Antrag: Starke Kinder lernen besser - Pädagogisch-psychologische Unterstützungsteams in den Schulen einrichten!

Der Landtag wolle beschließen:

Entschließung

Der Landtag stellt fest:

Kinder und Jugendliche, die unter Schulangst, familiären Belastungen, oder anderen psychosozialen oder gesundheitlichen Problemen leiden, können nicht gut lernen. Der Schulerfolg hängt davon ab, dass sich die Schulen – wie in Finnland - auch um das psychische und gesundheitliche Wohlergehen ihrer Schülerinnen und Schüler kümmern.

Der Landtag kritisiert, dass den Schulen in Niedersachsen bei weitem zu wenig Sozialpädagoginnen und –pädagogen, Beratungslehrkräfte und Schulpsychologinnen und –psychologen zur Verfügung stehen. Bei der Ausstattung mit Schulpsychologen sind die niedersächsischen Schulen sowohl im Bundesvergleich als auch im internationalen Vergleich Schlusslicht. Während in Italien ein Schulpsychologe für jeweils 470 Schülerinnen und Schüler zur Verfügung steht und im Bundesdurchschnitt ein Schulpsychologe für jeweils 19.000 Schülerinnen, gibt es in Niedersachsen nur eine Schulpsychologenstelle pro 26.000 Schülerinnen und Schülern.

Der Landtag fordert die Landesregierung auf:

Für alle Schulen werden schrittweise bis 2018 pädagogisch-psychologische Unterstützungsteams eingerichtet.

  • Die pädagogisch-psychologischen Unterstützungsteams sind ansprechbar für Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und für die Lehrerinnen und Lehrer und  unterstützen sie bei der Lösung von Problemen (Beratung und Krisenintervention).
  • Sie arbeiten an der Entwicklung von präventiven Konzepten mit.
  • Den pädagogisch-psychologischen Unterstützungsteams gehören Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter, Beratungslehrkräfte, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen und Gesundheitsfachkräfte an.
  • Sie arbeiten mit außerschulischen pädagogisch-psychologischen und medizinischen Unterstützungsinstitutionen zusammen.
  • Es werden – unter Berücksichtigung der Sozialindikatoren der einzelnen Schulen - für die pädagogisch-psychologischen Unterstützungsteams bis zu zwei Stellen für je 500 Schülerinnen und Schüler bereitgestellt.

Die Arbeit der pädagogisch-psychologischen Unterstützungsteams wird zunächst in Modellregionen erprobt und evaluiert. Die positiven Erfahrungen werden auf die anderen Regionen übertragen. Schrittweise bis spätestens 2018 werden pädagogisch-psychologischen Unterstützungsteams landesweit für alle Schulen eingerichtet.

Begründung

Lernprobleme von Schülerinnen und Schülern haben häufig ihre Ursache in psychosozialen oder auch in gesundheitlichen Problemen. Nur wenn die Schule diese Probleme wahrnimmt und die Schülerinnen und Schüler unterstützt, sind optimale Lernerfolge möglich.

Wie in anderen Ländern - besonders vorbildlich in Finnland - sollen deshalb auch für alle niedersächsischen Schulen aller Schulformen pädagogisch-psychologische Beratungsteams eingerichtet werden.

Die Universität Hildesheim hat gemeinsam mit dem Verband Niedersächsischer Schulpsychologen, dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit in Niedersachsen und dem Verband der Beratungslehrkräfte Niedersachsens ein "Konzept für ein Pädagogisch-Psychologisches Beratungs- und Unterstützungssystem in der Eingenverantwortlichen Schule" vorgelegt, in dem – nach dem Vorbild der Betreuungsteams in den finnischen Schulen - die Aufgaben und die Arbeitsweise pädagogisch-psychologischen Beratungs- und Unterstützungssystems beschrieben sind.

