Miriam Staudte: Rede zu Antibiotika-Kontrollen: LAVES stärken statt bewährtes Kontroll-System zerschlagen

- es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt wie verletzlich unsere Gesellschaften sind, was Epidemien angeht. Ich bitte Sie, sich einmal vorzustellen, was passiert, wenn das eintritt, was die WHO und Mediziner*innen in aller Welt prognostizieren, nämlich, dass wir in ein postantibiotisches Zeitalter rutschen. Ein Zeitalter, in dem man wieder an einer bakteriellen Lungenentzündung oder Herzmuskelentzündung stirbt. In der auch gängige Blasenentzündungen nicht zu kurieren sind. In der Operationen in der Mehrheit der Fälle nicht glücken, weil es im Nachgang zu Infektionen mit multiresistenten Keimen kommt. 

Durch Ihren heutigen Beschluss tragen Sie als Landtagsabgeordnete von SPD und CDU die Mitverantwortung für eine Entprofessionalisierung bei der Antibiotika-Reduktion in der Tierhaltung in Niedersachsen. Dem Bundesland, in dem mehr Antibiotika im Tierfutter als in der Humanbehandlung landen. 

Wir Grünen halten es für unabdingbar die „Spezialeinheit“ für Antibiotika-Kontrollen in der Tierhaltung bei LAVES zu belassen, statt die Aufgabe an die Landkreise zu verteilen. Wir haben im Ausschuss Übersichten bekommen, in denen deutlich wird, dass in den allermeisten Landkreisen keine neuen Mitarbeiter eingestellt werden, sondern bereits vorhandene Mitarbeiter*innen diese wichtige Aufgabe nebenbei erledigen sollen.

Die Veterinär*innen des LAVES hingegen haben sich damals extra für diese Aufgabe beworben. Sie sind hoch engagiert und motiviert. Sie wurden nach Eignung ausgesucht, sie haben sich fortgebildet und haben seit über sechs Jahre Erfahrungen gesammelt. Kollegiale fachliche Beratung ist in diesem Team möglich.

Ich frage mich, haben Sie es schon aufgegeben, weitere Reduzierungen zu erzielen? Denken Sie, dass knapp 400 Tonnen Antibiotika allein in Niedersachsen akzeptabel sind?

Wir sehen das anders. Wir müssen das LAVES stärken statt es auszubremsen. 

Weitere Antibiotika-Einsparungen benötigen mehr, nicht weniger fachliche Expertise.

Dann kommt immer das Argument, dass andere Bundesländer die Aufgabe auch bei den Kommunen angesiedelt haben. Das stimmt: aber das LAVES wird auch aus Bundesländern angefragt, die leider keine zentrale Fachgruppe haben und um Expertise für Fortbildungen gebeten. Was sagt uns das, wo es besser läuft?

Niedersachsen wird bundesweit angefragt , wenn es um Podiumsdiskussionen mit Human- und Veterinärmedizin geht, weil hier die Fachleute sitzen.

Und das soll nun zerschlagen werden?

Dann wird argumentiert, man konzentriere damit die Aufgabe auf einer Ebene, weil die Kreise ja eh in die Tierställe gehen würden.

Das LAVES hat aber weiterhin die Kontrolle über die tierärztlichen Hausapotheken und auch die Zuständigkeit für Tierimpfstoffherstellung. Man würde also eine Aufgabe, die im LAVES in einem Dezernat mit 40 Mitarbeiter*innen erfüllt wird aufsplitten. Das ist das Gegenteil von Synergie.

Es gibt nur einen Lichtblick in dieser Debatte: Dass Sie immerhin eine Evaluation dieser Verlagerung vorsehen wollen.

Insofern bin ich mir sicher:

Die Verlagerung wird glücklicherweise nicht von Dauer sein.

 

Zurück zum Pressearchiv