Dringliche Anfrage: Besorgnis um die Sicherheit von Alt-Atomkraftwerken - Zuverlässigkeit der Eigentümer steht nach den Störfällen in Krümmel und Brunsbüttel in Frage
Am 28. Juli 2007 kam es innerhalb von zwei Stunden zu zwei schweren Störfällen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel. Arbeiten an einer Schaltanlage des AKW Brunsbüttel führten um 13.10 Uhr zu einem Kurzschluss, woraufhin die Schnellabschaltung eingeleitet werden musste, weil der erzeugte Strom nicht mehr abgenommen werden konnte. Knapp zwei Stunden später löste ein Kurzschluss im AKW Krümmel einen heftigen Brand in einem Transformator aus, wodurch ebenfalls die automatische Reaktorschnellabschaltung ausgelöst wurde.
Die Genehmigung zum Wiederanfahren von Brunsbüttel wurde erteilt, obwohl die Reaktorschnellabschaltung nicht problemlos funktionierte. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach in diesem Zusammenhang von einem "sicherheitstechnischen Irrtum".
In Krümmel brannte ein Transformator aus, was die vorhandene Brandschutzeinrichtung nicht verhindern konnte. Nach vier Tagen konnten erstmals Experten zum Brandherd vordringen. Erst am fünften Tag wurde jedoch bekannt, dass entgegen den Behauptungen des Betreibers Vattenfall und der Aufsichtsbehörde in Schleswig-Holstein nicht nur der konventionelle Teil der Atomanlage, sondern auch der Reaktor selbst vom Störfall betroffen war. Durch den Ausfall einer Reaktorspeisewasserpumpe und ein unplanmäßiges Öffnen von Ventilen kam es laut Presseinformation des Schleswig-Holsteinischen Sozialministeriums vom 3. Juli zu einem schnellen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter. Der Betreiber Vattenfall und der Miteigentümer E.ON haben mit ihren Behauptungen die Öffentlichkeit getäuscht und erhebliche Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit ausgelöst.
Die Tatsache, dass es nach bisherigem Kenntnisstand glücklicherweise nicht zu radioaktiven Freisetzungen oder Verletzungen von Menschen gekommen ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die beiden Störfälle eine tiefe Beunruhigung auslösen. Sie erinnern an die Vorfälle im AKW Forsmark im Juli 2006, wo nach einem Kurzschluss erst nach etwa 20 Minuten die Notstromversorgung funktionsfähig war, und an einen Transformatorbrand mit anschließender Explosion in Block 2 des AKW Ringhals im November 2006.
Als besonders schwerwiegend ist es anzusehen, dass der Füllstand des Kühlmittels im Reaktor des AKW Krümmel infolge des Störfalls abgesunken ist. Das ist der erste Schritt auf dem Weg zur Kernschmelze. Zum Glück haben weitere Notsysteme funktioniert.
Brunsbüttel (seit 1976 am Netz) und Krümmel (seit 1983) gehören zu den störfallanfälligsten Atomkraftwerken in Deutschland.
Bislang ist ungeklärt, ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Störfällen besteht.
Wir fragen die Landesregierung:
- Wie ist sichergestellt, dass die Landesregierung umfassend und zeitnah über die Störfälle in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel und die weiteren Erkenntnisse daraus informiert ist?
- Welche Folgerungen aus den Störfällen ergeben sich für die niedersächsischen Atomkraftwerke Esenshamm, Grohnde und Lingen?
- Welche Erkenntnisse liegen der Landesregierung über einen Zusammenhang zwischen den beiden Störfällen und Auswirkungen auf das Verbundnetz auch in Niedersachsen vor?
Fraktionsvorsitzender