Die Beratungsteams in den Schulen sollen in der Lage sein, schnell und qualifiziert auf die Anliegen von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern zu reagieren, gemeinsam mit den Beteiligten pädagogische Diagnosen zu erstellen und die notwendigen Maßnahmen zu koordinieren und arbeitsteilig umzusetzen.

Die Beratungsteams treten regelmäßig zusammen, um ihre Arbeit zu koordinieren. Sie beziehen bei Bedarf weitere Beteiligte, z.B. Fach- und Klassenlehrkräfte und Sonderpädagoginnen und –pädagogen mit ein. Für die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und die Eltern sind die Beratungsteams unkompliziert erreichbar.

Es gibt bereits Angebote zur pädagogisch-psychologischen Unterstützung der Schulen, die zu einem flächendeckenden Netz an psychologisch-pädagogischen Unterstützungsteams ausgebaut werden können.

Die bisherigen Angebote sind jedoch bei weitem unzureichend. In Niedersachsen gibt es nur eine Schulpsychologenstelle für durchschnittlich 26.000 Schülerinnen und Schüler. Damit ist Niedersachsen im Vergleich der deutschen Bundesländer deutlich am schlechtesten ausgestattet und liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von einem Schulpsychologen pro 19.000 Schülerinnen und Schülern. Dieser Bundesdurchschnitt liegt wiederum deutlich unter dem internationalen Durchschnitt. Im Vergleich dazu steht z.B. in Italien ein Schulpsychologe pro 470 Schülerinnen und Schülern zur Verfügung. (Vgl. Prof. Rainer Dollase, Gutachten zur Situation der Schulpsychologie in Niedersachsen, Bielefeld 2010) Die Zahl der Schulpsychologen ist in Niedersachen in den vergangenen Jahren deutlich abgebaut worden. Gab es im Jahr 2000 noch 89 Stellen für die schulpsychologische Beratung, so sind im Jahr 2010 nur noch 48 Stellen besetzt.

Auch die Ausstattung mit Beratungslehrkräften ist bei weitem unzureichend. Insgesamt stehen den Schulen nur 4.194 Beratungslehrerstunden zur Verfügung, also wenig mehr als durchschnittlich einer Beratungslehrerstunde pro Schule. Viele Schulen haben gar keine Beratungslehrkräfte.

Schulsozialarbeit gibt es lediglich an den Hauptschulen, an der Minderzahl der Ganztagsschulen und der Förderschulen sowie an den Internaten.

Das Land finanziert insgesamt nur ca. 750 Stellen für Schulpsychologinnen und –psychologen, Beratungslehrkräfte, Sozialpädagoginnen und –pädagogen und Schulsozialarbeiterinnen und –sozialarbeiter. Das ist im Durchschnitt eine Stelle für ca. 1.200 Schülerinnen und Schüler, bei weitem zu wenig, um für alle Schulen ein ausreichendes Unterstützungsangebot bereitstellen zu können.

Orientiert an den Erfahrungen anderer Länder sollten mindestens 1 bis 2 Stellen für jeweils 500 Schülerinnen und Schüler für die pädagogisch-psychologischen Unterstützungsteams zur Verfügung gestellt werden. In Kooperation mit den öffentlichen Gesundheitsdiensten soll angestrebt werden, dass den Unterstützungsteams auch Gesundheitsfachkräfte sowie Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung stehen.

Pädagogisch-psychologische Unterstützungsteams sollen für alle Schulen eingerichtet werden. Kleinere Schulen sollen hierfür Verbünde einrichten. Beim Stellenschlüssel ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu berücksichtigen.

Die Arbeit der pädagogisch-psychologischen Unterstützungsteams soll zunächst in einigen Modellregionen erprobt werden. Bis 2018 sollen die Unterstützungsteams für alle Schulen eingerichtet werden. Zu finanzieren sind die Stellen für die Unterstützungsteams durch die Umwidmung von Lehrerstellen, die aufgrund des starken Rückgangs der Schülerzahlen entbehrlich werden.

Stefan Wenzel

Fraktionsvorsitzender

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