Antrag: Startups und Gründungskultur in Niedersachsen stärken, verankern und Innovationen fördern

Fraktion der SPD
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Der Landtag wolle beschließen:

Entschließung

Startups sind Teil einer erfolgreichen Wirtschaft. Sie sind innovativ und flexibel, legen einen starken Fokus auf die Zukunft, unterstützen den Mittelstand in der unternehmerischen Entwicklung und sind, wie der Startup-Monitor eindrücklich zeigt, in Niedersachsen fester Bestandteil unserer heimischen Wirtschaft.

Vor dem Hintergrund einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft ist die Weiterentwicklung unserer Industriegesellschaft zu nachhaltigem Wirtschaften nicht nur möglich, vielmehr ist es eine zentrale Antwort auf die sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit.  Dabei sind Startups, Spin-offs, Scale-ups und innovative mittelständische Unternehmen die große Hauptschlagader unserer Wirtschaft und unserer inländischen Innovation. Durch einen gesunden Wettbewerb und die Förderung gründungsfreundlicher Strukturen werden Agilität und Innovationskraft gezielt gestärkt.

Niedersachsen ist ein attraktiver Standort für Startups und Innovationen; das zeigt nicht zuletzt die aktuelle Auswertung des Startup-Monitor Niedersachsen von 2024. Einen erheblichen Anteil am Erfolg der Startup-Branche hat die Startup-Initiative Niedersachsen.Next sowie die NBank. Auch die Entwicklung der Hightech-Inkubatoren, die Schlüsselthemen der niedersächsischen Transformation wie Agrar, Food, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI), erneuerbare Energien oder auch Mobilität zielgerichtet zu fördern und hier im besten Sinne die innovativen Ideen und das Startup Ökosystem weiterzuentwickeln, haben einen großen Anteil an der positiven Gesamtentwicklung.

Innovativen Mehrwert bietet auch das gewachsene Netzwerk und die in Niedersachsen ortsunabhängige Kooperation der zahlreichen Akteurinnen und Akteure. Ob Wissenschaft, Industrie, Mittelstand, Finanzierungspartnerinnen und -partner, Verwaltungen oder einfach nur eine kompetente Beratung: Startups brauchen zahlreiche Schnittstellen beziehungsweise Kontakte. Diese Netzwerke gilt es langfristig zu sichern und weiter auszubauen, insbesondere durch digitale Plattformen wie Innomatch, die gezielt für Matchmakings genutzt werden können.

Über 80% aller Startup-Gründerinnen und -gründer in Niedersachsen haben einen akademischen Abschluss, davon rund 60% von einer niedersächsischen Hochschule. Rund die Hälfte der Startups hat zudem von der Unterstützung einer Hochschule profitiert. Das bedeutet, dass niedersächsische Hochschulen wichtige Förderer des Startup-Ökosystems im Land sind und bedeutende Quellen von wissensbasierten Startups. Daher muss der eingeschlagene Weg zur Stärkung von Ausgründungen aus der Wissenschaft konsequent weiterverfolgt werden, insbesondere durch den gezielten Ausbau von Gründungsmöglichkeiten an Hochschulen.

Um die Innovationskraft zu stärken, bedarf es zusätzlicher Maßnahmen zur gezielten Förderung von Green Startups sowie von Startups in der Wachstumsphase. Besonders in Zeiten des demografischen Wandels müssen zudem Unternehmensnachfolgen erleichtert und eine stärkere Integration von Startups in regionale Wirtschaftsstrukturen gefördert werden. Dabei sollten verstärkt Business-Angel-Netzwerke und weitere Projekte mit Fokus auf Venture Capital unterstützt werden, um innovative Geschäftsmodelle gezielt in Niedersachsen zu halten und weiterzuentwickeln.

Die Digitalisierung von Antragsverfahren sowie der Bürokratieabbau sind notwendig, um den Zugang zu Fördermitteln zu erleichtern und eine höhere Effizienz bei der Vergabe von Fördergeldern zu gewährleisten. Ebenso muss die Internationalisierung niedersächsischer Startups durch gezielte Unterstützungsangebote gestärkt werden, um ihre Wettbewerbsfähigkeit im globalen Markt zu steigern, insbesondere durch die Schaffung neuer internationaler Vernetzungsmöglichkeiten.

Um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu gewährleisten, ist eine kontinuierliche Evaluation der Startup-Förderprogramme erforderlich. Zudem müssen verwaltungstechnische und bürokratische Hürden abgebaut werden, damit Innovationen schneller marktfähig werden.

Um diesen Erfolg beizubehalten und weiter auszubauen, braucht es die Fortsetzung, Verstetigung und Weiterentwicklung der Förderinstrumente. Dabei ist insbesondere zu prüfen, wie die Startup-Strategie langfristig im Landeshaushalt verankert und flexibel auf neue Herausforderungen angepasst werden kann.

