Kleine Anfrage: Forschungsskandal an der Georg-August-Universität Göttingen

Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung

Wortlaut der Kleinen Anfrage

Der Abgeordneten Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne), eingegangen am

Forschungsskandal an der Georg-August-Universität Göttingen

Pressemeldungen ist zu entnehmen, dass Forscher der Georg-August-Universität Göttingen mit Falschangaben Drittmittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG einwerben wollten. Der SPIEGEL 19/2009 vom 04.05.2009 berichtet, dass sich in diesem Zusammenhang 16 Wissenschaftler der Universität Göttingen wegen des Verdachts auf wissenschaftliches Fehlverhalten verantworten müssen. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, würden laut DFG auch Rückforderungen fällig. Mittlerweile prüft auch die Staatsanwaltschaft, ob ein Anfangsverdacht der Untreue vorliegt.

Bei den verdächtigten Wissenschaftlern handelt es sich um Forscher des Sonderforschungsbereiches 552 "Stabilität von Randzonen tropischer Regenwälder in Indonesien", den die DFG in den letzten neun Jahren bereits mit 13 Millionen Euro gefördert hat. Die Wissenschaftler sollen gefälschte Listen über angeblich bereits bei Fachjournalen eingereichte Veröffentlichungen angegeben haben, obwohl dafür teilweise noch gar keine Manuskripte vorlagen. Ein ähnlicher Verdacht soll sich auch bei dem Graduiertenkolleg zur "Bedeutung der Biodiversität für Stoffkreisläufe und biotische Interaktionen in temperaten Laubwäldern" ergeben haben, worüber jedoch bisher nichts Genaueres bekannt ist.

Bereits im Februar wurde die DFG SPIEGEL-Berichten zufolge durch den Hinweis eines Wissenschaftlers auf die Falschangaben im Antrag zur Auslauffinanzierung aufmerksam. Dieser Antrag auf 8,6 Millionen Euro Forschungsgelder wurde umgehend zurückgezogen. Laut SPIEGEL-Online vom 06.05.2009 soll der Sonderforschungsbereich 552 an der Universität Göttingen nun geschlossen werden.

  1. Wie wurde der Betrugsversuch an der Georg-August-Universität Göttingen aufgedeckt?
  2. Seit wann hat das Präsidium der Georg-August-Universität Göttingen Kenntnis von den Vorfällen?
  3. Seit wann hat der Stiftungsrat der Georg-August-Universität Göttingen Kenntnis von den Vorfällen?
  4. Seit wann hat das Wissenschaftsministerium Kenntnis von den Vorfällen an der Georg-August-Universität Göttingen?
  5. Warum wurde der zuständige Fachausschuss im Landtag nicht zeitnah über die Vorfälle informiert?
  6. Welche Informationen liegen dem Wissenschaftsministerium aktuell über Art, Umfang und Anzahl von Fälschungsversuchen im Zusammenhang mit Forschungsprojekten an der Georg-August-Universität Göttingen vor?
  7. In welchem Umfang sind finanzielle Mittel des Landes, Mittel aus dem VW-Vorab oder sonstige Drittmittel in den Sonderforschungsbereich 552 geflossen?
  8. In welchem Umfang wurden diese Mittel unter Vortäuschung falscher Tatsachen eingeworben, bzw. in wie vielen Fällen ist wissenschaftliches Fehlverhalten nachweisbar?
  9. Inwieweit ist das Graduierten-Kolleg 1086 zum Thema Biodiversität an der Georg-August-Universität Göttingen vom Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens betroffen?
  10. 10.    Sind der Landesregierung aktuell oder rückwirkend aus den vergangenen zehn Jahren andere, wenn auch nicht im Umfang, so doch im Vorgehen, vergleichbare Betrugs- oder Fälschungsversuche an niedersächsischen Hochschulen bekannt?
  11. Welche Maßnahmen zur Aufklärung und Prävention hat die Georg-August-Universität Göttingen nach Bekanntwerden des Betrugsversuches hochschulintern eingeleitet?
  12. Welche Maßnahmen gedenkt das Wissenschaftsministerium einzuleiten, um solche Vorfälle zukünftig zu vermeiden?
  13. Wie schätzt die Landesregierung die Konsequenzen des Vorfalls für die Georg-August-Universität Göttingen ein?
  14. Welche niedersächsischen Hochschulen haben seit wann Kommissionen gegen wissenschaftliches Fehlverhalten eingesetzt und wie arbeiten diese?
  15. Hält die Landesregierung die Prüfpraxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG bei Antragsstellung und bei Verwendungsnachweisen im Zusammenhang mit Forschungsprojekten für ausreichend?
  16. Aus welchen Mitteln müssten eventuell anstehende Rückforderungen der DFG gezahlt werden?

Gabriele Heinen-Kljajic

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