Christian Schroeder: Rede zur Vogelgrippe (Aktuelle Stunde GRÜNE)

Rede Christian Schroeder© Plenar TV

TOP 21B Aktuelle Stunde (GRÜNE) zur Vogelgrippe

- Es gilt das gesprochene Wort -

In diesen Wochen erleben wir eine Vogelgrippe-Welle, wie wir sie in Niedersachsen eigentlich nie wieder erleben wollten. In den vergangenen Wochen stieg die Zahl der Ausbrüche stetig an und wir müssen alles Erdenkliche dafür tun, dass diese Zahlen nicht weiter steigen.

Das, was unsere Behörden und Institutionen aktuell machen, ist Schadensbegrenzung. Und ich habe höchstes Vertrauen, dass sie das auch können! Wir haben in dieser Situation verschiedenste Betroffenheit, auf die ich eingehen möchte.

Mein Kollege Leddin hat es vorhin detailliert beschrieben: Die Veterinärämter bekämpfen vorbildlich die Symptome. Sie löschen Brände, die an anderer Stelle ausgelöst wurden. Denn die eigentliche Ursache liegt tiefer und muss besprochen werden.

Wir müssen uns natürlich auch mit den finanziellen Auswirkungen und über die möglichen Entschädigungen auseinandersetzen. Da sind wir dicht beieinander, denke ich.

Und ja: wir müssen bei all dem unbedingt über das Tierleid sprechen: In den Ställen, im Wildvogelbestand und bei den Hobbyhalter*innen.

Über das Tierleid in Ställen müssen wir sprechen, weil die Tiere auf so engem Raum leben, dass eine Virusausbreitung bei einer Infektion quasi vorausgesetzt ist – und damit auch das präventive Keulen von noch nicht erkrankten Tieren.

Über den Wildvogelbestand, weil Kraniche und andere Zugvögel im wahrsten Sinne des Wortes tot vom Himmel fallen.

Und über die Rassegeflügel bei den Hobbyhalter*innen, die genauso enorm unter den Aufstallungen leiden. Wassergeflügel, zum Beispiel Gänsen, das offene Gewässer zu entziehen, ist eine reale Qual für die Tiere.

Niedersachsen hat eine der höchsten Geflügeldichten Europas. In manchen Ställen leben 50.000 bis 60.000 Tiere. Und laut der Deutschen Landwirtschaft-Gesellschaft sind auch schon Ställe mit 100.000 Mastplätzen in Planung. Gerade Putenbestände sind ideale Brutstätten – nicht nur für das Virus selbst, sondern auch für dessen Weiterentwicklung. Je mehr Tiere, je enger sie stehen, desto schneller verbreitet sich das Virus, desto schneller verändert sich das Virus. Diese Strukturen sind ein Risiko.

Und dabei ist es selbstverständlich wichtig zu sagen: Das Problem ist selten bei den einzelnen Betrieben zu suchen. Das Problem ist im System. Das Problem ist ein System, das über Jahrzehnte auf Größe, auf Masse, und auf maximale Auslastung optimiert wurde.

Das Problem ist ein System, das lebende Tiere zu bloßen Zahlen gemacht hat.
Das Problem ist ein System, das in Krisen immer wieder zeigt, wie verletzlich es ist.

Wenn wir also verhindern wollen, dass wir jedes Jahr aufs Neue über die gleichen Bilder sprechen, über die gleichen Zahlen, über die gleichen Dramen – dann müssen wir endlich die Ursachen angehen: Wir benötigen weniger Enge. Wie benötigen weniger Stress für die Tiere. Wir benötigen weniger Hochleistungszucht.

Kurz: Wir brauchen mehr Platz. Robustere Linien. Und Strukturen, die nicht im ersten Kontakt mit einem Virus zusammenbrechen.

Dass die Vogelgrippe solche Auswirkungen hat, ist eine Tragödie. Lassen Sie uns alles daransetzen, das Leid der Tiere einzugrenzen und auch die richtigen Schlüsse aus den Erfahrungen ziehen. Sonst stehen wir jedes Jahr wieder vor diesem Problem.

Aber leider sehe ich hier noch ein großes Problem. Ich vermisse das, was uns bei anderen Katastrophen geholfen hat: Ein Zusammenstehen der Demokraten in der Krise. Vorwürfe des Zögerns und Zauderns sind unangemessen und wirklich unangebracht!

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