Vor diesem Hintergrund begrüßt der Landtag:

  • die seit 2020 erfolgreiche Startup-Strategie des Landes Niedersachsen mit verschiedenen Handlungsfeldern von Sichtbarmachung, Female Entrepreneurship und Entrepreneurship an Schulen bis hin zu Business-Angel-Netzwerken und Internationalisierung,
  • die bereits laufende Förderung von „Science Startups“, von „Gründungs- und Innovationsräumen“ an Hochschulen sowie von „High-Tech Inkubatoren“.

Vor diesem Hintergrund bittet der Landtag die Landesregierung:

  1. bei der zukünftigen Förderung von individuellen Startups verstärkt auf Wandeldarlehen und/oder Nachrangdarlehen zu setzen,
  2. die Unterstützung von sozialen und gemeinnützigen Startups gezielt auszubauen, um innovative Lösungen für gesellschaftliche, pädagogische und ökologische Herausforderungen zu unterstützen,
  3. den Ausbau von Business-Angel-Netzwerken und weiteren Projekten mit Fokus auf Venture Capital in Niedersachsen zu unterstützen, um die Finanzierungsmöglichkeiten für Startups zu verbessern,
  4. die Synergien innerhalb von Niedersachsen.Next gezielt für Potentialanalysen zur Erschließung weiterer Startup-Ökosysteme, insbesondere in den Bereichen Mobilität, Energie und Biotechnologie, sowie zur Vernetzung von Startups mit Unternehmen zu nutzen, um innovative Lösungen für konkrete Bedarfe zu entwickeln,
  5. Universitäten und Hochschulen eine vereinfachte Beteiligung an Startups zu ermöglichen und dabei die Nutzung von Patenten oder Forschungskapazitäten zu prüfen,
  6. niedersächsische Startups bei der Internationalisierung stärker zu unterstützen, indem gezielte Unterstützungsangebote sowie internationale Vernetzungsmöglichkeiten geschaffen und unterstützt werden,
  7. das Startup Ökosystem noch stärker in den wirtschaftlichen und politischen Dialog einzubinden und eine Startup-orientierte Wirtschaftsförderung zu schaffen,
  8. Innomatch als digitale Plattform für Matchmakings weiter auszubauen und gezielt zur Vernetzung von Startups, Investoren, Unternehmen und Wissenschaft zu nutzen,
  9. die Einbindung des ländlichen Raums in die Startup-Strategie mit gezielten Maßnahmen zu stärken und regionale Konzepte der Startup-Zentren mit den Kommunen im Austausch zu unterstützen,
  10. angesichts der hohen Bedeutung von Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen die laufenden Aktivitäten von MWK und MW in diesem Bereich fortzusetzen und geeignete Förderprogramme im Anschluss an die Förderung von „Science Startups“, von „Gründungs- und Innovationsräumen“ an Hochschulen sowie von „High-Tech Inkubatoren“ zu entwickeln, sowie bei den Zielvereinbarungen mit den Hochschulen einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen, der auch den strategischen Ansatz des Transfers berücksichtigen soll,
  11. verwaltungstechnische und bürokratische Hürden abzubauen,
  12. zu prüfen, wie Innovationen und Ausgründungs-Potentiale von Abschluss-Arbeiten an Universitäten und Hochschulen aktiv ermittelt und in die Gründungsszene hineingetragen werden können, zum Beispiel durch Innovations-Scouts,
  13. zu prüfen, wie die Startup-Strategie im Haushalt 2026 fest verankert werden kann,
  14. zu prüfen, wie möglichst flexible Förderinstrumente für Startups, insbesondere Fördermittel für High-Tech-Inkubatoren, Gründungsstipendien und NSeed, langfristig und auskömmlich gesichert werden können,
  15. die finanzielle Förderung von Startups an Förderkriterien für „Gute Arbeit“ anzulehnen.

Begründung

Die zukunftsgerichtete Startup-, Innovations- und Digitalpolitik ist ein wesentlicher Treiber für den Wandel unserer Industriegesellschaft und für nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

Angesichts der heutigen sozialen und ökologischen Herausforderungen ist es von entscheidender Bedeutung, das Startup-Ökosystem in Niedersachsen weiter zu stärken und zu fördern. Startups schaffen Arbeitsplätze, treiben technologische Entwicklungen voran und leisten wichtige Beiträge zur Digitalisierung, Mobilität und den erneuerbaren Energien. Dies trägt nicht nur zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bei, sondern fördert auch eine nachhaltige und soziale Innovationskultur, die praxisnahe Lösungen für aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen liefert und Niedersachsen als modernen Wirtschaftsstandort weiterentwickelt.

In der aktuellen Legislaturperiode müssen die erzielten Erfolge ausgebaut und verstetigt werden. Der wirtschaftliche Wandel eröffnet neue Chancen für Wachstum und Innovation, die durch zielgerichtete Maßnahmen und den gezielten Ausbau von Netzwerken, Finanzierungsmöglichkeiten und internationaler Zusammenarbeit genutzt werden müssen. Niedersachsen hat bereits eine starke Basis geschaffen – diese muss nun weiter gestärkt werden, um das Land als führenden Standort für Gründungen langfristig zu etablieren.

Zurück zum Pressearchiv