was sie tatsächlich liefern, ist eine unkontrollierbare Spirale von Enttäuschung und finanzieller Belastung.

Es ist eine Industrie, die Profit schlägt aus der Sucht. Und wir dürfen nicht länger tatenlos zusehen, wie unsere Jugendlichen einer solchen manipulativen Praxis schutzlos ausgesetzt werden.

Wenn unsere Kinder und Jugendliche am Handy vor einer Slot Maschine sitzen und sich für 3,99€ achtzig neue Gambling-Versuche und tausend super Haustierpower kaufen können, und wenn das letzte Level die Spielhalle ist, dann haben wir ein Problem vor dem wir nicht die Augen verschließen dürfen.

Kein Gamer und keine Gamerin hat Lust auf Pay2Win. Pay2Win ist wie das Doping im Sport. Wenn man es selber nicht besser kann, glüht halt die Kreditkarte. Aber worauf Gamerinnen und Gamer noch weniger Bock haben, sind Zustände wie beim Online Casino! Und ja, natürlich wird alles dafür getan, um eine Regulierung abzuwenden.

Die größte Einnahmequelle sind nun mal die In-App-Käufe. ABER lassen sie mich eines dazu sagen, in Belgien, Portugal und Österreich wurden Lootboxen schon reguliert und - oh Wunder - sie wurden einfach aus den Spielen entfernt.

Die Welt dreht sich weiter, die Spiele gibt es immer noch und wir als Gesellschaft gewinnen Transparenz und Jugendschutz vor den Bildschirmen der Kinderzimmer. Vor diesem Hintergrund freue ich mich sehr auf die Beratung im Ausschuss.

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